MannPassAuf! Wider die Gräuel
von Matriarchat und Gynokratie.

Ausweg Gynarchie? Dieter Ottens "MännerVersagen". (22-6-09)

1. Vorbemerkungen.

Bei Männerrechtlern hat Dieter Otten, soweit ich das übersehe, keine gute Presse. Das kann auch nicht überraschen, denn sein Buch "MännerVersagen" beginnt - noch vor dem Inhaltsverzeichnis - mit einer sexistischen Witzelei, etikettiert als "Warnung":

Ein Schimpanse benötigt nach Ansicht von Primatenforschern acht Kopulationsbewegungen, um zum Samenerguß zu kommen. Danach wendet er sich von seiner Paarungspartnerin ab.

Um dieses Männerversagen geht es nicht.

Der Eindruck muß entstehen, daß hier ein sogenannter "Pudel" schreibt, also ein Nestbeschmutzer, der sich auf Kosten seiner Geschlechtsgenossen bei Frauen einschmeicheln möchte, indem er diesen nach dem Munde redet. Wie zur Bestätigung lesen wir im letzten Absatz des Buches:

Statt die Welt erobern zu wollen, sollen die Männer lieber versuchen, ihre Frauen zu lieben. (S.354)

Von diesen beiden Erklärungen ist das Buch sozusagen eingerahmt. Eine gewollt provokativ formulierte Kapitelüberschrift wie

Verbrechen ist männlich
Nicht Gewalt und Kriminalität bedrohen unsere Gesellschaftsordnung, sondern Männer

mag das Übrige tun, um einen Vertreter des inkriminierten Geschlechts, der seinen "Sinn für Humor" mit der Zeit verloren hat, zu veranlassen, das Buch ungelesen beiseite zu legen.

Ich wollte es genauer wissen. Und ich muß sagen, die Lektüre hat sich gelohnt. Otten ist ein ausgezeichneter Soziologe mit umfassenden Kenntnissen und einem exzellenten Tunnelblick. Ungeachtet seiner Paranoia ist er zudem ein brillianter Stilist. Gerade die partielle Blindheit bei gleichzeitiger Hellsicht für andere Zusammenhänge, sie sind es, welche dieses Buch so lehrreich machen.


"MännerVersagen" - das klingt nach Selbstkritik. Tatsächlich haben wir Männer in vielerlei Hinsicht versagt, denn sonst wären wir von der Gynokratie verschont geblieben.

Aber natürlich meint Otten dieses Männerversagen nicht, genausowenig wie das oben bereits zitierte, am Beispiel von Affen veranschaulichte Männer-"Versagen". Umgekehrt: Der Autor plädiert für die vollständige Verweiblichung (oder Durchweiblichung) unserer Gesellschaft, so als ob das, was bisher passiert ist, noch nicht genug wäre. Allen Ernstes fordert er die "Sozialisierung" des Mannes durch Frauen, Kinder und Schwule.

Daß er dies tun kann, ohne sich lächerlich zu machen, ja womöglich ernsthafte Probleme zu bekommen, beweist eigentlich nur, daß das Matriarchat bereits existiert. Genauer gesagt: Es beweist die Existenz der ersten Gynokratie, welche diesen Namen verdient. Heute kann ein Mann ohne große Anstrengung nur noch dann etwas erreichen, wenn er Frauen - nicht Männern - nach dem Mund redet.

Ungeachtet der persönlichen Note des Autors, die ihn als einen sogenannten "lila Pudel" ausweist, ist aber eine Problematisierung des heutigen Geschlechter-Verhältnisses unbedingt notwendig. Und in diesem Zusammenhang erscheint mir Ottens Parallelisierung auf ein anderes polares Verhältnis, nämlich das von hierarchischer und von "symplektischer" (vernetzter) Weltsicht, als hilfreich.

Ja, ich halte sogar für möglich, daß Otten letztlich auf Dasselbe hinauswill, auch wenn er es nicht sagt, vielleicht nicht einmal weiß. Denn was bedeutet der Ausdruck "MännerVersagen"? Warum gibt es kein "FrauenVersagen"? Warum ist die Jahrtausende alte sogenannte Unterdrückung der Frau nie als ein Versagen der Frau bezeichnet worden?

Ganz einfach, behaupte ich: Weil man als Versager nur den bezeichnen kann, dem man auch etwas zutraut. So kann ein Monarch, ein Herrscher versagen, weil man ihm zutrauen muß, daß er über das Volk zu dessem Wohle regiert. Kann aber das Volk versagen? Nein, es kann nur falsch regiert, also etwa unterdrückt und ausgebeutet werden. Und so wie ein Herrscher auch dann noch ein Herrscher bleibt, wenn er versagt, so bleibt auch der Mann auch als Versager noch der Herr. Er ist der Mensch im Vollsinne.

Im Folgenden werde ich Kapitel für Kapitel des Buches durchgehen (das erste jedoch übergehen) und mit einem Resümée und einer Bewertung schließen. Die den Kapiteln zugeordneten Abschnitte sind aber nicht gleich lang. Lassen Sie sich also nicht abschrecken, wenn der eine oder andere Abschnitt etwas länger ausfällt. Außerdem habe ich sie teilweise anders überschrieben als die Kapitel des Buches, weil sie dort m.E. nicht immer aussagekräftig genug sind.

2. Statistik-Analphabetismus?

Nachdem der Autor die Frage "Ist unsere Welt in Unordnung?" mit einem vielfältigen Ja beantwortet hat, wird er im zweiten Kapitel sehr konkret: Verbrechen ist männlich. Irritierend sind allerdings seine statistischen Belege, die so gar nicht zu den statistischen Angaben passen wollen, die ich im Internet auffinden konnte.

Wie wir sehen werden, gibt es nicht einen Kriminalitätsbereich, in dem Frauen eine nennenswerte Rolle spielen. (S.45)

Drei Seiten später widerspricht er sich und bagatellisiert sogleich sein Ergebnis:

Nicht einmal in dem Deliktbereich, in dem Frauen eine nennenswerte Rolle spielen (Ladendiebstahl), kommt ihre Quote über die Marginalität hinaus. (S.48)

Folgende krasse Falschbehauptung sei zitiert wegen der Quellenangabe:

99,0 Prozent der Betrugsdelikte werden von Männern begangen, nur ein Prozent von Frauen (...). Die Zahlen in Deutschland liegen genauso (Statistisches Bundesamt, 1997). (S.49)

Was aber sagt die Statistik über den weiblichen Anteil der Täter wirklich? Da ich auf der Seite des Statistischen Bundesamtes für 1997 nur Angaben zur geschlechtlichen Verteilung für Straftaten insgesamt auffinden konnte, habe ich die des Bundeskriminalamtes (PKS) herangezogen, welche sich ansonsten mit den ersteren decken. Dabei habe ich für den Bereich "Gewaltdelikte" aus der PKS nur die Zahlen für "schwere und gefährliche Körperverletzung" herausgegriffen, weil eine summarische Zahl für Gewaltdelikte dort nicht verfügbar ist.

D. Otten PKS 1997 PKS 2007
Ladendiebstahl 15 % 34,6 % 33,2 %
Gewaltdelikte 3 % 12,1 % 13,9 %
Sexualdelikte 0,01 % 0,8 % 1 %
Raubdelikte 0,1 % 8,5 % 9,0 %
Betrugsdelikte 1 % 24,5 % 30,8
Gesamtdelikte 11,4 % 22,8 % 24,2 %

Man beachte, wie stark, ja teilweise extrem die offiziellen Angaben von den Angaben, die Otten macht, abweichen! In allen Bereichen ist die weibliche Krimininalität mindestens doppelt, teilweise fast hundert mal so hoch als wie Otten sie angibt.


Ein für Frauen noch deutlich ungünstigeres Bild zeichnet die Polizeiliche Kriminalstatistik Berlin. Ich gebe die Angaben der Seiten 136-140 des Berichts von 2008 auszugsweise wieder:

Vortäuschen einer Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung93,4 %
Verletzung der Fürsorge- oder Erziehungspflicht74,0 %
Entziehung Minderjähriger50,0 %
Verleumdung ohne sexuelle Grundlage48,6 %
Falsche Verdächtigung44,2 %
Falsche uneidliche Aussage34,4 %
Misshandlung von Schutzbefohlenen43,6 %
Wertzeichenfälschung 48,1 %
Sonstiger Sozialleistungsbetrug38,0 %
Diebstahl insgesamt31,4 %
Ladendiebstahl38,9 %
Sonstiger Warenkreditbetrug36,7 %
Krediterlangungsbetrug32 %
Fahrlässige Körperverletzung31,5 %
Körperverletzung insgesamt19,5 %
Häusliche Gewalt22,7 %
Gefährliche und schwere Körperverletzun i.d. Öffentlichkeit14,1 %
Stalking17,3 %
Raubüberfälle in Wohnungen12,8 %
Handtaschenraub11,3 %
Vorsätzliche Brandstiftung13,8 %
Gesamter weiblicher Anteil an Delikten25,6 %

Der ersten Zeile ist zu entnehmen, daß fast nur Frauen lügen, wenn es darum geht, das andere Geschlecht eines sexuellen Übergriffs zu bezichtigen. Nun, Männer hätten ohnehin wenig Grund, könnte man einwenden. Oder trauen sie sich bisher noch nicht, Frauen anzuzeigen?


Was die geschlechtliche Verteilung der Unfälle im Straßenverkehr betrifft, so liegt Otten noch weit krasser daneben als mit seinen bisher zitierten Behauptungen:

Frauen, das belegen die statistischen Zahlen seit über zwei Dekaden, sind am Kraftfahrzeug-Straßenverkehr etwa gleich hoch beteiligt wie Männer - sowohl was die erteilten Fahrlizenzen als auch was die gefahrenen Kilometer betrifft.

Umso verblüffender sind die Daten: Nach dem Home Office von 1995 sind in England nur 0,5 Prozent der Verkehrsdelikte von Frauen begangen worden [...]. 1997 war die Zahl der Frauen, die an Verkehrsdelikten in Deutschland beteiligt waren, unwesentlich größer: nämlich 1,2 Prozent. (S.53)

Doch der Anteil der Frauen, die im Verkehrszentralregister des Kraftfahrtbundesamtes am 1. Januar 2009 gemeldet waren, beträgt 21,7 %; 1999 waren es bereits 18,79 %, in jedem Falle ein Vielfaches von dem, was Otten unterstellt.

Auch die Behauptung der gleichen Zahl von erteilten Fahrlizenzen stimmt nicht. Noch 2007 waren Frauen nur mit knapp 40 Prozent dabei, siehe hier. Vor Allem aber ist Ottens Behauptung hinsichtlich der gefahrenen Kilometern geradezu abwegig, denn jeder weiß, daß Berufskraftfahrer fast ausschließlich Männer sind. Berücksichtigt man dies, so überrascht nicht, daß Frauen bei nur knapp einem Viertel der gefahrenen Kilometer mehr als ein Drittel der Unfälle verursachen.

Richtig ist zwar, daß Männer, besonders in ihren jungen Jahren, die schwereren Personenschäden herbeiführen.

Allerdings beruht die insofern günstigere Statistik für Frauen nicht nur auf deren geringere Risikobereitschaft, sondern darauf, daß sie oft gar nicht mehr dazu kommen, einen höheren Gang einzulegen, weil das Fahrzeug schon an der Garagenwand, einem parkenden Auto oder in einer Hecke abrupt zum Stehen gekommen ist. Nicht in betrieblichen Hierarchien, sondern in der Gangschaltung des Damen-Autos hat die "gläserne Decke" ihre Erfahrungsgrundlage.

Erhellend sind Zeitungsmeldungen wie etwa diese:

Ein halbes Dutzend beschädigte Autos, ein angefahrener Baum und Laternenmast: Das ist das Resultat eines Verkehrsunfalls in Großhansdorf, bei dem ein Sachschaden von mindestens 40.000 Euro entstand. Eine Frau hatte unter Aufsicht der Polizei versucht auszuparken.

Ein ähnlicher Fall:

Der Versuch, ihr Auto vor ihrem Wohnhaus in Kempten einzuparken, missriet der 87-Jährigen gründlich. Beim Vorwärtsrangieren schob sie zunächst drei geparkte Autos aufeinander. Dann legte sie den Rückwärtsgang ein und schob zwei weitere parkende Autos zusammen.

Bei ihrer Rückwartsfahrt überrollte die gehbehinderte Frau anschließend einen Gartenzaun und prallte mit dem Heck ihres Wagens gegen eine Tanne. Von dort ging es wieder vorwärts - direkt in die Beifahrerseite eines der Autos, die sie zuvor schon einmal angerumpelt hatte.

Bilanz des Einparkversuchs: Wirtschaftlicher Totalschaden des Wagens der Frau und Kosten von insgesamt rund 18.500 Euro.

Frauen fahren also bereits in nüchternem Zustand oft so wie Männer in angetrunkenem Zustand. Dabei sind sie in der Lage, sich selber Grenzen zu setzen, die sie dann allerdings zu durchbrechen versuchen. Und zwar unbeirrt durch Widerstände. Darin unterscheiden sie sich von Männern, die meist nach dem ersten Scheitern zur Besinnung kommen und aus dem Wagen steigen. Ich greife vor, wenn ich bezüglich der weiblichen Durchhaltekraft Otten zitiere:

Mädchen und junge Frauen neigen viel seltener als Jungen dazu, einmal angefangene Beschäftigungen abzubrechen oder aufzugeben, bevor nicht ein gewisser Grad an Vollendung erreicht ist. (S.91)

Dafür hat die Versichertengemeinschaft oft einen hohen Materialpreis zu zahlen.


