MannPassAuf! Wider die Gräuel
von Matriarchat und Gynokratie.

Quälende Männlichkeit. Zu einem Artikel von Antje Schrupp. (21-4-09)

In einem Internetforum bezeichnete eine Teilnehmerin mich als einen Nadelstreifen-Nazi. Ein echter Nazi sei ihr lieber, denn der wäre als solcher sofort zu erkennen und abzuwehren. An mir sei problematisch, daß ich mich stets korrekt und höflich ausdrücke; ja man könne sich mich sogar als einen hilfsbereiten Nachbarn vorstellen. Und das mache mich gefährlich.

Nachdem ich einige Artikel von Antje Schrupp gelesen hatte, kam ich bald auf ähnliche Gedanken, freilich inbezug auf den Sexismus. Darum ging es im Grunde auch in der oben erwähnten Bewertung, doch das nebenbei.

Es gibt und gab aggressive, pöbelnde, ja gemeingefährliche Sexistinnen wie Valerie Solanas, die man als solche natürlich sofort erkennt.

Es gibt intellektuelle Sexistinnen wie die Professorin S.M.Gearhart, die von kosmischer Liebe spricht und sich als Fürsprecher der Marginalisierten versteht, gleichzeitig aber für die 90%ige Beseitigung einer Hälfte der Menschheit eintritt. Derartige Intellektuelle sind, wie ich meine, durchaus ernstzunehmen.

Weiter gibt es Sexistinnen wie M.Mitscherlich, die - in mehr skurriler Weise - ähnliche Parolen verbreiten, anderseits aber sich heterosexuell bekennen und vor diesem Hintergrund auch Sympathien erwecken. Sind sie noch "gefährlicher" ? Muß man sie noch ernster nehmen, weil sie doch ihrer Nettigkeit wegen so viele Leser finden ?

Ja, und dann gibt es sogar solche, die über weite Strecken, je nach Thema, gar nicht richtig feministisch, sondern völlig vernünftig wirken. Das war jedenfalls mein Eindruck von Antje Schrupp - bis ich ihren Artikel las, der überschrieben ist mit "Schon wieder und immer noch: Die Vermännlichung der Welt".


Darin berichtet sie von ihrer persönlichen Befindlichkeit in der Folge eines Vortrages von Frank Schirrmacher in der Frankfurter Katharinenkirche. Der hatte zum Thema "Sich entscheiden" geredet und war selbst auch, so Antje Schrupp, mit dem Gestus eines entschlossenen Mannes aufgetreten. Und da Schirrmacher als Herausgeber der FAZ zudem wohl auch ein kluger Kopf ist, muß es nicht überraschen, daß er überwiegend Zustimmung fand.

Nicht aber bei Antje Schrupp. Sie empfand diese Rede ganz offensichtlich nicht hilfreich, nicht aufbauend und nicht beruhigend. Im Gegenteil: Dieser Redner habe sie deprimiert. Und zwar nicht, weil er etwas wirklich Schlimmes oder Falsches gesagt hätte - das habe schon der mangelnde Tiefgang verhindert -, sondern, darauf läuft es jedenfalls hinaus, weil er ein Mann ist. Ja schlimmer noch: Der geschlechter-egalitäre Rahmen der Veranstaltung habe Schirrmachers ausgeprägte Männlichkeit neutralisiert, so daß diese "nicht mehr thematisierbar war und als solche nicht weiter auffiel".

Wohlgemerkt: Nicht etwa männliches Imponiergehabe oder männliche Kriegstreiberei hat ihr den Tag verdorben, sondern umgekehrt die Entschärfung von Schirrmachers Männlichkeit durch deren Einbettung in ein betont weibliches Kirchenmilieu. Ihre Kaschierung sozusagen.

Wo aber liegt für die Autorin das Problem ? Ich habe versucht und versuche immer noch, mich in sie einzufühlen, habe damit aber, offen gesagt, selber meine Schwierigkeit.

Antje Schrupp präzisiert an einem Beispiel, genauer: an Roland Koch, was sie an Männern stört:

"Nicht das, was Koch inhaltlich sagte, verärgerte mich so - jedem seine Meinung -, sondern gerade der Gestus, die Jovialität, die betonte Souveränität, mit der er auftrat".

Im Grunde also wiederum nichts Anderes als seine Männlichkeit. Noch deutlicher:

"Einmal war ich auf einem Podium mit drei Männern und noch einer Frau. Die Frau und ich waren ganz unterschiedlicher Meinung, während einer der Männer praktisch dasselbe sagte wie ich - nur sagte er es eben ganz anders und sie sagte ihres so ähnlich wie ich. Als die Diskussion herum war, stellten sich die drei Männer sofort zusammen und diskutierten weiter, die Frau und ich blieben etwas ratlos abseits stehen. Wir spielten keine Rolle in der Debatte - die Männer hatten ja untereinander die verschiedenen inhaltlichen Rollen längst besetzt. Es fehlte ihnen nichts."

Nochmal: "Es fehlte ihnen nichts." Was aber ist daran anstößig? Hat uns, hat der Welt bisher etwas gefehlt, das nachweislich Frauen, und nur sie, hätten herstellen können? Nein. Und mehr noch: In allen Kulturleistungen, die Frauen erbringen können, wurden und werden sie durch Männer übertroffen. Bedeutende Köche, Modeschöpfer und Pädagogen beweisen es. Männer also stellen die Genies auch in den Bereichen, die wir mit Weiblichkeit verbinden. Daß sie auch die Masse der Idioten und der physischen Gewaltverbrecher stellen, müssen wir schlucken; es ist die Kehrseite. Warum also sollte den Männern bzw. dem Kulturleben etwas fehlen (im Guten wie im Schlechten), wenn Frauen nicht in gleichem Maße, nicht quoten-geregelt an ihm mitwirken?

