MannPassAuf! Wider die Gräuel
von Matriarchat und Gynokratie.

Feminismus in der anthroposophischen Bewegung. Dagmar Müller.   (1-1-2012)

1. Anthroposophie und Totalitarismus: Verfolgte und Irrende.

Daß wohlverstandene Anthroposophie mit totalitären Systemen unvereinbar ist, muß wohl nicht erst erläutert werden. Dennoch hat es unter Anthroposophen nicht nur Opfer gegeben, sondern auch Menschen, welche das jeweilige System nicht durchschauten. Für den Kommunismus hat dies der russisch-gebürtige Anthroposoph V.Tomberg beschrieben wie folgt:

Ich kann Ihnen ein erschütterndes Beispiel anführen. Als der Bolschewismus in Rußland ausbrach, da waren in Rußland recht viele Anthroposophen, unter ihnen auch einige führende Persönlichkeiten, der Meinung, mit dem Bolschewismus in Rußland breche trotz seiner ungeschickten und unersprießlichen Formen die sechste Kultur an. Da kam ein mit Bleistift geschriebener Zettel nach Moskau, auf dem geschrieben stand:

"Rudolf Steiner sagt, Lenin und Trotzki sind Feinde der Menschheit."

Danach erfolgte innerhalb von 24 Stunden ein Umschwung in der Gesinnung jener Anthroposophen. Es ist etwas Erschütterndes, wie es um die Erkenntnis bestellt war, die doch selbständig hätte gewonnen werden sollen. (Sieben Vorträge über die innere Entwicklung des Menschen, 1938, 1993², S.144)

Zur Zeit des Nationalsozialismus hat es unter Anthroposophen außer Verfolgten ebenfalls auch Persönlichkeiten gegeben, welche durch ihr Verhalten in die Kritik geraten sind. Hierüber gibt es bereits eine Reihe von Veröffentlichungen.

In vorliegender Betrachtung geht es mir um das Verhältnis von Anthroposophen zum Feminismus. Der feministische Klassenkampf richtet sich nicht gegen die "Bourgoisie" oder das "Weltjudentum", sondern gegen das "Patriarchat"; Ziel ist die Diktatur des Feminats. Im Parteiprogramm der Volkspartei SPD finden wir das so formuliert: "Wer die menschliche Gesellschaft will, muß die männliche überwinden." Aber schon lange vorher begann der feministisch orientierte Umbau der Gesellschaft, individuell am fühlbarsten wohl im Familien-, und dort besonders im Scheidungsrecht. Familienoberhaupt ist heute faktisch die Mutter.

Entsprechend dem Grundsatz, daß die Evolution der Menschheit in ihrer zunehmenden Individualisierung besteht, so daß urprünglich Äußeres in das menschliche Innere hineingenommen wird, hat der Feminismus auch die Praxis die Massenvernichtung individualisiert. Bestand diese unter Lenin in Erschießungen unter freiem Himmel, unter Hitler in Tötungen innerhalb geschlossener Räume, so wird sie unter der durch Schwarzer angeregten "Abtreibungs"praxis im Innern von Frauenleibern vollzogen.

Damit ist die Praxis der Massenvernichtung menschlichen Lebens dermaßen individualisiert worden, daß sie umgeschlagen ist in Kollektivierung. Eine Identifizierung der zahllosen Täterinnen - rechtlich bestehen sie zu 100 % aus Frauen - ist daher kaum mehr möglich und wohl auch nicht mehr sinnvoll. Jedenfalls ist es sehr viel zutreffender, von einem Tätergeschlecht (und zwar dem weiblichen) zu reden als von einem Tätervolk. Denn der Prozentsatz derjenigen Deutschen, die unter Hitler eine Vernichtung "lebensunwerter" Menschen beantragt haben oder an ihr aktiv beteiligt waren, ist äußert gering verglichen mit den Frauen, die seit Einführung der Straflosigkeit werdendes Menschenleben töten ließen und töten lassen.