Zur geschlechtlichen Verteilung der Strafgefangenen macht Otten Angaben, die ich ebenfalls nicht bestätigt finden konnte:

Gefangene:DeutschlandGBUSA
Frauen:0,01 Prozent0,2 Prozent2,8 Prozent
Männer:99,99 Prozent99,8 Prozent97,2 Prozent
Summe:100 Prozent100 Prozent100 Prozent

In Wahrheit beträgt der Frauenanteil bei uns 3-4 %, Tendenz leicht steigend. Offenbar ist Otten für einen Moment nicht aufmerksam gewesen, denn zwei Sätze darüber lesen wir:

"Achtzigtausend Gefängnisinsassen entspricht 0,01 Prozent der Bevölkerung, wenn wir die Gesamtbevölkerung in Deutschland auf 80 Millionen abrunden. (S.46)

Er hat irrtümlich also die Gefangenen-Quote insgesamt dem Anteil der weiblichen Gefangenen zugeordnet. Merkwürdig ist freilich, daß auch der Verlagslektor den Irrtum nicht bemerkt hat. Jedenfalls dürfen wir wohl nicht alles für bare Münze nehmen, was in diesem Buche steht!

2.1. So täuschen uns die "Experten".

Offen gesagt, habe ich mich durch Ottens Behauptungen erst einmal blenden lassen. Eine bei näherem Hinsehen so lächerliche (oben widerlegte) Aussage wie

Frauen tauchen nicht nur in der Kriminalstatistik so gut wie nicht auf, sie weisen auch kaum eine Disposition zu deviantem Verhalten auf (S.78)

machte mich zwar für einen Moment stutzig. Daß ich sie dennoch bereitwillig schluckte, muß an dem anschließenden Absatz gelegen haben, den ich seiner Länge wegen etwas aufteile:

Das ist zugegebenermaßen eine starke Behauptung. Doch wir sind in der Lage, sie aufgrund eigener umfangreicher empirischer Forschungen, aber auch zum Teil mit Forschungsergebnissen anderer Sozialforscher und Marktforscher zu belegen.

Diese Forschungsergebnisse basieren auf Reihenuntersuchungen, die in den letzten zehn Jahren regelmäßig durchgeführt worden sind und von daher hohe Plausibilität besitzen. Sie sind darüber hinaus interkulturell und können deshalb in Anspruch nehmen, nicht nur regionale Phänomene zu beschreiben, sondern einen globalen Trend.

Verglichen mit den manifesten Kriminalitätsstatistiken ergeben sie einen harten Faktor, stringent genug, um die Behauptung wagen zu können, daß eine Mehrzahl der Männer zu deviantem [abweichenden] Verhalten neigt und teilweise tief in kriminelles und soziopathisches Verhalten verwickelt ist. (S.78)

Was soll man als Laie dem entgegenhalten, wenn der Autor ein Prof. Dr. und anerkannter Fachmann ist, der sich zudem auf die Mitwirkung eines Forschungskortiums beruft, und in diesem Zusammenhang Folgendes vermerkt:

Insgesamt haben in diesem Verbund etwa fünfzig Forscher an den Untersuchungen gearbeitet (S.13)

Da ist man zunächst beeindruckt und stellt seinen Widerspruch für eine Weile zurück.

Aus demselben Grunde liest man nur allzu leicht über den widersprüchlichen Satz schon im Vorwort des Buches hinweg:

Ein Großteil der Erkenntnisse dieses Buches fußt auf einer Fülle von empirischen Daten, die wir seit 1987 (also seit über zwei Jahrzehnten) in zahllosen Untersuchungsstaffeln zusammengetragen haben und die uns eine einzigartige Einsicht in die Entwicklung der Informationsgesellschaft erlauben. (S.13)

Haben Sie ihn entdeckt? Das Buch beruht auf einer Vorlesung des WS 1998/99 und ist im Jahre 2000 erschienen. Zwischen 1987 und dem Erscheinungsjahr sind aber keine zwei Jahrzehnte (an Forschungsarbeit) verstrichen. Zwar ist das in diesem Fall auch nicht wichtig, aber ein Buch, das so sehr durch Zahlen zu überzeugen versucht, sollte sorgfältiger lektoriert sein.

Bei näherem Hinsehen bietet Otten sich Angriffspunkte allein schon durch die Maßlosigkeit gewisser Behauptungen. Zum Beispiel spricht er von einer

unter der Oberfläche schwimmenden, also latenten, aber verblüffend großen Bereitschaft nahezu aller Männer zu deviantem Verhalten, zu Gewalt und auch zum Töten. (S.77)

Wenden wir dies doch einmal auf ihn selber an:

  1. Dieter Otten ist ein Mann.

  2. Nahezu alle Männer sind bereit zu deviantem Verhalten, zu Gewalt und auch zum Töten.

  3. Also dürfen wir nahezu sicher sein, daß Dieter Otten zu deviantem Verhalten, zu Gewalt und zum Töten neigt.

  4. Um jedes Risiko auszuschließen, ist daher anzuordnen, Dieter Otten wegzusperren.

Denn daß er über das notorische Verbrechertum der Männer berichtet, bedeutet nur, daß er - in welch einer Bedeutung auch immer - "vom Fache" ist, nicht aber, daß er selber besser sei. Das zu sein beansprucht er ja auch nicht explizit.

Alternative: Wir nehmen den Autor einfach nicht ernst in dem, was er uns da auftischt. Doch da würde uns so manches Wunder entgehen. Folgen Sie mir doch noch ein Weilchen, lieber Leser!

3. "Männer-Gegenwelten".

In dem Kapitel Der industriell-kriminelle Komplex - Männer-Gegenwelten und die Ökonomisierung des Verbrechens zeichnet Otten ein wahres Schreckensbild der Schattenseite unserer Gesellschaft. Es geht um organisierte Prostitution, Frauenhandel, Kinderpornografie, Drogen- und Waffentransfer, Korruption und Schatten-Armeen. Dabei kommen auch die Immigrantengruppen verschiedenster Regionen dieser Welt nicht zu kurz. Warum aber führt Otten dies alles an? Natürlich, um seinen Geschlechter-Manichäismus zu stützen:

Die Opfer der kriminellen Armeen sind in erster Linie Millionen von Frauen und Kindern [...]

  • Wir leben zunehmend in zwei Machtsphären, in der formellen und in der informellen Gegengesellschaft der industriellen Kriminalität.

  • In der einen herrschen Frieden, Rechtsstaatlichkeit, Zivilisation und Frauenemanzipation. In der anderen herrschen ein "römischer Krieg", Rechtlosigkeit und eine unverhüllte bruatle Männerherrschaft, die alle Rechte der Frauen zynisch mit Füßen tritt und über Emanzipation eiskalt lacht. (S.75f.)

Ich habe davon abgesehen, Ottens Angaben zur weiblichen Opfer-Statistik zu überprüfen. Zuverlässige Angaben grade auf diesem Feld dürften ohnehin wohl nur schwer zu erbringen sein, auch weil die politisch-rechtlichen Rahmenbedingungen in ständiger Bewegung sind.

Hinweisen möchte ich allerdings auf die zunehmende Angleichung der Geschlechterrollen auch in der organisierten Kriminalität, so z.B. in der Mafia. Mittlerweile dürfte klar geworden sein, daß ohne Beteiligung der Frauen dort "nichts läuft". Vgl. etwa auch diese Zeitungsmeldung von 2002: Schon damals töteten Frauen nicht mehr ausschließlich im Hintergrund, sondern sogar auf offener Straße. Hier waren es Frauen verschiedener Clans, die sich gegenseitig eine wilde Verfolgungsjagd lieferten und von automatischen Waffen Gebrauch machten. Die Opferzahl ist beeindruckend.

Weiterhin sollten wir einmal die Begriffe des "Menschenhandels" und der modernen "Sklaverei" betrachten. Sie werden immer noch ausschließlich der weiblichen Prostitution zugeordnet, so als gäbe es keinen massenhaften Sextourismus alter Weiber vor Allem nach Afrika mit verheerenden Folgen für die dortigen traditionellen Stammeskulturen.


Es gibt aber noch eine andere Form moderner Sklaverei größten Ausmaßes, die Otten freilich nicht erwähnt - aus gutem Grund, denn Sklaverei wird heute immer noch in einem historischem Sinne definiert. Demnach ist Sklave, wer, grob gesagt, zu Zwecken der Ausbeutung seiner Arbeitskraft verkauft, vermietet, verschenkt oder vererbt werden kann. Der Sklave ist in diesem Verständnis eine Ware.

Auf die heutigen Unterhaltssklaven, fast ausschließlich Männer, trifft der erwähnte Warencharakter zwar formell nicht zu. Das heißt aber nicht, daß Unterhaltssklaven, zumal bei erhöhter Erwerbsobliegenheit, über ihre Lebensbedingungen im üblichen Rahmen frei verfügen dürften. Im Gegenteil, sie haben oft noch weniger Freiheiten als antike Sklaven sie hatten, die bisweilen zu hohen Ämtern aufsteigen und darüberhinaus sich freikaufen konnten.

Entscheidend aber und historisch neu ist in diesem Zusammenhang, daß Initiatoren und Profiteure dieser modernen Sklaverei ausschließlich Mütter, also Frauen sind. Sie bedienen sich dafür geeigneter Institutionen, die insofern unser real existierendes Matriarchat konstitutieren. Dabei folgt das Vorgehen einem gleichbleibendem Muster in folgenden Schritten:

  1. Passive Vergewaltigung ("Ich habe absichtlich die Pille vergessen", vgl. das gleichlautende Plakat der Bildzeitung);

  2. nach Geburt oder Feststellung der Schwangerschaft: Scheidung oder "Flucht" ins Frauenhaus (Scheidungen werden ganz überwiegend durch Frauen beantragt; männliche Äquivalente zu Frauenhäuser gibt es nicht);

  3. Beantragung des alleinigen Sorgerechts und des Aufenthaltsbestimmungsrechts. Beiden Anträgen wird fast immer stattgegeben.

  4. Im Falle väterlichen Widerstandes: Anschuldigung des sexuellen Mißbrauchs, Kindesmitnahme ins Ausland u.v.a.m.

Es wird höchste Zeit, daß dieses Vorgehen offiziell als Sklaverei bezeichnet und die rechtliche Grundlage, die es überhaupt erst ermöglicht, beseitigt wird. Denn anders als durch Aufhebung dieser Mütter-Gegenwelt wird auch unser Geburtenrückgang nicht zu korrigieren sein.

Vgl. hierzu auch die Besprechung des Kapitels "Vaterschaft als Sozialisation"!

4. Sind Frauen uns überlegen?

Im nächsten Kapitel, überschrieben Good boys - bad boys? Der Aufstieg des weiblichen Sozialisationsmodells und die Krise seines männlichen Pendants berichtet Otten zunächst über die Ergebnisse einer groß angelegten Befragung zum Thema Werte und Moralvorstellungen.

Demnach lehnen Frauen amoralische Handlungen grundsätzlich ab - außer das Mogeln beim Kartenspiel.

Ganz anders die Einstellung der Männer. Ihre moralische Stabilität ist beim Kartenspielen am höchsten. [...] Aber dafür steigen die Zahlen der lässigen Inkaufnahme amoralischer Handlungen bei"echten" Delikten und kriminellen Handlungen in die Höhe. (S.80)

Dies wird angeblich durch die Untersuchungen der amerikanischen Marktforscher James Patterson und Peter Kim (1991) bestätigt, die sich demnach so ausdrücken:

Frauen sind Männern moralisch überlegen. Dies bewahrheitet sich überall in den USA [...] Frauen lügen weniger. Frauen sind verantwortungsbewußter. Frauen sind vertrauenswürdiger." (S.81)

Nach Otten lassen sich diese Unterschiede wie folgt erklären:

Männer fühlen sich den Regeln verpflichtet. Sie sie sind auch dann noch regelloyal, wenn wenn die Regeln sich objektiv als ungeeignet erwiesen haben, die Probleme der Betroffenen zu lösen. [...]

Frauen fühlen sich demgegenüber fast immer den Menschen verpflichtet. [...] (S.82)

Der Unterscheidung halber nennt Otten die männliche Regel-Orientierung ethisch, die weibliche "Praxisorientierung" dagegen moralisch.


Hier drängt sich aber eine Frage auf: Könnte es sein, daß Frauen lügen, wenn sie sagen, daß sie Lügen nicht gut finden? Otten verneint das, indem er auf den anderen (moralischen statt ethischen) Bezugsrahmen verweist.

Mich überzeugt das nicht, denn ich entsinne mich einer Behandlung dieses Themas in einem ethnologischen Seminar zum Thema Befragungen. Wir lernten: Eine Frau, befragt, ob ihre Nachbarinnen Ehebruch begehen, wird dies meist bejahen. Fragt man dieselbe Frau aber, ob sie selbst Ehebruch begeht, so wird sie es regelmäßig verneinen!

Weiter: Wie kommt es, daß Männer sich zwar an Regeln orientieren, aber es (angeblich) dennoch für richtig finden, verwerfliche Handlungen zu begehen?

Fast 74 Prozent halten Lügen für eine normale Alltagsstrategie, mehr als die Hälfte würde um des eigenen Vorteils willen betrügen, und noch ein Viertel ist bereit, Gewalt anzuwenden, wenn es dem eigenen Vorteil entspricht. Besonders alarmierend: Bis zu 15 Prozent sind bereit, Tötungsdelikte in Kauf zu nehmen. (S.80f.)

Nun, es könnte ja sein, daß die befragten Männer sich als Helden fühlen, wenn sie "zugeben", was sie gegebenenfalls alles täten. Aber würden sie es wirklich tun? Haben sie es gar schon getan? Sind 15 Prozent der Befragten Mörder?

Und falls ja: Nach welchem ethischen (also männlichen) Regelwerk ist das Lügen und die Gewaltanwendung um des eigenen Vorteils willen erlaubt? Sollte es ein derartiges Regelwerk geben, dann nur in einer Gynarchie, wo Männer marginalisiert werden. Denn dann geht es nur noch ums Überleben. Und dann stimmt es auch, daß Männer unmoralisch sind - weil sie dazu gemacht worden sind; weil sie nicht sie selbst sein können.

Heißt das nun: Wir müssen weg von der Gynarchie, damit Männer wieder zu sich selbst kommen können? Nein, für Otten nicht. Im Gegenteil! Männer sollen nicht zu sich kommen. Sie müssen weiblich werden - meint Otten.


