MannPassAuf! Wider die Greuel
von Matriarchat und Gynokratie.

Über das Aussehen und die Erkennbarkeit von Geisterfrauen. 19-9-2011

Friedrich de la Motte Fouqués meisterhafte Erzählung Undine (geschrieben 1809, veröffentlicht 1811), hat großen Einfluß auf die weitere Bearbeitung dieses Sujets ausgeübt und u.a. zwei Opern den Titel verliehen (E.T.A.Hoffmann: "Undine, Romantische Zauberoper" 1816; ebenso von Albert Lortzing, 1845). Gerade diese Undine ist aber, im Unterschied zu vergleichbaren Wasserfrauen wie etwa der Melusine, als Elementarwesen nicht ohne weiteres erkennbar.

Zumindest körperlich ist Undine durchgehend unauffällig. Bevor sie durch die Heirat mit dem Ritter Huldbrand von Ringstetten eine eigene Seele erwirbt, fällt sie allerdings durch gewisse Verhaltensweisen auf, die für Elementarwesen typisch sind, vor Allem durch ihre bisweilen erheiternde, meist aber lästige, wenn auch nie ausgesprochen bösartige Neigung zu allerhand Neckereien. Nach dem Erwerb ihrer Seele verschwinden diese Eigentümlichkeiten, und Undine wandelt sich zu einem geradezu engelhaften Wesen, an moralischer Reinheit ihrer menschlichen Nebenbuhlerin Berthalda weit überlegen.

Gleichwohl behält sie auch dann noch gewisse Eigentümlichkeiten, die ihre Herkunft aus dem Elementarreich verraten. Diese zeigen sich in ihrer Umgebung ingestalt von spukhaften Erscheinungen und immer wieder in dem Auftreten ihres sehr verwandlungsfähigen Oheims Kühleborn, eines mächtigen Wasserfürsten, der von Anfang an Mißtrauen gegen ihre Heirat hegt und seine Abneigung gegen die Menschen unverhohlen zur Schau stellt. Erstaunlich ist dabei die Souveränität, mit der Undine alle Elementarwesen, darunter die noch weniger sympathischen Erdgeister, in die Schranken weist.

Die unheimlichste Außenwirkung ihrer elementarischen Herkunft kommt jedoch im Seelenleben ihres menschlichen Gatten Huldbrand zum Ausdruck. Dieser wird in der Hochzeitsnacht durch grausige Träume gequält, "von schönen Frauen, die mit einem Male Drachenangesichter bekamen". Nur Undines körperlicher Anblick vermag ihn jedesmal wieder zu beruhigen. Später, im Verlaufe seiner Hinwendung zu Berthalda, treten diese Ängste auch in seinem Wachbewußtsein auf. Dabei bleibt unklar, welchen Anteil die äußeren und welchen die inneren Vorgänge daran haben. Den Höhepunkt des Grauens für Huldbrand und alle Anwesenden, den Höhepunkt aber auch des gemeinsamen Liebesrausches bildet die Begegnung Undines mit ihrem untreuen Gatten in dem Moment, da sie ihn in seinen Tod und damit in ihr Wasserreich "hinüberküßt".

In Zusammenhang mit diesem Tod sei der Liber de nymphis, sylphis, pygmaeis et salamandris et de caeteris spiritibus des Paracelsus (erschienen etwa um 1500) erwähnt. Darin wird unter Verweis auf ein historisches Beispiel hervorgehoben, daß ein Mensch, der eine Nymphe geehelicht, dann aber aber, infolge nachlassender Liebe und gleichzeitiges Aufdämmerns der Einsicht, mit einem ursprünglich elementarischen Wesen verbunden zu sein, sie verstößt, bald darauf sterben muß. Auf die Anwendung dieses Elements in seiner Erzählung hat sich Fouqué ausdrücklich berufen. Übrigens ist es für die Vertragsbindung (die nicht unbedingt in einer Ehe bestehen muß) zwischen Mensch und Elementarwesen charakteristisch, daß sie den Tod nicht nur vorzeitig herbeiführen kann, sondern in diesem Fall auch über ihn hinaus weiterwirkt.

Doch kehren wir zur Frage der Erkennbarkeit von Geisterfrauen zurück. Warum sind Elementarwesen halb tier-, halb menschengestaltig? Und warum haben etwa die Nixen oft Fischschwänze, aber stets menschliche Oberkörper, und nicht umgekehrt? Letzteres ließe sich damit erklären, daß mit wandelnden Fischköpfen schlecht zu reden ist und sie auch nicht gerade anziehend auf uns wirken. Aber es gibt noch einen tieferen Grund.