Nun scheint es, daß (geborene) Anthroposophen nicht zu den Verfolgten des systematischen Feminismus gehören, obwohl zumindest die Ernsthaften unter ihnen allesamt Gegner der pränatalen Tötungspraxis sein dürften. In der Tat wurde auch hier der Klassenkampf "verinnerlicht".

Merkwürdigerweise war es Rudolf Steiner selbst, der den Vorstand der von ihm gegründeten "Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft" (AAG) geschlechtlich paritätisch besetzen ließ. Ob dem die Absicht einer Frauenquote zugrundelag oder ob es die tatsächliche Ressourcenlage spiegelte, das weiß ich nicht. In der Folge entstand jedenfalls ein verheerender Zickenkrieg, der in den dreißiger Jahren vorübergehend die ganze Bewegung lähmte. Denn Steiners Gattin, Marie Steiner, war eifersüchtig auf Ita Wegman, einer Ärztin, welche sich um Steiner während seiner Krankheit gekümmert hatte, und mit der er sich auch karmisch tief verbunden sah. Beide Frauen aber gehörten dem Vorstand an.

Marie Steiner war es auch, die durch ihr Verhalten Valentin Tomberg, den einzigen mit Steiner kongenialen Anthroposophen, aus der Anthroposophischen Gesellschaft vergrault (und in die Arme der Katholischen Kirche getrieben) hat. Dies ist anhand von später veröffentlichten Briefen einwandfrei belegt und als eine besondere Tragik innerhalb der anthroposophischen Bewegung zu werten. Da auch diese Vorgänge gründlich dokumentiert worden sind, sollen sie hier nicht weiter zur Sprache gekommen.

Im Folgenden will ich mich mit dem Buch einer Autorin auseinandersetzen, welche die Anthroposophie, insbesondere Rudolf Steiner, für die (radikal-)feministische Ideologie zu vereinnahmen versucht hat. Genauer: Für die Ideologie einer Feministin, welche es später als eine gute Idee ansah, den Anteil der Männer auf 10 % innerhalb der "menschlichen Rasse" zu reduzieren.

2. Dagmar Müller: Verteufelung des Mannes, anthroposophisch begründet.

In ihrem Buch Das Eigene der Frauen - Feminismus und Anthroposophie im Gespräch (1991) setzt die Autorin Rudolf Steiner und Mary Daly in Parallele und zitiert beide ausgiebig, um ihre Auffassung zu belegen, daß beide Denkrichtungen kompatibel seien und einander befruchten könnten.

Dabei gebraucht sie Steiners Begriff "Ahriman" - Synonym: Satan -, um mit ihm "die Männer-Kultur" oder "das Patriarchat" zu charakterisieren.

Mary Daly (1928-2010) war Theologin an einer katholischen Fakultät in den USA und ihrem Selbstverständnis nach Radikalfeministin. Etwa ein Jahr vor ihrem Tod befürwortete sie in einem Interview (Übersetzung hier) die Entseuchung ("decontamination") der Erde von Männern. Denn diese hätten eine "Phallokratie" errichtet; ihr ganzes Trachten und Treiben sei geleitet von Nekrophilie (triebhafte Lust in Verbindung mit dem/den Toten); für alles Schlimme seien allein sie verantwortlich. - Daly entwickelte eine religiöse, antichristliche Weltanschauung, in der die Männer das Böse und die Frauen das Gute verkörpern.

Rudolf Steiner (1861-1925), promovierter Naturwissenschaftler, begründete die Anthroposophie als ein spirituell vertieftes Christentum, zugleich als Methode zur Gewinnung übersinnlicher Erkenntnisse. Er beschrieb so detailliert wie niemand vor ihm und nach ihm die höheren Welten, insbesondere die Engel-Hierarchien, wobei er insbesondere den Aspekt ihrer Evolution beleuchtete. Demnach sind die höheren Wesen in ständiger Entwicklung begriffen, haben ihre Aufgaben, Ziele und individuellen Werdegänge - wobei es unter ihnen auch solche gibt, die mehr oder minder außerhalb der regulären Ordnung stehen und verantwortlich sind für das Drama, dessen irdische Offenbarungen wir erfahren.