Und diese seine Einstellung begründet er mit dem Wertewandel, der aber eigentlich nur Frauen erfaßt habe. Männer suchen demnach nichts als materiellen Wohlstand, beruflichen Erfolg, Geld, Sex. Wie schon immer. Frauen dagegen

interessieren sich in ihrer Lebenskonzeption in erster Linie für die Entwicklung ihrer Person und die Verwirklichung ihrer Vorstellungen von einem selbstbestimmten Leben im Beruf, mit der Familie, mit Kindern, Freundschaften und der Gestaltung einer ästhetischen Umgebung. (S.85)

Vielleicht auch, weil sie es sich leisten können! Jede Frau, die es nur will, findet einen Mann, der sie schwängert und für ihren Unterhalt aufkommt, ob sie ihm nun das Kind entzieht oder nicht. Und auch heute noch heiraten Frauen, wenn überhaupt, dann "nach oben". Oder kennen Sie, lieber Leser, einen Mann, der von einer besserverdienenden Frau ausgehalten wird, sie gar noch per Gewaltschutzgesetz der Wohnung hat verweisen lassen und überdies alleinerziehender Vater ist?


Karriere nicht um jeden Preis. Eine weitere Umfrage des Autor-Teams ergab, daß Frauen nicht gerne Führungsaufgaben annehmen - außer wenn die Führungsaufgaben in ihrem Sinne geändert würden, das heißt mit ihren häuslichen Interessen (schöner wohnen!) in Einklang gebracht würden. Dann,

so fanden wir heraus, gäbe es auch weniger Probleme mit Frauen in Führungspositionen - und weniger Probleme von Frauen an Führungsaufgaben. (S.87)

Das ist auch, was der Autor für richtig hält. Die Frau als das Maß der Dinge, sogar der Führung! Mich erinnert das an die Vetternwirtschaft in Afrika, wo bisweilen Verwaltungsposten eingerichtet werden, nicht, weil das Volk sie bräuchte, sondern damit Angehörige der jeweils eigenen Familie eine Beschäftigung finden.

Leistungsschere und meritokratische Herausforderung. Frauen können mehr als Männer, so Otten. Denn Frauen seien Männern nicht nur moralisch überlegen, nein, sie bildeten das bessere Leistungsspektrum, während Männer von Jahr zu Jahr zurückfallen (was mit Blick auf die Bildungsabschlüsse auch stimmt). Daraus folge,

daß Frauen in der westlichen Gesellschaft in wenigen Jahren die führenden Positionen in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik einnehmen müßten, wenn - ja wenn alles mit rechten, also mit leistungsgerechten (meritokratischen) Dingen zuginge [...]. (S.92)

Daß die Frauen-Quote dem meritokratischen Prinzip zuwiderläuft, erwähnt Otten zwar auch.

Die Geschlechterschere dürfte nun aber wohl dazu führen, daß Frauenpolitikerinnen diese Quotenkonstruktion bald über Bord werfen können. Sie macht die Neuverteilung der Aufgaben und der Macht zwischen den Geschlechtern geradezu unausweichlich. [...] (S.94)

Männer sind Otten zufolge rückständig:

Das traditionelle männliche Sozialisationskonzept wirkt demgegenüber wie ein Relikt aus dem 19.Jahrhundert. Das bedeutet, daß Männer und Frauen heute in ihrer Mentalität etwa zwei Jahrhunderte auseinander sind! (S.98)

Hinzu kommt:

Frauen spielen ihre Mentalitätsstärke gnadenlos aus, wenn sie nicht brutal niedergeknüppelt werden. (S.99)

Nun, dann wissen wir ja, warum Männer es lernen mußten, gewalttätig zu werden! Weiter:

Sie sind es, die die Geschwindigkeit von Beziehungen bestimmen. So sehr sich die meisten Frauen in ihrem Alltagstriathlon aufreiben, so schnell wechseln sie offenbar ihre Partner, wenn sie den Eindruck haben, ihre Lebensansprüche lassen sich mit der Beziehung, in der sie gerade leben, nicht realisieren. (S.99)

Und darum, so fügt der Autor richtig hinzu, gehen Scheidungen heute meist von Frauen aus. Dieser Trend würde sich fortsetzen.

Wer hilft den jungen Männern dabei, diese Probleme zu bewältigen?

Eins ist klar: Gibt es keine Lösung, dann bleibt nur der Weg zurück - mit Schrecken. Wahrhaft ein Männerversagen! (S.99)

Hoppla, wieso ein Männerversagen? Ein Frauenversagen! Besser: Ein Versagen der Gynarchie. Frauen können wir nicht ersetzen, die Gynarchie aber sehr wohl - wenn wir es wollen.

Anders als Otten unterstelle ich allerdings, daß Männer auch zu etwas Anderem in der Lage sind, als die Gesellschaft in eine Katastrophe zu reiten. Versager sind sie ausschließlich in einer "funktionierenden" Gynarchie oder Gynokratie; und gefährlich werden sie - vielleicht - in einer gerade gestürzten Gynarchie. Darum ist die Gynarchie gefährlich, und zwar für Männer und Frauen. Ich werde das weiter unten noch genauer ausführen und begründen.

5. Hierarchie versus Netzwerk.

In diesem Kapitel führt Otten die Begriffe Symplegmie und symplektisch ein. Sie stehen für "Netzwerk" bzw. "netzwerkförmig" und bilden den polaren Gegensatz zu "Hierarchie" und "hierarchisch".

Die hierarchische Ordnung hat die Form einer Pyramide, und in einer der gnadenlosesten und hierarchischsten Kulturen unserer Geschichte, dem ägyptischen Gottesstaat, war sie das immer noch angestaunte und gedankenlos kolportierte Symbol einer patriarchalisch konstruierten kosmischen Ordnung.

Die symplektische Ordnung hat demgegenüber eher die Gestalt eines Kreises oder einer Ellipse, und wir verdanken der revolutionären osteuropäischen Bürgerbewegung der achtziger Jahre in Gestalt des Runden Tisches ein schönes demokratisches Politikmodell dafür. (S.109)

Hierarchie ist eng verknüpft mit Rangordnung und Herrschaft. Man trifft sie in der Bürokratie, als taxonomische Ordnung im botanischen System nach Linné, in Softwaresystemen, in den kaskadierenden Stilanweisungen (CSS) für die Webseitengestaltung, überhaupt in allen Ordnungen, die rational, das heißt übersichtlich und durchschaubar sind.

Netzwerke hingegen sind egalitär, aber auch komplex. Das Internet, insbesondere das World Wide Web (www) ist ein typisches Netzwerk: Ohne Zentrum, durch und durch verknüpft, dabei schwer überschaubar. Im sozialen Bereich bedeuten Netzwerke die Gleichgewichtung von Kompetenzen. (Was Otten nicht erwähnt: Sie bedeuten hier auch "Filzokratie".)

Nun ist Otten folgender Meinung:

Das symplektische Prinzip der Informationsverarbeitung dürfte eines Tages weitaus verbreiteter sein als das hierarchische. (S.112)

Warum? Die Antwort liegt auf der Hand, wenn wir erkennen, daß das hierarchische Prinzip dem männlichen Denken entspricht, das symplektische (netzwerkartige) aber dem weiblichen. Daß aber für Otten die Zukunft weiblich ist, das hörten wir ja bereits. Darum bewertet er auch die symplektische Kommunikation sehr positiv, ja optimistisch:

Während eine idealtypische männliche Kommunikationssituation angesichts der Gefahr nach dem Befehl des Führers verlangt und sogleich funktioniert, wenn klare Befehle erfolgen, wäre es für eine idealtypische weibliche Kommunikationssituation egal, welche Gefahren auf die Betroffenen zukommen. Sie gewinnt Verhaltensstabilität dadurch, daß bereits im vorhinein viele Male besprochen wurde, was man tut, wenn Probleme auftreten, und daß man weiß, wie man sie in den Griff bekommt. (S.115)

Dem vermag ich mich nicht recht anzuschließen. Kennen wir nicht alle das Beispiel des Probe-Alarms in der Schule, wenn "Feuer!" ausgerufen wird und alles wild durcheinander rennt, trotz mehrfacher Vorbereitung? Und wer von uns möchte auf die hierarchische Kompetenz von Feuerwehr, Militär, Flughafenpersonal verzichten?

Dennoch, Otten behauptet:

Frauen besitzen damit ein genuines Führungspotential für Situationen, die nicht mit simplen Rezepten bewältigt werden können. (S.117)

Ich sehe es genau umgekehrt. Meinen Rechner z.B. hat bisher nur ein Mann reparieren können, gerade weil dem mit simplen Rezepten nicht beizukommen war. Aber vielleicht ist das Beispiel auch zu weit hergeholt.

Wie dem sei, Otten resümiert nun: Mit wachsender Komplexität der Führungssysteme und ihrer Anpassungsprobleme an die sich verändernde sozioökonomische und kulturelle Umwelt enstünde

ein unumkehrbarer Trend zur symplektischen Weltordnung. Stimmt diese Annahme, würden sich die unterschiedlichen strategischen Dispositionen der Geschlechter [...] als ein weiteres gravierendes Argument für eine inverse, das alte Ungleichgewicht umdrehende Chancenverteilung zwischen Männern und Frauen im 21. Jahrhundert erweisen. (S.117)

Dann müßte allerdings auch das Netzwerk Al-Qaida, eine hoch symplektische Ordnung, die, ähnlich wie das Internet, unverwundbar scheint, zumindest vorwiegend aus Frauen bestehen. Vielleicht ist sie es sogar, und wir wissen es nur noch nicht. Das vertrüge sich sogar mit Ottens Feststellung, daß Frauen als Kriminelle nicht in Erscheinung treten.

6. Männliche Sozialisation.

In dem Kapitel Die Büchse des Terminators fragt der Autor nach dem Grund der männlichen Gewaltbereitschaft.

Die einfachste, am weitesten verbreitete und doch nichtssagend erscheinende Antwort ist die genetische. Nach ihr gäbe es eine zwar genbiologisch noch nicht lokalisierte, aber doch irgendwie angeborene [...] männliche Aggression, die in jedem schlummert, [...] und die domestiziert werden muß, wenn der destruktive Effekt der Gewalt nicht die gesamte Zivilisation bedrohen soll. (S.122)

Dieses biologistische Konzept lehnt Otten ab. Damit unterscheidet er sich wohltuend etwa von Sally Miller Gearhart oder von Rolf-Dieter Hesch, die ernsthaft vorgeschlagen haben, durch Eingriffe in das "Gewaltzentrum des Mannes" eine globale Katastrophe zu verhindern.

Vielmehr ist die männliche Aggressivität das Ergebnis einer bestimmten Sozialisation, welche seit Urzeiten der menschlichen Kultur ingestalt von Initiations-Riten vollzogen wird. Von Urzeiten an - das heißt, daß die Matriarchats-Theorie, die seit Erscheinen von J.J.Bachofens "Mutterrecht" (1861) in differenz-feministischen Schriften thematisiert wird, keine allgemein anerkannte wissenschaftliche Grundlage hat. Konsequenterweise erwähnt Otten das angeblich existent gewesene Ur-Matriarchat auch gar nicht.

In Anlehnung an Veröffentlichungen von David Gilmore ("Mythos Mann", 1997), E.Badinter ("Die Identität des Mannes", 1993) und G.Herdt ("Rituals of Manhood: Male Initiation in Papua New Guinea", 1982) stellt Otten fest:

Allein durch Geschlechtsreife, durch Körperbau oder Hormone und Gene wird der Typus des Mannes nicht geboren, sondern durch einen kulturellen Schöpfungsakt im "Drama der Männlichkeitswerdung". Angeborene, durch Sexualhormone im Körper aufgebaute Potentiale liefern dafür bestenfalls eine Art vorsozialen Rohstoff. (S.129)

Ebenso:

Anders als die kulturelle Weiblichkeit, die sich spätestens mit der Schwangerschaft zwingend einstellen muß, ist Männlichkeit in allen Kulturen eine Eigenschaft, die sich keineswegs mit der geschlechtlichen Reife - sozusagen von selbst - ergibt. Sie ist das Ergebnis langwieriger, von der jeweiligen Kultur vorbereiteter Initiations- und Lernprozesse.(S.128)

Daraus aber folgt:

Das Fehlen solcher Prozesse in der kulturellen Moderne und Postmoderne macht einen Teil der Labilität des Männlichen aus, eben weil es sich biologisch nicht einstellt. (S.128f.)

Diese anti-biologistische Argumentation erscheint mir plausibel. Ethnologische Forschungen über männliche Inititationsriten sind auch nicht neu; vielmehr haben Ethnologen von Beginn dieses Forschungszweiges an darüber berichtet. Ebenso plausibel erscheint mir, daß die gegenwärtige Unsicherheit von Männern hinsichtlich ihres Rollenbilders mit dem Verschwinden derartiger Inititiationsrituale bzw. Sozialisationsformen zu tun haben muß.

In diesen Riten, wie sie heute noch z.B. auf Papua-Neuguinea lebendig sind (es soll sich um Kulturen handeln, die sich seit vielleicht 50.000 Jahren kaum verändert haben), werden Jungen ab etwa 7 Jahren - also unserem heutigen Einschulungsalter - mindestens bis hin zur Pubertät in eine reine Männergesellschaft verbracht und dort z.T. härtesten Prozeduren der Unterwerfung und Disziplinierung unterworfen. Die Bedingungen können so hart sein, daß ein Teil der Novizen die Prozedur nicht überlebt. So findet eine elitäre Auslese statt.

Gleichzeitig würden Frauen abgewertet, wie Otten und seine Forscherkollegen sich ausdrücken. Ist es nicht richtiger zu sagen, Frauen sind durch die Mannbarkeit, welche eine Auslese der Starken darstellt, notwendigerweise auf den zweiten Platz verwiesen? Man wird ja auch nicht sagen, daß Hauptschüler durch Abiturienten oder Diplomanden abgewertet würden; vielmehr verhält es sich einfach so, daß letztere mehr erreicht haben und darauf auch stolz sein dürfen!