Aus der Sicht von Antje Schrupp habe ich damit die Frauen wohl "theoretisch abgeschafft". Wie sie das bewertet, geht aus folgenden Sätzen hervor:

"Diese beiden Weisen der Vermännlichung der heutigen Welt - die konkrete Unterdrückung wenn nicht gar Ausrottung von Frauen auf der einen Seite und ihre quasi "theoretische" Abschaffung auf der anderen - sind zwei Seiten derselben Medaille. [...] hinter beidem steht eine tiefe Respektlosigkeit gegen weibliche Subjektivität, nämlich gegen das, was Frauen an Anderem wollen und einzubringen haben."

Und damit nicht genug:

"Solange die westlichen Kulturen das Töten von Frauen lediglich aus neutralen Gerechtigkeits- und Gleichheitsgründen ablehnen - man darf Frauen nicht töten, weil man auch Männer nicht töten darf - aber ansonsten nicht wissen, wofür Frauen, die weibliche Differenz, überhaupt gut sein soll, bleibt ihr Engagement schal und ist wenig überzeugend."

Ich muß gestehen, daß mich zumal die letzte Äußerung beunruhigt und ratlos macht. Man sollte sie im Gedächtnis behalten, wenn man die weiteren Ausführungen liest:

"Nachmittags habe ich erfahren, dass eine meiner Kolleginnen, die ich sehr schätze, ihre Stelle gekündigt hat. Sie hat zwar keinen neuen Job, aber sie konnte jenen "männlichen Gestus", der sich auch in unserer Institution immer breiter macht, nicht mehr ertragen. [...]

Solche Erlebnisse habe ich in letzter Zeit massenweise - Geschichten von Frauen, die angesichts der Vermännlichung der Welt resignieren, sich in ihre "weiblichen" Nischen, die sie sich geschaffen haben, zurückziehen und die Welt da draußen sich selbst überlassen."

Als ob die Welt dadurch den Bach runterginge, ist man geneigt zu spotten. Doch zum Spott sehe ich keinen Grund. Ich sehe Menschen nicht gerne leiden. Außerdem beunruhigt mich der Gedanke, daß Menschen, die sich eine weltbewegende Mission zuschreiben, an ihrer Ausführung aber resignieren - gerade dann, wenn sie wenig robust sind oder wenig zur Aggressivität neigen -, zu Kurzschlußhandlungen fähig sind.

Dabei denke ich nicht an Intellektuelle wie Antje Schrupp, die sich immerhin artikulieren können, sondern vielmehr an jugendliche Gewalttäterinnen. Sie sind überproportional im Kommen. Ebenfalls denke ich an jugendliche Amokläufer, die vielleicht nicht an falschen Ansprüchen, aber an einer zunehmend verweiblichten Welt resignieren. Denn dies trifft die Sache mehr als die gegenteilige Behauptung: Unsere Welt verweiblicht - und geht insofern wirklich "den Bach hinunter". Schirrmachers Lob der Entschlossenheit war notwendig.

Zeitweilig habe ich daran gedacht, der Autorin zu schreiben, zumal die Meinungsäußerung, wie auf der Webseite zu lesen, erwünscht ist. Nach genauerem Lesen fällt mir aber auf, daß männliche Schreiber "theoretisch abgeschafft" sind. Was gäbe es - zum hier besprochenen Artikel - auch zu diskutieren ? Hier geht es ja nicht um Argumente, sondern um Befindlichkeiten, um Lebensgefühle.


Und damit komme ich zu meinen Einschätzungen des Sexismus zurück. Es tritt uns hier eine Spielart entgegen, die ganz un-aggressiv, irgendwie menschlich, ja durch die Intimität ihrer Darstellung sympathie-erregend auftritt, im hier besprochenen Beitrag gleichzeitig aber das Antlitz enthüllt, das militantere Strömungen hinter trügerischen Rechtfertigungs-Ideologien verbergen. Es ist das Antlitz eines letztlich biologistisch begründeten absoluten Machtwillens, der das Engagement von Menschenrechts-Organisationen "schal" und "wenig überzeugend" findet, weil sie "das Töten von Frauen lediglich aus neutralen Gerechtigkeits- und Gleichheitsgründen ablehnen".

Also ein "Nadelstreifen"-, besser: ein Weltschmerz-, ein Befindlichkeits- oder Innerlichkeits-Sexismus ? Seine Botschaft ist jedenfalls selten deutlich: Die Welt ist demnach deprimierend, solange ihr männlicher Teil sich seiner Eigenart nicht schämt und das den meisten Menschen nicht einmal mehr auffällt.


Kommentare:
21.04.2009 um 11:38 Uhr
MariaHilf
Versuche auf klugen Beinen - mit nem Poncho der Intellektualität um die Gesinnung gelegt, bleiben eben nur Versuche auf kurzen krummen Beinchen, angesichts dessen was du da schreibst "Ja, und dann gibt es sogar solche, die über weite Strecken, je nach Thema, gar nicht richtig feministisch, sondern völlig vernünftig wirken." schön sehr schön! wenn Menschen so offensichtlich bleiben - nix Nadelstreifen! Sondern die Blöse der Einfalt. Den Rest deines Beitrags spar ich mir.
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