MannPassAuf! Wider die Greuel
von Matriarchat und Gynokratie.

Müssen wir Weihnachten feiern ? 24-12-2013

Kürzlich hörte ich einen Vortrag eines der Pfarrer meiner Gemeinde. Ich konnte dem Vortrag nicht viel Sinn entnehmen, aber das lag am Thema. Es ging um den Advent, um die Stimmung der Erwartung mit Hinblick auf Weihnachten. Im Stillen sagte ich mir: Was für eine Mütterlichkeits-Duselei! Müssen, können wir uns alle denn in schwangere Weiber hineinversetzen? Gibt es in den Jugendämtern und Familiengerichten nicht schon genug an Mutterkult?

Zu Weihnachten häufen sich die Fälle häuslicher Gewalt, ja sogar der Suizide. Das "Fest des Friedens" hält nicht mehr, was es verspricht. Es ist in die Entartung getreten und zu einem "Fest" des Unfriedens geworden. Als Kinder, zumal während der Nachkriegszeit, fanden wir Weihnachten wunderbar. Aber das lag eigentlich an den Geschenken. Wo sind heute die Kinder, die nicht schon alles kennen und besitzen, das ganze Jahr über? Und wo die Väter, die ihre Kinder wenn nicht beglücken, so doch wenigstens sehen dürfen?

Nach dem Vortrag bin ich zu dem Pfarrer hingegangen. Ich habe ihm gesagt, daß mir ein Vortrag über Ostern lieber gewesen wäre. Natürlich weiß ich, daß er in der Advents- und Weihnachtszeit keinen Vortrag über Ostern halten kann, aber so habe ich mein Mißbehagen jedenfalls zum Ausdruck gebracht.

Überlegen wir doch einmal! Können wir uns ein Christentum ohne Ostern denken? Nein. Das Christentum bezieht seinen Sinn aus dem Tod, der überwunden wurde. Das ist einmalig in der Welt- und Religionsgeschichte. Andere Religionsstifter erlebten bestenfalls eine Himmelfahrt, aber sie erhoben nicht den Anspruch, den Tod für sich selber - und zugleich für uns alle - ein für allemale überwunden zu haben.

Können wir uns aber ein Christentum ohne Weihnachten denken? Ja! Denn daß der Mensch Jesus einmal geboren werden mußte, ist eine Selbstverständlichkeit. Zwar ist die Art, wie er geboren wurde, einzigartig; aber an der grundsätzlichen Reparatur (Erhebung aus dem Sündenfall) und an der Auferstehung könnten wir teilhaben, auch ohne jemals etwas von der Geburt zu Bethlehem gehört zu haben.

Darüber hinaus hat Jesus, soweit wir uns an die Evangelien halten, nie über seine Geburt, sehr wohl aber über seinen Tod gesprochen. Und schließlich hat er die Nachfolge davon abhängig gemacht, daß wir unsere Herkunft vergessen, sowohl was unsere Familie, als auch, was unsere Persönlichkeit betrifft. Die Geburt des neuen Menschen setzt nämlich die Preisgabe des alten Menschen voraus.

Fragen wir uns auch einmal: Warum hängen - oder hingen früher - in vielen Wohnungen und öffentlichen Gebäuden Kruzifixe, und nicht Krippen?

Die Frage ist umso interessanter, als ja das Kruzifix im Grunde äußersten Anstoß erregen muß. Ein Kulturfremder, der es erstmals zu sehen bekommt, kann daraufhin kaum anders als schockiert und peinlich berührt sein. Er sieht einen fast nackten, gefolterten und zutiefst gedemütigten Menschen, dessen Verbrechen so furchtbar gewesen sein muß, daß er es verdient, hierfür öffentlich ausgestellt zu werden, und zwar in Vervielfältigung überall und über viele Jahrhunderte, ja anscheind für die Ewigkeit. Kann es überhaupt ein Verbrechen geben, das dergleichen rechtfertigt? Kann menschliche Rachelust eine solche Dimension annehmen?

Das Entsetzen dieses Kulturfremden wird noch höher sein, wenn wir ihm sagen, daß es sich nicht nur um einen Menschen handelt, sondern zugleich um den Gott, an den wir glauben. Wie kann ein Wesen so tief fallen! Wie kann ein Gott sich so weit demütigen! - Wir sagen ihm, dieser Gott und Mensch ist ja wieder auferstanden. Er hat den Tod besiegt. Er hat triumphiert. - Aber warum zeigt man ihn dann nicht als Triumphierenden?