Ein hierzu komplementäres Kennzeichen ausgeprägter Männergesellschaften ist ihre rituelle Homosexualität. Rituell, das bezieht sich auf das Verhältnisse innerhalb der Initiationsrituale. Für die Griechen in der Antike gilt etwa:

Die vorübergehende, zwischen einem jungen Erwachsenen und dem ihm anvertrauten Knaben ausgeübte Homoerotik wurde gar nicht als Sexualität gewertet. Personen, die solche Rituale praktizierten, waren in unserem Sinne womöglich nicht einmal homosexuell, und ihre Riten standen auch keineswegs einer heterosexuellen Kultur im Wege. (S.132)

Heute herrschen, so möchte ich hinzufügen, gewissermaßen umgekehrte Zustände: Während (homo-)sexuelle Verhältnisse zwischen Erwachsenen und Minderjährigen die allergrößte öffentliche Empörung auslösen und drakonische Strafen nach sich ziehen, wird auf politischem Wege alles getan, um die Homosexualität zwischen erwachsenen Männern (und bekanntlich auch Frauen) als normal erscheinen zu lassen, ja zu institutionalisieren. Auch Otten unterstützt, wie wir noch sehen werden, das Modell der offen homosexuellen Männerbeziehungen.

Die Wirkung männlicher Sozialisation durch Initiation hat ein zweifaches Gesicht:

Sie schafft jene männliche, überproportional große Gewalt, und sie erzeugt zugleich das Regelwerk, um sie zu disziplinieren. In den Initiationsriten der Neuguineer werden diese beiden Aufgaben gleichzeitig erledigt, denn die Gewalt wird nicht nur erzeugt, sondern auch streng wieder eingefangen und zielgerichtet auf den Erhalt von Strukturen gerichtet, die Männer für Männer über Jahrtausende aufzubauen versucht haben. (S.134)

Und dies ist der entscheidende Punkt! Bliebe es bei der Erzeugung einer Disposition zur bloßen Gewalttätigkeit, ohne daß auch das Regelwerk hinzukäme, so wäre zu fragen: Wie können auf dieser Grundlage sonst nie erreichte Kulturgüter entstehen, wie etwa die des antiken Griechenland?

Der feministische Sexismus freilich sieht es einseitig und kann es auch nicht anders sehen: Demnach sind Männer, nachdem sie ein angebliches Ur-Matriarchat gestürzt hätten, nur noch darauf aus, ihre "Herrschaftsstrukturen" über das weibliche Geschlecht zu pepetuieren, also zu unterdrücken. Daß sie mit dem oft sehr qualvollen und riskanten Erlernen ihrer Fähigkeiten zur Herrschaft und (!) Selbstbeherrschung den Frauen eine Aufgabe abnehmen und dieses Opfer in der Regel mit einem kürzeren Leben bezahlen, bleibt den Sexistinnen verschlossen. Auch Otten erkennt dies nicht in wünschenswertem Maße.


Ritter- und Gentleman-Ideale. Idealbilder männlicher Sozialisation im Mittelalter waren die Ritter, wovon in Europa die Artussage das erste Zeugnis ablegt. Die Kreuzzüge nährten dies Ideal. Darin, und ebenso im späteren Ideal des englischen Gentleman, kommt der schützende, ordnende und kulturschaffende Aspekt von hierarchisch durchgebildeter Männlichkeit besonders schön zum Ausdruck.

Der ethisch eingebundene Ritter ist seitdem das Leitbild für alle männlichen Betätigungsformen, die aus der hierarchischen Ordnung der Ritterkultur hervorgehen, sei es für die Verwaltung, die Rechtsprechung und/oder die Politik.

Das gilt am Ende aber auch für den christlich verstandenen Handwerker und Kaufmann. Die gleichen Ideale, die sich für die Zivilisation des gewalttätigen Kriegers oder Mönchs etabliert haben, setzen sich mit entsprechenden Abstrichen auch für den Kaufmann durch. Auch der muß lernen, seine Raffgier zu beschränken, seine Mitarbeiter zu pflegen, seine Konkurrenz fair zu behandeln, ordentlich Buch zu führen [...]. Der Handwerker wiederum muß lernen, daß Arbeit diszipliniert zu verrichten ist, daß material und Form zu pflegen sind und die Technik ihr eigenes Ethos verlangt. (S.137f.)

Jedoch fanden sich selbst noch in der jüngeren Vergangenheit Restformen männlicher Sozialisation.

Badinter geht sicher zu Recht davon aus, daß zum Beispiel die Erziehung in reinen Jungenschulen (und nicht nur in Jungeninternaten und Kadettenschulen), in denen systematische Grausamkeit, Gewalttätigkeit und Demütigung der Novizen als Quasi-Initiationsriten zum Erziehungsrepertoire gehörten, ihren Charakter bis in die Epoche nach dem Zweiten Weltkrieg konservieren konnte. (S.131)


Nun ist natürlich die Frage sehr spannend - jedenfalls ist sie es für mich -, wie es zum Verlust der Tradition männlicher Sozialisation gekommen ist. Auch Otten macht sich hierüber Gedanken. Seine Antworten überzeugen mich allerdings nicht.

Der wichtigste Grund dürfte zweifelsfrei im Versagen des soldatischen Modells liegen. Selbst die Disziplin einer drakonisch geführten Armee vermag es nicht, den Ausbruch gewalttätiger Greuel während eines Krieges (nicht nur im 20./21.Jahrhundert) zu verhindern. [...] Weder kann das soldatische Prinzip den Mißbrauch der Armeen verhindern noch den Ausbruch von Gewalt gegen diejenigen, zu deren Schutz Armeen eigentlich angetreten sein sollten - nicht in der Vergangenheit, nicht in der Gegenwart und nicht in der Zukunft. (S.139f.)

Es war und ist gerade die Ausnutzung des militärischen Gehorsamsprinzips selbst, die es ermöglicht, Armeen für die schlimmsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu instrumentalisieren. [...] Auch dem Terror der Faschisten haben die meisten mit gutem Gewissen gedient - nicht in Aufgabe des Männlichkeitsideals, sondern in Verfolgung desselben. (S.140)

Diese Argumentation leuchtet mir nicht ein. Wenn die männlich ausgeformte Kriegsführung immer schon mehr Schaden als Nutzen bewirkt hat, wieso wird das dann jetzt erst erkannt? Vielmehr ist es in einer globalisierten Gesellschaft der (Eroberungs-)Krieg an sich, der keinen Sinn mehr hat und darum entartet. Darum würde ein weiblich geführter Krieg sicher ähnlich viel - oder noch mehr - Schaden anrichten.

Ein weiterer Grund für den Zerfall des Ritterethos ist im Auslaufen der hausväterlichen Gewalt zu suchen. Selbst eine noch so patriarchalische Gesellschaftsordnung hat es nicht zu verhindern vermocht, daß die Frauen der Industriegesellschaft [...] der väterlichen Gewalt entweichen konnten. [...]

Daß es dazu kommen konnte, hängt sicherlich mit der Tatsache zusammen, daß unser modernes Verfassungssystem, das auf der vernunftgemäß begründeten Gleichheit der Beteiligten beruht, eine Individualisierungswelle losgetreten hat, die nichts mehr verbieten kann, was nicht ausgesprochen strafrechtlich relevant ist. (S.140)

Und in einer dermaßen egalitären Gesellschaft - einer "Diktatur des Relativismus", wie Papst Benedikt VI. sich ausdrückt - hat, wie Otten richtig feststellt, das hierarchische, also männliche Prinzip keinen Platz.

Wie aber kam es zu diesem Zustand? Das ist immer noch nicht klar. Otten jedenfalls benennt keine tieferen Ursachen; immerhin stellt er aber fest, daß Männer heute zurecht keinen Grund mehr sehen, sich Frauen gegenüber ritterlich zu verhalten - ganz einfach, weil das männliche Ideal der Selbstdisziplin und des Beschützens keine Funktion mehr hat.

Ein dritter und letzter Grund liegt im Ersatz des Ethos durch das Geld, jenen globalen Steuerungsmechanismus des modernen Kapitalismus. (S.143)

Das erläutert er am gegenwärtigen Profifußball, wo sportliche Ideale ganz offensichtlich der unbeschränkten Gewinnsucht Platz gemacht haben. Auch hier aber frage ich mich: Fällt denn die Tyrannei des Geldes sozusagen vom Himmel - oder ist sie vielmehr bereits die Folge eines "Männerversagen", welches den Titel des hier zu besprechenden Buches ausmacht? Denn Männlichkeit, einmal etabliert, sollte in der Lage sein, dieser Probleme Herr zu werden.

Resignierend stellt Otten daher fest:

Der Profisport ist vielleicht der beste Beweis dafür, daß vom Ritterlichkeitsideal nichts mehr übriggeblieben ist. Was aber dient unserer Gesellschaft, dient den Männern in unseren Gesellschaften noch als Orientierungsmaßstab, wenn selbst das zentrale, über Jahrtausende gewachsene Orientierungsmuster nicht mehr funktioniert? Offenbar nichts mehr.

Soziologisch heißt ein solcher Zustand "Anomie". Das Wort bedeutet, daß es an Regeln und Maßstäben mangelt,um dem einzelnen in seiner täglichen gesellschaftlichen Wirklichkeit Orientierungsmaßstäbe zu geben. Aber so etwas braucht der Mensch [...] (S.142)

wobei Otten mit "Mensch" hier eigentlich den Mann meint. Denn daß Frauen eine besondere Ordnung nötig hätten, behauptet er an keiner Stelle seines Buches. Und in gewisser Weise dürfte er recht haben: Schon im Naturreich vermögen niedrigere Organismen ohne die höheren auszukommen, umgekehrt aber nicht. Und immer sind es die fortgeschrittendsten, spezialisiertesten Wesen, denen das größte Überlebens-Risiko anhaftet, und deren Untergang die größten Zerstörungen nach sich zieht.

Eigentlich sollten wir uns nun fragen, ob noch eine Chance besteht, Bedingungen für eine gesunde Männlichkeit wieder herzustellen. Nach Otten hat jedoch

die westliche Gesellschaft [...] den Anspruch aufgegeben, überhaupt noch einen männlichen Sozialisationstypus zu etablieren. Der über Jahrhunderttausende entwickelte Typus des Kriegermannes kann in den westlichen Gesellschaften intentional [absichtlich] nicht mehr erzeugt werden. Das wäre ohne eine grundlegende Abkehr von unseren Verfassungsgrundsätzen [...] auch nicht mehr möglich. (S.141)

Vielleicht, so Otten, wäre es anders gekommen, wenn der "Megalog" (A.Etzioni, "Die Verantwortungsgesellschaft", 1997) in angemessener Weise geführt worden wäre. Doch leider:

Er wurde nicht primär über die Rolle der Geschlechter, sondern vielmehr über die Frauen geführt."

Die Frauen hat man also wohl zu wichtig genommen.


Eskalation durch Migration. Ein in seiner Wirkung schwer abzuschätzender Faktor ist die Zuwanderung aus weniger oder nur teilweise säkularisierten Gesellschaften mit immer noch stark ausgeprägten Elementen echter Männlichkeit.

Was die vormals sozialistischen Staaten betrifft, also auch die neuen Bundesländer, so haben wir es, nach Otten, mit Männern zu tun, die zwar eine konsequente Gleichberechtigung der Frau am Arbeitsplatz erlebten, gleichzeitig aber oft in paramilitärischen Jugendorganisationen und repressiven Armeen eingebunden waren und durch den Zusammenbruch dieses Systems umfassend desillusioniert worden sind. Das macht sie besonders anfällig für neofaschistische Bewegungen.

Nicht minder bedrohlich für unsere Gesellschaft ist nach Otten die Zuwanderung aus islamischen Ländern mit ihrer noch stark patriarchalen Struktur, sowie die Zuwanderung von Menschen aus Südamerika, dem subsaharischen Afrika und aus Südostasien.

Gerade ihr vormoderner, netzwerkartig tribalistischer Charakter machte sie dabei fast unverwundbar - was zu der Überlegung führt, daß man moderne Gesellschaften von außen nicht mehr erobern muß, wie es die Barabaren noch mit dem römischen Imperium taten, sondern in den Bereichen unterwandert, die sich am ehesten dafür eignen. [...]

Das hat wohl erhebliche [...] Effekte zur Folge: Einer besteht ohne Zweifel in der Gefahr einer erheblichen Störung, wenn nicht gar Beendigung des Geschlechter-Megalogs. (S.154)

Mir scheint, daß Otten sich hier in einen Selbstwiderspruch begibt. Er spricht von einer Einwanderer-Gesellschaft, die wegen ihres "netzwerkartig tribalistischen Charakters" fast unverwundbar ist. Soweit in Ordnung. Daß Netzwerke überlebensfähiger sein sollen als Hierarchien, wurde ja schon gesagt. Doch hier eignet ihnen eine patriarchale, also männliche Struktur. Hörten wir nicht aber, daß - grob gesagt - Netzwerke weiblich sind, und Hierarchien männlich?

Das sogenannte Terror-Netzwerk Al-Qaida ist ebenfalls hoch "symplektisch", netzwerkartig, insofern weiblich. Umgekehrt gibt es heute neu-matriarchale Rituale gewisser esoterischer Frauenverbindungen, die anscheinend hierarchisch, ja autoritär, insofern männlich strukturiert sind. So zuverlässig ist das Zuordnungsschema also nicht.


7. Das "anomische" Geschlecht.

Den Begriff der Anomie hat Otten eigener Bekundung nach von Emile Durkheim (1858-1917), dem französischen Ethnologen und Soziologen, übernommen, genauer: seinem Werk "Le suicide" (1897). Wörtlich übersetzt heißt er "Gesetzlosigkeit". Er bezieht sich auf den Zustand einer Gesellschaft unter besonderen Bedingungen, wie etwa Krieg oder Revolution. Das Orientierungsangebot ist dann u.U. dermaßen eingeschränkt, daß viele Menschen die Kontrolle über sich selbst verlieren. Das kann zu Gewalttätigkeit führen, auch sich selbst gegenüber, im Extremfall also zum Selbstmord (Suizid).

Weder Durkheim selbst noch irgendein anderer Soziologe hat die Anomie auch geschlechtsspezifisch betrachtet. Das behauptet zumindest Otten. Stimmt das, so kann Otten diesbezüglich die Priorität für sich in Anspruch nehmen.