Dagmar Müller sieht folgende Gemeinsamkeiten:

Er [der Feminismus] teilt damit das Problem offener Bewegungen - als die ich auch die Anthroposophie verstehe: Gesehen werden häufig nur die Außenseite, die Projekte, die Einrichtungen, einzelne Personen. In den Medien wird ein falsches Bild aufgebaut, und die Auseinandersetzung in der Öffentlichkeit findet dann zumeist eher mit diesem Bild statt als mit dem eigentlichen Kern der Sache. Anthroposophie und Feminismus stehen hier vor einer sehr ähnlichen Situation. Sie haben etwas in die Welt zu tragen, was die ganze Menschheit angeht, etwas Lebensnotwendiges, aber ihre wesentlichen Inhalte sind nicht in einfacher, lapidarer Sprache zu vermitteln, sondern das Verstehen erfordert ein Sich-Einlassen, eine Denkanstrengung, der im Allgemeinen das Bequeme, das unmittelbar Eingängige vorgezogen wird. (S.4)

Das verspricht spannend zu werden. Der anthroposophisch Vorgebildete wird allerdings schon angesichts des Buchtitels aufgehorcht haben, da von dem "Eigenen" der Frauen die Rede ist. Der Wille zum Eigensein ist nämlich genau das, was die eine der beiden hauptsächlichen Widersachermächte, Luzifer, auszeichnet und ihn zum Christus-Gegner machte. Dies soll weiter unter erläutert werden.

Und um das Ergebnis dieser Untersuchung gleich vorwegzunehmen: Mögen auch Steiner und Daly einen wichtigen Aspekt unserer heutigen Welt - Papst Benedikt XVI. hat ihn bezeichnet als "Kultur des Todes" -, gleichermaßen erhellend beschrieben haben, so sind doch Anthroposophie und Feminismus in ihren jeweiligen Zielen absolut unvereinbar.

Mehr noch: Meiner Meinung nach bietet gerade die Anthroposophie sowohl mit ihrer Methode als auch mit ihren veröffentlichten Inhalten die besten überhaupt verfügbaren Mittel, um zu zeigen, daß der Feminismus genau das Gegenteil von etwas "Lebensnotwendigem", vielmehr eine Metamorphose und Steigerung bisheriger totalitärer Denk- und Staats-Systeme darstellt. Insofern scheint mir, daß die Autorin Steiner in entscheidenden Punkten mißverstanden, ja mißbräuchlich vereinnahmt hat. Ihre Auswahl an zitierter anthroposophischer Literatur ist schlichtweg ergebnisorientiert.

Für den anthroposophisch nicht Vorgebildeten ist das natürlich nicht ohne weiteres durchsichtig. Doch ich denke, daß einige wenige Erläuterungen ausreichen dürften, um ein Verständnis zu ermöglichen. Zunächst aber seien einige Anmerkungen zu denjenigen Mitteilungen Dagmar Müllers und Rudolf Steiners gegeben, deren Verständnis kein Fachwissen erfordert. Diese finden sich im ersten der zwei Teile des Buches, der überschrieben ist: "Das Eigene suchen."

3. Zu Steiners pro-feministischen Äußerungen.

In diesem ersten Teil gelingt es der Autorin noch am relativ besten, Steiner als Gewährsmann für ihre Ansichten heranzuziehen. Das liegt daran, daß Steiner zumindest in seiner Frühzeit tatsächlich einige pro-feministische Aussagen gemacht hat. So etwa im vierzehnten Kapitel seines Grundlagenbuches Die Philosophie der Freiheit, das überschrieben ist "Individualität und Gattung":

Es ist unmöglich, einen Menschen ganz zu verstehen, wenn man seiner Beurteilung einen Gattungsbegriff zugrunde legt. Am hartnäckigsten im Beurteilen nach der Gattung ist man da, wo es sich um das Geschlecht des Menschen handelt. Der Mann sieht im Weibe, das Weib im Manne fast immer zuviel von dem allgemeinen Charakter des anderen Geschlechtes und zu wenig von dem Individuellen.