Nun, man müßte, wenn man Jesus Christus als Triumphierenden über den Tod darstellt, auch überzeugend darstellen, daß er keine Rache übt für das, was ihm angetan worden ist. Das ist überhaupt das Besondere und insoweit äußerst Erhebende, sofern man es fassen kann: daß dieser Mensch und Gott sich selbst zum Opfer gebracht hat, anstatt sich selbst als Opfer auszugeben und entsprechende Ansprüche zu stellen. Wir kennen fast nur den umgekehrten Fall.

Das heißt, wir kennen seit über hundert Jahren diese kämpferischen Ideologien, in denen eine Klasse sich als Opfer einer anderen sieht. Sei sie Opfer einer besitzenden Klasse; sei sie Opfer eines Tätervolkes, oder sei sie Opfer einer geschlechtlich definierten Klasse, dem sogenannten Patriarchat. Und die daraus Ansprüche ableitet nicht nur auf unausgesetzte Wiedergutmachung, sondern auf einen "Opfer-Adel".

Es sollte einleuchten, daß es sich bei alledem um nichts Anderes handelt als um eine Perversion des christlichen Erlösungswerks. So skandalös es ist, einen Gott zu kreuzigen, der sich in Demut und aus Liebe zum Menschen erniedrigt hat, so pervers ist es in der Folge, das Liebesopfer von todüberwindender Wirkung preiszugeben für den Machtgewinn des ewigen Anspruchsopfers. Das heißt nämlich, Christus noch einmal zu verhöhnen und noch einmal zu kreuzigen, in Potenz sozusagen.

Wer das Kruzifix wirklich zu sehen vermag, das heißt: wer sich der inneren Rührung und Erschütterung hinzugeben vermag, die aus einem wirklichen Verständnis folgt, der tut etwas für die Zukunft. Wer die Krippe sieht, der blickt in die Vergangenheit. Auch das kann erhebend sein, aber mir scheint, daß dieser Blick für uns Heutige keineswegs den Vorzug verdient. Was nottut, ist der Blick auf die Zukunft. Es geht nämlich um eine Entwicklung, die wir auch verpassen können - mit äußerst gravierenden Folgen.

Wenn ich zum Vergleich einmal die Computersprache gebrauchen darf, so handelt es sich bei Christus, dem Auferstandenen, um eine Art Sicherungskopie. Das ist etwas, das wir in unseren Rechner ingestalt einer CD oder DVD einlegen, während der Messe aber ingestalt einer Oblate in den Mund nehmen. Es ist ganz wörtlich zu nehmen: Christus wird einverleibt. Es ist nicht der Astralleib oder der Ätherleib, es ist unser physische Leib, der durch Christus verwandelt wird. (Die Kommunion ist freilich nicht der einzige Weg.)

Um im Bilde zu bleiben: Wir alle haben, auch wenn wir es nicht wissen, die Sicherungskopie bereits heruntergeladen. Dadurch wird sie aber nicht schon installiert. Um sie zu installieren, bedarf es erst des jeweiligen Paßwortes: unser Ich muß "ja" sagen und den Vorgang unterstützen. Und auch dann geschieht die Installation meist sehr langsam. In der Regel wird sie in einem Leben nicht abgeschlossen sein. Aber was sind Jahrhunderte, selbst Jahrtausende, im Vergleich zur bisherigen Evolution? Der neue Mensch steht in seinen ersten Anfängen!

Von Bedeutung ist ferner, daß der Zeitpunkt der Installation verpaßt werden kann. Unser bisheriges Betriebssystem wird nur noch für eine begrenzte Zeit unterstützt. Darum heißt es: "Wachet und betet!" Wer sich an R.Steiner orientieren möchte, der erfährt, daß wir noch einige wenige Verkörperungen hindurch Zeit haben werden. Nur wird es zunehmend schwieriger, wie für jemanden, der sich mit seinen Prüfungsvorbereitungen Zeit läßt.

Nun wird auch ein nicht mehr unterstütztes System noch eine Zeitlang weiterlaufen. In seinen Funktionen wird es aber immer weiter eingeschränkt. Möglicherweise wird es sich auf einem tiefen Niveau stabilisieren. So etwa können wir die Tiere als stabilisierte Betriebssysteme betrachten. In Ruhe gelassen, funktionieren sie gut; an der Entwicklung aber, wie wir sie kennen, nehmen sie definitiv nicht mehr teil. Es mag Zeiten geben, wo sie aus diesem Stillstand durch uns erlöst werden, so wie wir jetzt - im Ansatz - erlöst worden sind; das wäre aber ein anderes Thema.

Wer mit dem Weihnachtsfest nicht viel anfangen kann, wer sich durch die unzeitgemäße Mütterlichkeit gar belästigt fühlt, der tröste sich: Es gibt auch noch Ostern.


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