Erinnern wir uns: Nach Otten denken und kommunizieren Frauen vernetzt, assoziativ, situationsgebunden; Männer aber eher hierarchisch (s.Abschnitt 5).

Wenn aber die Existenz eines funktionierenden Regelsystems zur moralischen wie alltäglichen Orientierung von Männern unerläßlich ist, Frauen hingegen eine situative Moral ohne Ethik beherrschen, dann liegt die Frage nahe, ob Anomie nicht vielleicht vornehmlich ein Problem männlicher Individuen ist. [...]

Durkheim nennt drei interessante Aspekte, die ein anomisches Verhaltensmuster charakterisieren. Das erste ist die "Krise der Identität", das zweite die "Zunahme der Gewalt" und das dritte die zunehmende "Amoralität". (S.166f.)

Ich stimme Otten zu, wenn er sagt, daß Männer heute eher als Frauen unter der Anomie zu leiden haben. Ich stimme ihm jedoch nicht zu in der Kennzeichnung des männlichen Geschlechts als "anomisch".

Richtig ist vielmehr, daß das männliche Geschlecht in einer "offenen", also weitgehend regellosen, somit "anomischen" Gesellschaft größere Orientierungsprobleme haben muß als das weibliche. Dann muß aber der Blick primär auf die Werte-Ordnung der Gesellschaft gerichtet werden und nicht auf den Mann. Dies erkennt Otten selbst:

Offene Systeme stellen das Ende einer [...] Regelhegemonie dar. [...] Sie nehmen damit in Kauf, daß ein Problem für Männer entsteht, die ein solches Orientierungssystem benötigen. Offene Systeme sind nicht nur die Grundlage unserer Freiheit, sondern auch die Basis für kollektive Verunsicherung. Das sind die sozialen Kosten offener Systeme. (S.167)

Genau betrachtet - Otten sieht es freilich anders - ist eher das weibliche Geschlecht anomisch, und ist es noch mehr der kindliche Entwicklungsgrad. Ja, gerade Kinder leiden in Situationen äußerer Anomie, in denen Erwachsene sich die größten Sorgen machen, oft erstaunlich wenig.

Noch weniger leiden darunter (Haus-)Tiere: Ratten oder Goldfischen ist es gleichgültig, ob in einem Land Anomie bzw. Anarchie herrscht oder nicht, vorausgesetzt, sie kriegen ihr Futter. Sie sind Regel-Minimalisten. So weit denkt Otten freilich nicht, aber es ist offensichtlich, daß er das eigentliche Problem weniger in einer regel-defizitären Gesellschaft, als vielmehr in den Männern sieht, welche unsere ehemals relativ wohl-geordnete Gesellschaft geschaffen haben. Er fragt sich nämlich,

ob die Geschichte großer sozialer Ordnungssysteme der Vergangenheit nicht auch als Versuch von Männern begriffen werden kann, ihr Orientierungsproblem durch den Aufbau von eigenen, hierarchisch strukturierten Verbänden wie Armeen, Kirchen oder Feudalsystemen zu lösen. (S.163)

Diese Sichtweise ist reduktionistisch. Sie führt jede höhere Ordnung, jede Hochkultur auf irgendein Defizit zurück, sei es vereitelte Befriedigung niedriger Triebe, sei es mangelnde Anspruchslosigkeit inbezug auf herrschende Umweltbedingungen. Ähnlich hat bekanntlich Sigmund Freud die Entstehung von Kultur gedeutet: Als Lösung eines (sexuellen) Problems durch Sublimation des Sexus.

Eigentlich müßten in dieser Betrachtung und Bewertung unter allen lebenden Wesen diejenigen mit der geringsten Differenzierung am besten abschneiden. Das wären übrigens die Viren. In ihrer unglaublichen Anpassungs- und Überlebensfähigkeit sind sie selbst unseren Frauen überlegen.

8. Die permissive Gesellschaft.

In diesem Kapitel ist von einem "MännerVersagen" nur am Rande die Rede. Dennoch will ich es hier kurz besprechen, weil die darin formulierten Einsichten auch für Nicht-Soziologen von Interesse sein dürften.

Permissiv ist eine Gesellschaft dann, wenn sie es aufgibt, staatliche Zwangseinrichtungen zur religiösen und moralischen Steuerung ihrer Mitglieder zu betreiben, und alles zuläßt, was nicht auf den Mindesschutzbestand des Strafrechts (Schutz des Lebens, des Eigentums, der Jugend, der Natur etc.) und der Verfassungsprinzipien (Gleichheit, Freiheit, soziale Verantwortung) reduzierbar ist. (S.172)

Der Ursprung dieser Entwicklung liegt in der Französischen Revolution (1789) mit der Folge der Trennung von Staat und Kirche. Dies war der erste Schritt zur Säkularisierung. Die Kulturrevolution der 1960iger Jahre bezeichnet den zweiten Schritt. Damit kam der kulturelle und moralische Relativismus zu seiner vollen (Sumpf-)Blüte.

Bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts waren außereheliche Sexualität, Homosexualität, Kuppelei, orale und anale Sexualpraktiken (auch in der Ehe) sowie die Prostitution kriminalisiert. Diese Schranken sind jetzt gefallen, was (euphemistisch, meine ich) auch als "Liberalisierung" oder "Emanzipation" bezeichnet wird. Natürlich hat man sich dabei auch etwas gedacht:

Das Paradigma der permissiven Liberalisierung ist Mündigkeit. Die permissive Gesellschaft setzt voraus, daß der Staatsbürger von einem bestimmten, juristisch definierten Alter an mündig genug ist, allein über sich und seine Moral zu entscheiden, und zwar aufgrund von Orientierungen, die er in seinem Inneren entwickelt. (S.173)

Diese Orientierungen, z.B. ingestalt von Religion und Ethik, sind jetzt seine Privatsache, genauso wie z.B. sein Stuhlgang oder seine Sexualpraktiken. Der Begriff "Christliches Abendland" hat daher nur noch historische Bedeutung. Eine öffentliche Moral gibt es scheinbar nicht mehr. (Natürlich gibt sie, so behaupte ich - nämlich ingestalt der "political correctness".) Jedenfalls sieht sich der Einzelne jetzt einem riesigen, nicht mehr überschaubaren Angebot von kulturellen Versatzstücken gegenübergestellt.

Dies erinnert an die Auswahl in jeder beliebigen Cafeteria und wird im folgenden auch mit dieser Metapher benannt. Nichts in dieser Cafeteria ist mehr moralisch oder kulturell stringent (zwingend), alles ist kontingent (beliebig). [...] (S.178)

Das Sinnvakuum zum Beispiel zum Beispiel füllen Esoterik- und New-Age-Agenturen, aber auch die Industrie der Selbstfindungskurse, der psychologisierenden Wochenendseminare und dergleichen mehr. (S.179)

Ebenso gibt es die Medien-Industrie z.B. mit unzähligen Fernsehkanälen zur "Lösung" wohl jedes Orientierungsproblems. Anders gesagt: Die Sinnsuche des Menschen ist zum Gegenstand einer Kommerzialisierung geworden. Letztlich wird sie dadurch definitiv vereitelt, weil zur Vergeblichkeit verurteilt. Und es ist klar, daß dies den Menschen vor neue Probleme stellt, die es früher nicht gegeben hat.

Bezeichnend ist nun, daß zum Angebot, zur "Cafeteria" der permissiven Gesellschaft auch Ersatzwelten ingestalt z.B. von Büchern und Filmen gehören, welche eine eher repressive Kultur zum Inhalt haben. Gerade Männer kommen ohne sie nicht aus, was uns nach dem, was Otten zuvor erörtert hat, nicht überraschen wird.

In Eisenhans, seinem Buch über Männer, hat Robert Bly schon 1990 diesen Zusammenhang von Orientierungslosigkeit und Selbstrepression für die entwurzelte Männerwelt als eine Art Megamärchen und Leitfaden glorifiziert, mit dem sich der einzelne auf das Abenteuer der Selbstrepression begeben möge, um mit den Gratifikationen des Systems reichlich beschenkt zu werden. (S.182)

Otten spricht von einem "Kultbuch" der Männerbewegung (beachten Sie, was Otten unter "Männerbewegung" versteht!) und vermerkt zurecht, daß Männer dadurch keinesfalls lernen, die Realität zu bewältigen. Ja, Otten stellt uns eine "alltagsethische Korrosion" in Aussicht, mit der Folge, daß auf diese Weise das offene und liberale System zutiefst in Frage gestellt wird.


9. Entzauberung der Hierarchie.

Auch dieses Kapitel vermag aus meiner Sicht nicht viel zur Frage eines Männer-"Versagens" beizutragen. In aller Ausführlichkeit trägt der Autor ein Konzept sozialer Systeme vor und legt bei dieser Gelegenheit auch ein Glaubensbekenntnis ab:

Kein Gott, kein Schöpfer, kein Weltingenieur hat die Dinge erschaffen. [...] Die Dinge erschaffen sich selbst. (S.200)

Natürlich ist das eine wissenschaftlich haltlose Aussage. Eigentlich gehört sie nicht in ein Buch mit wissenschaftlichem Anspruch. Das weiß Otten sicher auch; dennoch habe ich seine Aussage zitiert, um zu zeigen, wie selbstverständlich es geworden ist, das Bedürfnis einer Fluchtwelt namens "Wissenschafts-Gläubigkeit" zu bedienen.

Eine so prinzipielle Aussage läßt sich auch schon anhand einfacher Vergleiche anfechten. Könnte es nicht sein, daß informatische Systeme, wenn sie irgendwann so etwas wie "Selbstbewußtsein" haben sollten, ebenfalls bekunden werden: "Kein Informatiker hat uns erschaffen"? Aber wie sollten sie Informatiker auch wahrnehmen, wenn sie auf eine derartige Wahrnehmungsfähigkeit nicht programmiert sind - oder umgekehrt darauf programmiert sind, sich von einer ursprünglichen Wahrnehmungsfähigkeit zunehmend zu emanzipieren?

Im Grunde handelt es sich bei der Evolution um einen ganz einfachen Vorgang [...] Alles, was existiert, hat sich aus einfachen Formen heraus entwickelt. Die Komplexität unserer Welt ist das Ergebnis eines fast endlos erscheinenden Selbstvervielfältigungsvorganges. (S.200)

Jedenfalls:

Je näher wir uns an diesen autopoetischen Prozeß [Autopoese = Selbsterzeugung] herantasten, umso mehr entzaubern wir auch diesen Vorgang und entkleiden ihn vieler Geheimnisse. (S.200)

Die vermeintliche Entzauberung gilt aber auch der Hierarchie.

Hierarchie ist der Versuch, einfache, schnell lernbare Regeln zu formulieren, klare Ordnungen herzustellen und eine Übersichtlichkeit der Zuordnung zu erzeugen, die es ermöglicht, sich mit einfachsten Mitteln zu orientieren. (S.202)

Dieses Verständnis von Hierarchie hat Otten, wie er selbst andeutet, seinem Soziologie-Kollegen Luhmann entlehnt.

Erinnern wir uns: Zwischen Symplegmie (Vernetzung) und Hierarchie hat Otten schon weiter oben eine Polarität und eine Art Konkurrenz herausgestellt. Jetzt will er darauf hinaus, daß Hierarchie, im weiteren Sinne also Männlichkeit, keine Zukunft habe, weil sie in der Natur nicht vorkomme und weil sie hochkomplexe Systeme, auf die wir hinsteuern, nicht kontrollieren könne.

Als Musterbeispiel eines nicht-hierarchischen, also symplektischen Systems, nennt Otten das Internet. Es ist bekannt, daß das Internet mit der Zielsetzung geschaffen worden ist, auch im Falle der Katastrophe eines nuklearen Erstschlages noch zu funktionieren. An diesem Vergleich will Otten seine These von der größeren Überlebensfähigkeit des Weiblichen belegen. Diese Argumentation erscheint mir jedoch nicht schlüssig:

  1. Erstens nämlich ist das Internet nicht nur von Männern (ja von Männern "in Potenz", nämlich Militärs) konzipiert worden, sondern es wurde von Anbeginn an überwiegend von Männern benutzt.

  2. Zweitens sind seine Elemente in mustergültiger Ausprägung hierarchisch strukturiert.

Die Parallelisierung zweier Gegensatzpaare: {Hierarchie - Netzwerk} und {Männlichkeit - Weiblichkeit} wird hier und im ganzen Buch, so behaupte ich, einfach überzogen.


10. Fluchtwelten.

In diesem ziemlich langen Kapitel thematisiert Otten die von ihm sogenannten "Fluchtwelten", natürlich mit Blick auf die Männer. Weibliche Fluchtwelten interessieren ihn nicht.

Die permissive Cafeteria von alltäglichen Lebensentwürfen und Spielräumen bietet Fluchtmöglichkeiten in Hülle und Fülle, die es Männern erlauben, die Realität auch ganz anders wahrzunehmen, selbst dann, wenn sie sich ihr damit teilweise oder ganz entziehen. (S.208)

Die meisten Fluchtwelten dienen der selbstgewählten Repression und sind eine besondere, masochistische Form der Orientierung. Sie versprechen, die Orientierungsprobleme der Fluchtwilligen zu beseitigen, meistens durch Rücknahme dessen, was diese normalerweise stört: Unsicherheit und Entwicklungen, die [...] unausweichlich erscheinen. Diese Art von Fluchtwelten, wenn sie nicht nur symbolisch, sondern auch Alltagswirklichkeit werden, eignen sich besonders als Betätigungsfelder für das anomische Geschlecht. (S.212)

Dabei unterscheidet Otten

  1. "Harmlose Fluchtwelten" (Medienspiele, Fußball, Kampfsport, Arbeitswelt) und

  2. "Gefährliche Fluchtwelten" (Kriminalität, Para-Militär, Neofaschismus, Fundamentalismus).