Im südlichen Benin (Westafrika, Voodoo-Gebiet) wurde mir von der Madame Sabot erzählt. Das französische Wort sabot bedeutet u.a. (Tier-)Huf, aber, in der Redewendung "faire quelque chose comme un sabot", auch soviel wie "pfuschen, schludern, stümpern". Daher auch "Sabotage" für eine Pfuscharbeit. Dies zusammengenommen beschreibt das Wesen der "Madame Sabot" sehr gut.

Sie begegnet einem nachts als schöne und begehrliche Frau. Allerdings begehrt sie keine Ehe, sondern Sex; und dies auch nur bis Mitternacht, denn danach verschwindet sie. Hat man den Verdacht, daß es sich um eine "Madame Sabot" handelt, dann soll man auf ihre Füße achten. Macht sie Anstalten, ihre Füße dem direkten Blick zu entziehen, etwa, indem sie auf der Straße dicht am Bordstein wandelt, dann hat sie sich fast schon verraten; ansonsten tut es oft ein Leichengeruch, den sie trotz ihres Parfüms nicht immer verdecken kann.

Was hat sie zu verstecken? Einen Kuhfuß! Ja, warum denn hat die Schlampe das Pfuschwerk von einem Fuß? Von verschiedenen Bekannten bekam ich die gleichlautende Erklärung: Es handle sich bei der "Madame Sabot" um eine Sammelbezeichnung für junge Frauen, die durch einen Unfall vorzeitig aus dem Leben gerissen wurden. Damit können die Entkörperten sich nicht abfinden. Nun aber ist die Verbindung zwischen Lebenden und Toten in Afrika ohnehin eine sehr viel engere ist als bei uns. Die Verkörperten weben und schweben immer ein wenig auch im Elementarreich (anderer Ausdruck: Mondsphäre), daher die große Verbreitung der Magie; und die Entkörperten finden oft schon in der zweiten Generation ins Diesseits zurück. Hinzu kommt, daß früh Verstorbene meist noch viel unverbrauchte Lebenskraft haben. Zu bestimmten Zeiten gelingt ihnen daher eine wenigstens teilweise Materialisierung. Unterstützt, eventuell vervollkommnet kann sie werden durch die Säfte der Lebenden, also durch Blut oder Samenflüssigkeit.

Eine Antwort auf die Frage, warum die Materialisierung an den Extremitäten, vor Allem an den Füßen, am wenigsten leicht gelingt, ergibt sich meines Erachtens aus der Betrachtung des umgekehrten Vorganges, nämlich des Absterbens des Körpers durch Alter oder bestimmte Krankheiten. Bekannt ist die Gangrän bei Diabetikern, die immer mit den Füßen beginnt, sodaß zunächst ein Fuß entfernt werden muß, dann oft auch der andere, und von da an aufsteigend. Das Sterben, die Entkörperung, schreitet also fort von der Peripherie zum Zentrum.

Die Materialisierung der "Untoten" ist der Versuch der Umkehrung, welcher durch eine Art Parasitismus an Menschen periodisch gelingt, aber selten wohl in vollkommener Art. Jedenfalls scheint dies eine der Ursachen sowohl von Vampyrismus als auch der auszehrenden sexuellen Verbindung zu sein. Wie mir gesagt wurde, sind es oft weiße Touristen, die auf die "Madame Sabot" hereinfallen, weil sie das Phänomen nicht kennen oder nicht anerkennen. Den Einheimischen erfaßt grundsätzlich Todesangst. Er sei noch niemals in seinem Leben so schnell vor etwas davongerannt, erzählte mir ein Bekannter über seine erste Begegnung mit einer Untoten.

Bei Elementarwesen, die sich bewußt den Menschen nähern, handelt es sich freilich um andere Motive, so etwa um die Gewinnung einer eigenen Seele. Aber die Materialisierung scheint ihnen ebenfalls Schwierigkeiten zu bereiten. Melusine etwa, eine andere bekannte Wasserfrau, muß sich jeden Samstag zurückziehen, um unerkannt einen Fischschwanz anzunehmen und in einem Bottich unbesehen zu baden. Lange kann sie ihr Geheimnis aber nicht wahren, und das Unglück beginnt. Der Undine gelingt zwar (als einziger?) die von Kindheit auf vollständige und dauerhafte Materialisierung, aber auch sie bleibt dem Elementarreich immer noch soweit verhaftet, daß sie in dieses infolge menschlicher Untreue (und unterstützt durch ihren Oheim) zurückgetrieben wird und den Menschen mit sich zieht.

Männer, ich kann euch nur bitten: Paßt besser auf!


MannPassAuf! Wider die Greuel
von Matriarchat und Gynokratie.