Nach dem, was Otten da alles aufführt, wird man sich fragen: Welche Betätigung von Männern fällt eigentlich nicht unter dem Begriff der Fluchtwelt - wenn er sogar das ganz normale Arbeitsleben darunter rechnet? Sind etwa Langzeit-Arbeitslose, angepaßte Hausmänner und Soziologen die einzigen Männer, die in der Realität leben?

Es wird klar: Otten hat einen Realitätsbegriff, dem eine Weiblichkeit, wie er sie sieht und befürwortet, zugrundeliegt. Männlichkeit, das bedeutet für ihn entweder Zerstörung oder aber Flucht vor sich selbst. Nur ein verweiblichter Mann ist für Otten ein guter Mann.

Die meisten Menschen, darunter wahrscheinlich auch die meisten Soziologen, dürften sich darin einig sein, daß es zumeist eher Männer sind, die "in der Realität leben", vor Allem auch die Realität gestalten. Diese Welt, nur weil sie männlich ist, als Fluchtwelt zu bezeichnen, ist ziemlich abstrus. Selbst Sport und die Künste (einschließlich Literatur) wird man eher der Kulturwelt als einer "Fluchtwelt" zurechnen.


Wie aber sieht es mit weiblichen Fluchtwelten aus, über die Otten sich merkwürdigerweise ausschweigt?

Man sollte es nicht für möglich halten: Was für Ethnologen höchst zweifelhaft ist, nämlich die Existenz eines "Ur-Matriarchats", dessen Beschreibung auf J.J.Bachofen zurückgeht ("Das Mutterrecht", 1861, dort allerdings bezeichnet als Gynaikokratie), ist für eine ganze Reihe von feministischen Autorinnen und Veranstaltungen nicht nur fraglos Realität gewesen, sondern Gegenstand einer ständigen Neu-Inszenierung ingestalt von Matriarchats-Veranstaltungen (samt Tänzen und anderen Ritualen), matriarchalen hierarchisch (!) organisierten ländlichen Wohngemeinschaften, ja -Weltkongressen! So hat Heide Göttner-Abendroth 2003, "unter dem Matronat des Frauenministeriums" (in Luxemberg) ihren ersten Weltkongreß für Matriarchatsforschung veranstaltet. Ein zweiter, noch größerer, folgte 2005 in den USA.

Natürlich gibt es, nicht nur von Göttner-Abendroth, auch zahlreiche Frauenbücher zur Matriarchats-Beschreibung und -Verherrlichung. Gerade Psychotherapeutinnen sind auf diesem Gebiet zu Erfolgsautorinnen avanciert. Eine von ihnen ist Clarissa P.Estés, eine Therapeutin der Jung'schen Schule, welche ihre Leserinnen anleitet, praktisch das ganze Leben auf einen inneren Kosmos von Archetypen zu reduzieren. Für einen kritischen Blick auf Politik und Gesellschaft bleibt da kein Raum. Es sind wahrhaft Fluchtwelten. Martina Schäfer, die sich mit diesen weiblichen Fluchtwelten gründlich auseinandersetzt hat, schreibt über das Buch "Die Wolfsfrau" von Clarissa Estés:

Seit seinem Erscheinen in deutscher Sprache 1993 hat der 560 starke Wälzer mehr als zwanzig Auflagen erlebt. Die Mundpropaganda von Frau zu Frau für dieses Buch kann man nur mit jener nach Erscheinen des Romans "die Nebel von Avalon" von Marion Zimmer Bradley vergleichen. (s. M.Schäfer: Die Wolfsfrau im Schafspelz. Autoritäre Strukturen in der Frauenbewegung, 2001.)

Die Matriarchats-Literatur ist aber nur ein Teil der riesigen Frauenliteratur, welche in das Gebiet der Esoterik fällt. Jeder Blick in eine größere Buchhandlung zeigt, wo Fluchtwelten wirklich angesiedelt sind, und wer ihre Besucher bzw. Kunden sind. Natürlich müssen sie nicht immer feministisch durchdrungen sein, aber oft kommt dies noch erschwerend hinzu.

Bleibt noch eine extreme weibliche Fluchtwelt zu erwähnen: Die Frauenhäuser. Sie sind inzwischen stark in die Kritik gerade auch durch intelligente Frauen geraten, zumal das sogenannte Gewaltschutzgesetz ausreichen sollte, Frauen vor ihren PartnerInnen und vor sich selbst zu schützen. Tatsächlich sind sie Horte des ideologisierten Männerhasses, wie zuletzt Ottens Soziologen-Kollege, Prof. Gerhard Amendt, in einem Zeitungsartikel vom Juni 2009 darlegte.

Um es noch einmal klarzustellen: Fluchtwelten sind ganz vorwiegend weiblich. Warum eigentlich nicht Küche und Kinder hinzurechnen, wenn schon die Arbeitswelt der Männer eine Fluchtwelt sein soll?


11. Multigender-Politik.

Im folgenden Kapitel, über schrieben: Paare - keine Helden. Eine "Multigender-Gesellschaft" würde für alle Vorteile bringen plädiert Otten für Mann-Frau-Paare in der Arbeitswelt, vor Allem in Führungspositionen. Offenbar ist eine reine Männergesellschaft für ihn der schlimmste anzunehmende (Un-)Fall. Durch Frauen aber würden Männer sozialisiert und insofern zu Menschen werden.

Vorweg aber greift Otten nochmals die Politik der Prostitution auf, unter Anderem mit Blick auf die organisierte Kriminalität,

die es ohne die betriebene Prostitutionspolitik womöglich gar nicht gäbe. [...] Statt Frauen zu schützen, macht unsere Prostitutionspolitik sie zu Freiwild und verschafft dem organisierten Verbrechen auch noch einen Brückenkopf im Rechtssystem des Verfassungsstaates, auf dem es weitgehend ungestört existieren kann. Eine dümmere Strategie der Verbrechensbekämpfung kann man sich schlecherdings nicht ausdenken. (S.254)

Seine Folgerung:

Die Prostitution muß legalisiert werden. (S.256)

Allerdings geht es Otten wohl nicht primär um die Verbrechensbekämpfung, sondern vor Allem um die Einführung einer Gynarchie bzw. Beendigung der "Männerherrschaft". Denn:

Das Rotlichtmilieu sendet [...] das denkbar schlechteste Signal in einer Zeit aus, in der Männer gezwungen sind, sich mit der veränderten Rolle von Frauen in ihrer Berufswelt und auch zu Hause auseinanderzusetzen. (S.255)

Für Otten ist die geregelte Vermarktung der Sexualität durch Frauen jedenfalls anstrebenswert. Ich frage mich, ob in einer wirklich "gender-gerechten" Welt, in der Frauen prinzipiell gleiche Erwerbstätigkeiten und Einkommen wie Männer haben, Sexverkäuferinnen überhaupt noch Kunden haben würden.

Denn auch Frauen haben sexuelle Bedürfnisse - meines Wissens keine geringeren als Männer. Woher kommt sonst der Sextourismus von Frauen in afrikanische Länder? Die afrikanischen Männer lassen sich ja nicht deswegen mit alten Europäerinnen ein, weil sie unbefriedigte sexuelle Wünsche hätten, sondern weil sie für den Gegenwert einer einzigen sexuellen Erniedrigung ihre Familie für längere Zeit ernähren können. Wären sie wirtschaftlich ihren Kundinnen gleichgestellt, so hätten sie derartige "Liebesdienste" nicht nötig!

Nach Otten aber

muß jede Form der Ausbeutung und Unterdrückung von Frauen, sei sie nun kriminell oder legal, bekämpft werden. (S.257)

Wohlgemerkt: Die von Frauen!

Tatsächlich werden durch die Prostitution vor Allem Männer ausgebeutet. Es werden nämlich allein schon durch das Angebot Wünsche geweckt, deren Erfüllung dann teuer zu bezahlen ist, und die übrigens den Wert der Ehe relativieren.

Warum wird mit der Ware Sex nicht ebenso verfahren, wie mit gewissen Drogen, deren Verkauf - nicht Erwerb - bestraft wird? Vermutlich deshalb, weil dann auch Frauen die Kriminalitätsstatistik etwas mehr "bereichern" würden, was freilich ihrem Nimbus von Engeln widerspräche.


Evolutionäres Paarpotential. Nach Otten gibt es einen massiven Arbeitskräftemangel in den Computer- und Ingenierberufen. Das war im Jahre 1999 oder 2000 geschrieben; wie es heute aussieht, entzieht sich meiner Kenntnis. Jedenfalls:

Allein aus diesem Grund müßte es naheliegend sein, daß sich alle gesellschaftlichen Kräfte, Parteien, Verbände, Bildungseinrichtungen sowie Unternehmen, Gewerkschaften und Wissenschaft, auf den Weg machen, um den Rückgang der Männer durch Frauen zu ersetzen.

Es ist merkwürdig, daß Otten, nachdem er die Unterschiedlichkeit im Denken von Mann und Frau selber festgestellt hat, nicht darauf kommt, daß Frauen an der (Computer-)Technik vielleicht keinen so großen Gefallen finden könnten. Er sieht nur ihre vermeintlichen Vorzüge:

Dazu gehört nicht nur die höhere Leistungsbereitschaft und -fähigkeit heutiger junger Frauen. Dazu gehören vor allem auch die anderen Vorteile: Frauen haben, wie wir gesehen haben, ein höheres Gefahrenantizipationsniveau. Das heißt nicht, daß sie mehr Angst hätten, wie man das schöne Wort entlarvend übersetzen könnte. (S.259)

Nun, ein schönes Wort ist das Gefahren-Antezipations-Niveau (um es korrekt zu schreiben; "ante" statt "anti") nun wirklich nicht. Und man ent-larvt das Wort allerdings, wenn man es mit "Angst" übersetzt. Es ist ärgster Euphemismus, wenn Otten rechtfertigend ausführt, daß

Frauen in stärkerem Maße die Fähigkeit besitzen, sich Gefahren auszudenken und vorwegzunehmen [...] (S.259)

Denn hier geht es gar nicht ums Denken, sondern um das Entscheiden, also um eine Gefühls- und Willensqualität.

Als ihr "wichtigstes evolutionäres Potential" führt Otten jedoch ihre angeblich höheren moralischen Qualitäten an. Diese Behauptung wurde schon in einem früheren Kapitel zitiert, warum ich ihre vielfältige Wiederholung hier nicht noch mal durch Zitate belegen will.


Mädchen sozialisieren nach. Männer für sich und unter sich - das kann nicht gutgehen, glaubt Otten herausgefunden zu haben. Vielmehr bedürfen sie einer weiblichen Kontrolle.

Als wir untersuchten, welche jungen Männer auf der Moralskala gut oder zumindest besser abschnitten als die Mehrheit der bösen Buben, die mehr oder minder deutlich im moralischen Abseits landeten, stellten wir fest, daß sie nahezu alle eine feste Beziehung zu einer Freundin oder Lebenspartnerin hatten. (S.267f.)

Wen überraschts's? Natürlich sind zufriedene Männer angenehmer für ihre Mitmenschen als unzufriedene. Oft tut's freilich auch ein Hund oder ein anderes mitfühlendes Wesen. Aber sollen wir deswegen Hunden höhere moralische Qualitäten zubilligen als Männern? Dann müßten wir ihnen auch höhere Qualitäten als Frauen zubilligen, die ja oft genug auch mit Hunden leben, aus den gleichen Gründen. Der Mensch ist nun einmal auf Gemeinschaft angelegt. Ein Leben in Isolation ist meistens unfreiwillig.

Otten hingegen folgert:

Frauen wirken auf Männer im einzelnen wie auf Kollektive in moralverbessernder Weise ein und sozialisieren sie nach, was deren Verhalten und die Qualität ihrer Aktionen nachhaltig verbessert. (S.273)

Nun, daß sich ein Unternehmensklima durch das Hinzukommen von Frauen verbessern kann, wie Otten breit ausführt, mag ja sein. Den gleichen Effekt können aber auch viele andere Veränderungen haben, einfach weil immer irgendeine Routine oder Erstarrung eintreten kann, die lähmend wirkt. Von daher wird die angeblich höhere weibliche Moral von Frauen es sicher nicht sein, welche ein Betriebsklima verbessert!

Was Otten in seinem Plädoyer für eine Durchweiblichung der Betriebe verschweigt: Frauen, besonders wenn sie in Gruppen auftreten, tun sich nicht selten durch ein für sie typisches Mobbing hervor, übrigens auch gegen einzelne Männer. Ich erwähne das nicht, um Frauen schlechtzureden, sondern um die Einseitigkeit des Ottenschen Plädoyers einmal klarzustellen. Es ist der Sexismus, der seine Betrachtungen immer wieder entwertet.


Gender-Partnerschaft. Otten zieht noch eine weitere Konsequenz:

Da liegt es nahe, Frauen und Männer als Teams zu propagieren, als Partnerschaften, als Paare, die eine geradezu revolutionäre Entwicklung darstellen, zumindest aber einen evolutionären Sprung. (S.273)

In den USA soll es dazu bereits einen ganzen Forschungszweig geben. Otten führt Beispiele gelungener Paar-Arbeitsgemeinschaften an, die er dem Buch Megatrends for Women, Kapitel "Coopertive Couple" von P.Aburdene und J.Naisbitt entnommen hat. Dazu sagt er:

Paare sind in der Regel frei von zwischenmenschlichen Konkurrenzgedanken und können ihre Energie dafür nutzen, gemeinsam in den Wettbewerb zu treten. (S.274)

Eigentlich ist das selbstverständlich - natürlich nur solange wie die Beziehung gut geht und eine Trennung glatt über die Bühne läuft. Warum muß überhaupt die Billigung oder Förderung erotischer Beziehungen am Arbeitsplatz propagiert werden? Vielleicht, weil der Feminismus diesbezüglich ein unerträgliches Klima der Verdächtigung geschaffen hat. In der Folge trauen sich Männer oft kaum noch, ihre Kolleginnen überhaupt anzublicken - was auch diesen wiederum die Arbeit sauer macht.

In diesem Zusammenhang erlaube ich mir einen Hinweis auf die Organisation TERRES DES FEMMES , die Folgendes als Maßnahme zur Bekämpfung "häuslicher Gewalt" offeriert:

Mit Hilfe unserer Initiative einer "Workplace Policy" [Arbeitsplatz-Polizei] können Betroffene durch Betriebe unterstützt werden. Immer mehr Arbeitgeber informieren sich bei uns oder haben die Workplace Policy bereits eingeführt.

Hier haben wir die typische Rollen-Ergänzung von männer-hassenden Sexistinnen und frauen-bewundernden "Pudeln", als welcher Otten in seinem Plädoyer fungiert. Beide verfolgen, wenn auch aus verschiedenen Voraussetzungen, dasselbe Ziel: Die totale Gynarchie. Denn auch für Otten sind Frauen die besseren (d.h. leistungsfähigeren und moralisch höherwertigen) Menschen!

Für viele Männer ist aus diesem Vorurteil bitterer Ernst geworden.


12. Vaterschaft als Sozialisation.

Mit Dieter Otten teile ich die Erfahrung, erst im Alter von über 45 Vater geworden zu sein; und ebenso teile ich mit ihm die Erfahrung, daß man, allen eigenen Befürchtungen zum Trotz, an der Vaterrolle wächst und Erfüllung findet.

Was ich mit ihm nicht teile - besser: er nicht mit mir, jedenfalls nicht bis zur Abfassung seines Buches -, ist die Erfahrung der Elterntrennung und des jahrelangen Sorgerechts-Streites. Dies Schicksal trifft aber unzählige Väter in Deutschland. Und natürlich ihre Kinder (vgl. Horst Petri: "Das Drama der Vaterentbehrung"). Und darum ist es so seltsam, daß Otten, der ja Soziologe ist, mit keinem Wort auf dieses in Deutschland typische Väter-Schicksal zu sprechen kommt.

Schlimmer noch: Angesichts der Tatsache, daß wohl jeder von uns mindestens einen Bekannten hat, der vom Kindesentzug mit nachfolgender Unterhaltspflicht betroffen ist, kommt dieses Schweigen einer Leugnung gleich. Andere Soziologen wie Gerhard Amendt in Bremen haben sich gründlich mit der Vater-Kind-Trennung und ihren Folgen auseinandergesetzt. Für Otten scheint das Problem nicht zu existieren.

Gerade in Hinblick auf die Vorzüge von Vätern, die Otten aufführt, wirkt diese Leugnung wie ein Hohn. Lesen wir einmal, was er an Vätern zu loben weiß:

Für Kinder kann die bloße Existenz eines Vaters, der einfach nur anwesend ist, schon eine Verbesserung ihrer Lebensumstände sein.

Ein Vater, der seine Rolle darüber hinaus reflektiert angeht, hat eine enorm stabilisierende Wirkung auf die Entwicklung seiner Kinder. (S.287f.)

Mit Bezug "Das kompetente Kind" (1997) von Jesper Juul fügt er an:

Das emotionale Erlebnis, das ein Kind auslöst, sei im Positiven wie im Negativen so überwältigend, so Juul, daß es nicht verwundere, wenn alle beteiligten Personen aus ihrer bisherigen Verhaltensroutine und -struktur herausgerissen werden. Das gilt natürlich auch für Mütter, aber ganz besonders für Väter. Die Vaterschaft hat für die überwältigende Mehrheit der Väter tiefgreifende, empirisch faßbare Auswirkungen im Verhalten und in der Verantwortlichkeit. (S.288)

Weiterhin stellten Väter nach Juul einen liberalen Faktor und das ausgleichende Element in der Familie dar - dem Vorurteil zum Trotz. Ferner seien es Väter, welche die Kompetenz ihrer Kinder, d.h. deren Fähigkeit, Alltagssituationen zu bewältigen, schneller akzeptieren und unterstützen.

Bemerkenswert ist Ottens Lob des alleinerziehenden Vaters:

Alleinerziehende Väter können im Umgang mit ihren Kindern geradezu zur Hochform auflaufen, und fast könnte man meinen, Männern könnte für ihre persönliche und soziale Entwicklung nichts Besseres passieren, als alleinerziehende Väter zu werden. (S.290)

Dies gelte über alle kulturellen und weltanschaulichen Aspekte hinweg, seien es Atheisten, Christen oder Muslime. Weiter:

Was besonders erstaunt, ist, daß Väter nicht nur sehr gut mit den organisatorischen Problemen des Alleinerziehens zurechtkommen, sondern insbesondere auch mit den pädagogischen, psychologischen und sozialen Aufgabenstellungen. Dies wird zusätzlich dadurch erhärtet, daß Väter besonders für Töchter hervorragende Alleinerzieher sein können. (S.290)

Dies sei vielsagend, weil kein Mann sich die Rolle des alleinerziehenden Vaters bewußt zulegen kann (bei Müttern sieht das anders aus). Die Aufgabe kommt auf die Väter zu, und diese bewältigen sie hervorragend - meistens. Und natürlich haben auch Kinder, nicht nur Frauen, auf Männer eine "nachsozialisierende" Wirkung.

Und nun kommt Otten zu einer - den Leser wegen ihrer Selbstverständlichkeit überraschenden - Schlußfolgerung, nämlich:

daß Männer durchaus ein Potential mit Evolutionschancen besitzen. Eines liegt unter anderem in der Vaterschaft. (S.292)

Ja klar, möchte man antworten, Chancen zur Evolution, die haben wir. Oder doch nicht? Eines ist bei uns nicht selbstverständlich: Daß Väter ihre Kinder regulär erziehen, zumindest regelmäßig sehen dürfen, anstatt nur den Barunterhalt zu zahlen. Dazu kommt es nicht mehr oft. Warum? Weil wir in einem Matriarchat leben. Denn Matriarchat heißt "Herrschaft der Mütter".

Tatsächlich sind Väter bei uns weitgehend rechtlos und dürfen ihre Kinder nur sehen, wenn bzw. solange Mütter dies zulassen. Selbst das Umgangsrecht steht nur auf dem Papier. Was dagegen mit äußerster Konsequenz und rücksichtsloser Härte durchgezogen wird, ist die Unterhaltspflicht, welche den Vater oftmals völlig ruiniert, wirtschaftlich wie seelisch.

Wer möchte unter diesen Bedingungen noch Vater werden? Die Hälfte aller Ehen wird geschieden - in der Regel durch Mütter.

Nicht unterschätzt werden sollten die Probleme der Trennungskinder. Vgl hierzu den Text einer am 19. Juni 2009 angenommen Bundestagspetition, daraus auszugsweise:

In Deutschland gibt es ca. 2,3 Mio. Scheidungswaisen. Ca. 1 Mio. dieser Kinder verlieren den Kontakt zu einem Elternteil aus virtuellen Gründen auf Dauer und haben ein erhebliches Risiko hierdurch emotional oder auch körperlich zu erkranken. Virtuell bedeutet, ein liebevoller und fürsorglicher Elternteil wird von dem anderen Elternteil durch die Verbreitung von Nichttatsachen, bzw. Tatsachen welche geschaffen werden, nicht mehr zum eigenen Kind gelassen. Diese Kinder werden hierdurch oft krank. Es sind "gemachte" Schicksale, von denen sehr viele präventiv verhindert werden könnten.

Ein Vater, der in Deutschland ein Kind in die Welt setzt, handelt unter einem außerordentlichem Risiko für sein Kind und damit geradezu unverantwortlich. Nicht, weil er sich selbst überschätzen würde - sondern weil er die moralische Qualität von Frauen überschätzt!

Ganz sicher hätte Otten gut daran getan, wenn er etwas weniger das Schicksal der Prostituierten beklagt hätte, dafür aber das der Väter und Kinder. Denn von ihnen, und nicht von den Prostituierten, hängt unsere Zukunft ab.


13. Homosexualität als Sozialisation.

Otten schwärmt nicht nur von Vaterschaft, sondern sehr ausgiebig auch von (männlicher) Homosexualität - obwohl sich das Eine mit dem Anderen eigentlich nicht verträgt. Doch gerade von den Homosexuellen hätten wir viel zu lernen:

Man muß einfach die Chance sehen, die sich eröffnet, wenn man weibliche Verhaltenselemente innovativ in die Männerrolle integriert und Männern so die Möglichkeit gibt, ihr eigenes Verhalten im Wege der Normübernahme, der Verinnerlichung und der Verhaltensadaption zu verändern. (S.318)

Denn der Versuch, Jungen zu Sitzpinklern zu erziehen, ist, wie Otten richtig feststellt, gescheitert. Die Jungen haben einfach nicht einsehen wollen, daß das Sitzpinkeln für sie gut sei. Was hilft? Das Vorbild einer "nennenswerten Referenzgruppe", wie Otten sich ganz soziologisch ausdrückt, nämlich die der Homosexuellen.

Es gibt eine Reihe von Männern, die zeigen, daß es auch anders geht. Sie sind damit ein alltägliches Vorbild und Innovationsträger. (S.319)

Der Missionseifer, den Otten hier an den Tag legt, ist beinahe erschreckend:

Diese Emanzipation geht sicher nicht ohne eine proaktive Bekämpfung der Vorurteile gegenüber Homosexuellen vonstatten, insbesondere nicht bei jungen Männern. (S.326)

Grenzüberschreitungen sind notwendig, wenn wir etwas für die evolutionäre Innovation des Männlichen tun wollen. Männer müssen akzeptieren, daß man auf verschiedene Weise Mann sein kann.

So etwas zu akzeptieren verlangt auch, es zu propagieren. (S.327)

Dabei beruft Otten sich u.a. auf die Autorinnen Faith Popcorn und Lys Marigold, welche diesen Innovationstrend mancipation nennen. Damit ist gemeint,

daß sich nach den Frauen nun auch die Männer zu emanzipieren begännen. Natürlich nicht von der Macht oder Vorherrschaft der Frauen (was die Analogie zur Frauenemanzipation wäre), sondern von ihrem eigenen Männlichkeitsbild [...] (S.320)

Ist Ihnen, lieber Leser, die Ungeheuerlichkeit dieses Anspruches bewußt? Stellen Sie sich vor, wir Männer würden uns von den Frauen emanzipieren und dann, um das Werk komplett zu machen, auch noch eine Emanzipation der Frauen fordern - von sich selbst. Und das mittels proaktiver Bekämpfung der Vorurteile und mittels Grenzüberschreitungen. Da wäre aber der Teufel los!


Was aber findet Otten an der (männlichen) Homosexualität so großartig? Unter Anderem

jener verhaltene Postmaterialismus, der darin besteht, den Inhalt der Arbeit für wichtiger zu halten als Karriere und Entgelt, die Selbstfindung in der Arbeit wichtiger zu finden als Macht und Herrschaft, die damit verbunden sein können, und schließlich Beziehungen, Kinder, Freundschaften und Gespräche für höherwertig anzusehen als Statussymbole und materiellen Erfolg. (S.319)

Ich habe diesen Aspekt herausgegriffen, weil er am ehesten noch Zustimmung weckt. Doch sehen wir uns diese "weiblichen Werte", als welche Otten sie kennzeichnet, einmal näher an. Jeder Kulturschaffende weiß, daß er, um etwas zu erreichen, eine repressive statt eine permissive Haltung einnehmen muß, vor Allem sich selbst gegenüber (als Orchesterdirigent auch den Musikern gegenüber). Zur Kultur gehört übrigens auch der Sport, beispielsweise der Fußball und andere "Fluchtwelten", die für Otten natürlich immer männlich sind.

Was aber kommt etwa heraus, wenn ein Instrumentalist, sagen wir ein Trompeter, sein eigenes Tönen für wichtiger hält als seine Einordnung in das Orchester? Er selbst, zumal wenn er noch im Kindealter ist, mag seinen Spaß daran haben. Sein Musiklehrer aber nicht. Auch wir als Eltern wollen aus gutem Grund, daß es der kleine Trompeter irgendwann mal zu Erfolg, und zwar auch zu materiellen Erfolg bringen wird. Und darum wollen wir, daß er sich der "Herrschaft" seines Musiklehrers und auch dem Wettbewerb mit seinen Kameraden "unterwirft". Das ist völlig vernünftig.

Zu diesem Zweck werden wir dann auch selbst einen gewissen Druck ausüben, denn die Trägheit ist dem Menschen angeboren, der Fleiß aber nicht. Übrigens habe ich das Beispiel eines angehenden Trompeters gewählt, weil gerade hier die Grenze zum Hochleistungssport sich verwischt. Was aber wäre die Welt des Jazz, teilweise aber auch der klassischen Musik ohne diese Virtuosen, die jahrelang hart trainiert haben, um nachher in den höchsten Tonlagen zu spielen?

Was für die Bereiche der Kultur gilt, ist aber gültig auch für andere Bereiche. Wir alle neigen zur Bequemlichkeit, aber wir kritisieren fast immer auch die Folgen, die uns durch die Bequemlichkeit Anderer entstehen. Dann reden wir von Schlamperei, Unpünktlichkeit, Kaffeepausenmentalität, Entscheidungsschwäche, Übervorsichtigkeit und so weiter. All dies sind weibliche "Werte", für die ein gynarchisch orientierter Soziologe wie Otten natürlich andere Bezeichnungen wählt.


Wie gesagt, ich habe den relativ unverfänglichsten "Vorzug" homosexueller Lebensweise, wie Otten sie beschreibt, herausgestellt. Jedoch:

Die in unserem Zusammenhang wichtigste Innovation, die von Homosexuellen ausgegangen ist beziehungsweise ausgeht, dürfte die Veränderung des Beziehungsgeflechts auch zwischen heterosexuellen Menschen sein. (S.315)

Otten meint die Reduzierung der Beziehungen auf Sexualität.

Die allein auf dem Gefühl aufgebaute Beziehung ohne jede andere, ohne jede ökonomische oder familiäre Komponente ist seit den siebziger Jahren von Heterosexuellen in großer Zahl übernommen worden. Heute macht diese Lebensform in den entwickelten westlichen Gesellschaften mehr als die Hälfte aller heterosexuellen Beziehungen aus. (S. 315)

Enthusiatisch stellt der Autor fest:

Die Wertschätzung der Sexualität überhaupt, das Eindringen von Varianz [...], die Idee, alle Heterosexuellen könnten häufiger wechselnde Beziehungen haben, all das ist ohne den Einfluß homosexueller Vorbilder kaum vorstellbar. (S.315)

Ebenso großartig findet Otten die riesengroßen Plakatwände,

auf denen mit Kondomen in lustigen Bonbonfarben zum sicheren Sexualverkehr aufgerufen wird. Ungeniert, in aller Öffentlichkeit und ohne Scham. Der revolutionäre Charakter einer solchen Plakatierungswelle kann gar nicht deutlich genug unterstrichen werden. (S.316)

Nun, ich möchte kein "Spielverderber" sein. Ich bestreite auch nicht, daß Homosexualität eine natürliche Tatsache ist, sowohl bei Tieren wie bei Menschen. Aus dem natürlichen Repertoire, das dem Menschen zur Verfügung steht, kann und sollte er aber auswählen. Nicht alles dient der Bestimmung des Menschen, nur weil es "natürlich" ist. Daß die rein auf Lust basierenden Beziehungen insbesondere für unsere Kinder nicht gerade günstig sind, sollte uns übrigens auch noch eine Überlegung wert sein. Otten verliert hierüber kein einziges Wort.


14. Der "Megalog".

Im Schlußkapitel seines Buches, betitelt Globale Männerpolitik, empfiehlt der Autor die Einrichtung einer Weltmännerkonferenz gemäß dem Vorbild bisheriger Weltfrauenkonferenzen. Allerdings keineswegs mit komplementärer Zielsetzung.

Denn es ginge bei einer solchen Männerkonferenz ja nicht primär um geschlechterpolitische Fragen wie die Erkämpfung von Rechten und die Befreiung von Bevormundung - wie bei den Frauen. (S.333)

Sondern ebenfalls um die "Befreiung" von Frauen. Eine Notwendigkeit der Durchsetzung von Männerrechten sieht Otten, wie wir gesehen haben, schon mit Blick auf die Väter nicht ein - ihm selbst geht es hoffentlich gut. Offensichtlich aber sieht er auch kein Unrecht darin, daß

Die Liste männlicher Benachteiligungen ist freilich viel länger; wer sich informieren will, möge nachlesen in meinem Referat Männerbewegung oder, auf neuestem Stand, bei MANNdat e.V., speziell hier.

Wesentliche Ziele einer Weltmännerkonferenz sieht er folglich auch z.B. in der Beantwortung der Frage,

ob und wie es möglich ist, zeitgemäße moralische Orientierungssysteme für Männer zu errichten, ohne die permissive Gesellschaft aufzugeben

(was ich für widersinnig halte);

ob und wie männliche Grundstrukturen überall so umgebaut werden könnten, daß sie auch den Bedürfnissen der Frauen gerecht werden (S.333)

- wobei er Bedürfnisse mit Wünschen verwechselt.

Um die Bedürfnisse von Frauen zu erfüllen, brauchen männliche Grundstrukturen nicht umgebaut zu werden.

Was hingegen die Wünsche betrifft - Otten hat diejenigen Wünsche im Blick, die man in einer permissiven Gesellschaft befriedigt -, so sind diese Wünsche eigentlich geschlechts-neutral; nur sind Frauen aufgrund ihrer Anomie leichter davon zu überzeugen. Dies war bereits die Botschaft der biblischen Paradiesgeschichte.

Ist dieses Ziel aber erst einmal erreicht, dann gibt es aufgrund der demokratischen Machtgewinnung, die bekanntlich auf Masse und nicht auf Qualität beruht, auch keine Umkehr mehr.


Otten macht kein Hehl aus seiner Sympathie für den Marxismus.

Seit der Veröffentlichung des Kommunistischen Manifests von Marx und Engels (1848) zieht sich die Vision eines anderen Beziehungsideals wie ein roter Faden durch alle revolutionären Theorien und Bewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts. [...]

Insofern verdankt die heutige Geschlechterdebatte ihre Existenz in weiten Teilen der Befreiungstheorie sozialistischer und anarchistischer Herkunft. In den 152 Jahren seit Erscheinen des Kommunistischen Manifests ist vieles davon umgesetzt worden. (S.346f.)

Konsequenterweise huldigt er auch den 68ern:

Was immer die Generation der rebellischen Jugend (die sogenannten 68er) damals auch an fehlgeschlagenen revolutionären Ideen im Kopf gehabt haben mag, ihre historische Leistung ist die Mobilisierung der permissiven Gesellschaft und die Emanzipation der Geschlechter [...] (S.347)


Jedoch möchte ich Otten zugute halten, daß er auch andere Vorbilder kennt.

Mandela, der symplektische Kosmopolit, ist Inbegriff des revolutionären Mannes - meine Ikone für das 21. Jahrhundert. (S.350)

Irritierend wirkt auf mich nun aber die folgende Aussage, wenn ich Mandelas einstige Ehefrau Winnie in den Blick nehme.

Wenn eine solche Weltikone öffentlich vorlebt, wie ein moderner, befreiter, emanzipierter Mann mit seiner Partnerin auf gleichberechtigte, würdevolle und weltweit beispielgebende Weise umgeht [...] (S.350)

Welcher seiner Partnerinnen oder Ehefrauen ist gemeint? Von der langjährigsten und prominentesten trennte er sich, nachdem ihm ihr Ehebruch zu Ohren gekommen war. Aber bedenken wir: Diese Frau war auch eine mutmaßliche mehrfache Mörderin und dennoch angehimmelte Politikerin. Wohl nicht ohne Grund wurde sie auch beschuldigt, einen"Necklacing" angeordnet zu haben, eine Art Hinrichtungspraxis durch Umhängen eines benzingetränkten, brennenden Autoreifens. Diese Praxis diente damals u.a. der Hexenverfolgung.

In der ZEIT erschien bereits 1997 ein Bericht, dem ich folgende Passage entnehme:

Sie führt das üppige Leben einer Diva, fordert die Todesstrafe und wirft der Regierung ihres Exmannes vor, nichts für das Millionenheer der Armen im Lande zu tun. Im Mai wurde die instinktsichere Populistin zur Chefin der mächtigen ANC-Frauenliga gekürt. [...]

Man sah Erzbischof Desmond Tutu, den Vorsitzenden der Kommission, weinen. Und mittendrin thronte Winnie Madikizela-Mandela, behangen mit glitzerndem Goldschmuck, gepanzert mit Arroganz und Kälte, jeden Morgen in einem neuen Designer-Kostüm,

So etwa stelle ich mir ein physisches Abbild der Hure Babylon vor, "mit der die Könige der Erde Unzucht getrieben haben [...] Das Weib war mit purpurroten und scharlachroten Gewändern bekleidet, dazu mit Gold und Edelsteinen und Perlen glänzend geschmückt. [...] Und sie war trunken vom Blut der Gläubigen [...]" (Off.17).

Nun, ich will nicht darauf hinaus, daß es "auch" mörderische, kollektives Unheil stiftende Frauen gibt. Das wissen wir sowieso. Ich frage mich aber, warum Otten angesichts dieser Vorgänge nichts Besseres einfällt, als Nelson Mandela wegen seiner vorbildlichen Art von Partnerschaft zu loben.

Der erstrahlt zwar angesichts seines schweren Schicksals in einem noch helleren Licht. Aber gleichzeitig fällt ein umso düsterer Schatten auf eine Frau, welche uns die Vorstellung einer "symplektischen", weiblich regierten Welt zu versüßen nicht geeignet ist. Weiß Otten, daß er mit seiner Beschreibung von Mandelas Vorzügen ganz nebenbei diese Vorstellung aufruft und das Lob der Gynarchie damit in Frage stellt? Es ist seine selektive Wahrnehmung, die mich frappiert.


15. Resümée und Stellungnahme.

Was Otten im Grunde will, ist die totale permissive Gesellschaft, oder, wie Papst Benedikt XVI. es ausdrückt, die Diktatur des Relativismus: Alles soll erlaubt sein, was dem Individuum Spaß macht; Zucht und Selbstzucht haben da keinen Platz. Und nur darum, weil so eine Politik mit Frauen leichter zu machen ist - mit Homosexuellen natürlich auch -, will Otten eine weibliche bzw. verweiblichte Gesellschaft, also eine Gynarchie, in welcher jeder "seine" Werte und Regeln in einer Cafeteria aussuchen kann - oder gleich ganz auf sie verzichtet, um nur noch "situativ" zu handeln.

Ottens Unterscheidung von hierarchischer und symplektischer Kommunikation und ihre Zuordnung auf die Geschlechter-Polarität ist insofern durchaus weiterführend. Allerdings sollte man diese Zuordnung nicht überstrapazieren. Der Mann umfaßt die Frau; auch gültig, aber weniger zutreffend ist die Umkehrung. Daher kann es nicht wundernehmen, daß selbst das Internet, Musterbeispiel eines symplektischen Kommunikationssystems, von Männern erfunden worden ist und von ihnen hauptsächlich auch weiterentwickelt wird. Ja sogar der Begriff Symplegie ist von einem Mann erfunden worden, nämlich von Otten.

Gänzlich ablehnen muß ich Ottens Kennzeichnung der Frau als moralisch höherwertig und als leistungsfähiger. In dieser Bewertung kommt nicht nur eine Art verspäteter und auf den Kopf gestellter Manichäismus zum Ausdruck; sie ist überdies sexistisch, ebenso wie sie, angewandt auf Angehörige verschiedener Völker, rassistisch wäre.

Richtig ist zwar offensichtlich, daß Männer mit der heutigen, schon weitgehend permissiven und "symplektischen" Lebensweise ihre Probleme haben. Bezeichnenderweise aber zieht Otten daraus eine Folgerung, die sich so formulieren läßt: Nicht die permissive Gesellschaft ist pervers, sondern der Mann, der in ihr lebt. Was Otten den Schwulen niemals zumuten würde, nämlich sich zu ändern, den heterosexuellen Männern mutet er es zu!

Zu einer derart zwanghaften Vorentscheidung kann nur kommen, wer die Realität teilweise leugnet. Tatsächlich kommt eine solche Leugnung nicht nur in Ottens seltsamem Umgang mit Statistiken zum Ausdruck, sondern noch mehr in seiner Blindheit für die Realität von Vätern in Deutschland.

Ich muß zugeben, daß mich gerade diese letztere Fehleinschätzung mehr beeindruckt hat als die erste. Denn bei falscher Argumentation mit Zahlen liegt ein eher intellektueller Mangel vor, dem eine Willensschwäche in Sachen sorgfältiger Arbeit vorausgeht. Dagegen beruht die Fehleinschätzung hinsichtlich der heutigen Möglichkeiten von Vaterschaft auf einem echt moralischen Defizit, da Otten hier schwerste Traumata nicht nur bei Vätern, sondern vielmehr noch bei Kindern in einer Weise ausklammert, die von den Betroffenen einfach nur als Zynismus empfunden werden kann.


Wie jede Ideologie, so bedient sich auch der Sexismus des Appells an das Ideal des christlichen Wertewandels, ein Ideal, welches das tiefere Empfinden eines jeden halbwegs gesunden Menschen anspricht, sei er Christ oder Atheist. Dieser Wertewandel wurde initiert mit der Fußwaschung, als der Gottessohn, sehr zum Erstaunen, ja Unverständnis seines Jüngers Petrus, sich hinabbeugte, um dem Menschen zu dienen. Die Herrschaft des hierarchisch Höherstehenden wurde abgelöst durch Dienerschaft. Damals wurde der Wandel grundgelegt, an dessem Ausgang heute feststeht, daß die Regierung dem Volk zu dienen und der Mann die Frau zu schützen hat, ebenso wie die Eltern ihre Kinder zu lieben haben, nicht primär umgekehrt, so wie das früher gegolten hat.

Extreme liegen oft dicht beisammen, so auch das extreme Gute und das extreme Böse. Der ideologische Irrtum im Verfolg des besagten Wertewandels liegt darin, daß aus der dienenden Hinwendung des hierarchisch Führenden zum Beschützenswerten dessen Überhöhung zum Tyrannen veranstaltet wird. Die Liebe aus Opferwillen wird umgedeutet in ein Recht, in einen Anspruch eines sich selbst inszenierenden "Opfers", das vermeintlich nur nimmt, was ihm zusteht, und im Falle, daß ihm die Selbsterhöhung verweigert wird, die Kriminalisierung des Liebenden betreibt. So läuft heute Frauenpolitik.

Hier zeigt sich die Verwundbarkeit des Liebenden:

Ohne den Erhalt der Hierarchie bei gleichzeitigem Wertewandel - Dienerschaft statt Herrschaft -, wie ihn der Gottessohn initiiert hat, hat unser Rechtsstaat nur die Wahl zwischen Scylla und Charybdis: Entweder er gibt sich aus Toleranz der Intoleranz preis, läßt sich aus Schwäche aushebeln, um nachher Täter anzuklagen; oder aber er gibt seine Toleranz preis, indem er mit reaktiver Repressivität den proaktiven äußeren Einfluß abwehrt. Die dazu nötige Repressivität wäre ohne Beispiel in der Geschichte. Permissivität schlägt zwangsläufig um in Despotie.

Aus demselben Grund ist übrigens auch der Marxismus gescheitert. Die Hinwendung zum Arbeiter, der Kampf gegen seine Ausbeutung war richtig und christlichen Ursprungs, auch wenn dieser christliche Ursprung den Gründern nicht bewußt war, ja durch sie geleugnet wurde. Aber eben auf dieser Leugnung, die eine Leugnung der Hierarchie ist, beruhte das Konzept von der Diktatur des Proletariats.

Was Otten will, ist eine Diktatur des Feminats. Wie er das zu erreichen hofft, nämlich durch Grenzüberschreitung und Propaganda, hat er ja ungeniert zur Sprache gebracht. Aber der Sexismus wird vergleichbare Folgen haben wie der rote und der braune Sozialismus des 20sten Jahrhunderts, nur schlimmere. Schlimmer deswegen, weil sich in den Geschlechtern zwei globale, räumlich gleichverteilte Machtblöcke gegenüberstehen. Es droht eine Art "innerer Weltkrieg". Ottens diesbezügliche Befürchtung teile ich durchaus.


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