Bis hierhin habe ich keine Einwände. Einleuchtend sind auch z.B. diese erklärenden Sätze:

Da, wo das Gebiet der Freiheit (des Denkens und Handelns) beginnt, hört das Bestimmen des Individuums nach Gesetzen der Gattung auf. Den begrifflichen Inhalt, den der Mensch durch das Denken mit der Wahrnehmung verbinden muß, um der vollen Wirklichkeit sich zu bemächtigen, kann niemand ein für allemal festsetzen und der Menschheit fertig hinterlassen. Das Individuum muß seine Begriffe durch eigene Intuition gewinnen. Wie der einzelne zu denken hat, läßt sich nicht aus irgendeinem Gattungsbegriff ableiten. Dafür ist einzig und allein das Individuum maßgebend. Ebensowenig ist aus allgemeinen Menschencharakteren zu bestimmen, welche konkreten Ziele das Individuum seinem Wollen vorsetzen will. Wer das einzelne Individuum verstehen will, muß bis in dessen besondere Wesenheit dringen, und nicht bei typischen Eigentümlichkeiten stehen bleiben.

Doch zurück zum zuerst zitierten Absatz. Denn hier werden Steiners Äußerungen problematisch, um nicht zu sagen widersprüchlich:

Die soziale Stellung der Frau ist zumeist deshalb eine so unwürdige, weil sie in vielen Punkten, wo sie es sein sollte, nicht bedingt ist durch die individuellen Eigentümlichkeiten der einzelnen Frauen, sondern durch die allgemeinen Vorstellungen, die man sich von der natürlichen Aufgabe und den Bedürfnissen des Weibes macht. Die Betätigung des Mannes im Leben richtet sich nach dessen individuellen Fähigkeiten und Neigungen, die des Weibes soll ausschließlich durch den Umstand bedingt sein, daß es eben Weib ist. Das Weib soll der Sklave des Gattungsmäßigen des Allgemein-Weiblichen sein. Solange von Männern darüber debattiert wird, ob die Frau "ihrer Naturanlage nach" zu diesem oder jenem Beruf tauge, solange kann die sogenannte Frauenfrage aus ihrem elementarsten Stadium nicht herauskommen. Was die Frau ihrer Natur nach wollen kann, das überlasse man der Frau zu beurteilen. Wenn es wahr ist, daß die Frauen nur zu dem Berufe taugen, der ihnen jetzt zukommt, dann werden sie aus sich selbst heraus kaum einen anderen erreichen. Sie müssen es aber selbst entscheiden können, was ihrer Natur gemäß ist. [Hervorhebung durch mich.]

Wer soll das nun sein, "die Frau", die über "ihre Natur" zu urteilen hat? Entweder ist das die Frau als Gattung. Oder es ist die Gattung einer kleinen, aber lautstarken und entwurzelten Minderheit, nämlich der Feministinnen. Doch das Frauenbild der Feministinnen deckt sich keineswegs mit dem Frauenbild, wie es die meisten Frauen von sich selbst haben. Dieses deckt sich vielmehr mit dem Frauenbild der meisten Männer. Es ist die Tragik aller Sozialisten, daß sie die zu Befreienden erst entmündigen und umerziehen müssen, um sie befreiungsfähig zu machen.

Und weiter: Was ist das, diese "Natur" von etwas? Das kann eigentlich nur ihr Gattungsmäßiges sein. Doch, erinnern wir uns: "Da, wo das Gebiet der Freiheit beginnt, hört das Bestimmen des Individuums nach Gesetzen der Gattung auf." Wenn es aber Männern versagt sein soll, eine "Gattung Frau" zu definieren, dann muß es Frauen bzw. Feministinnen auch versagt sein. Hier ist Steiner nicht konsequent. Einerseits verteidigt er die individuelle Frau gegen ihre Reduzierung auf das, was ihrer Gattung zugeschrieben wird. Anderseits begeht er diese Reduzierung selbst, indem er von ihrer Natur spricht. Bezeichnenderweise sagt er mehrmals "die Frau", wo es logischerweise heißen müßte: "eine Frau".

Erst recht anstößig ist der nun folgende Satz:

Wer eine Erschütterung unserer sozialen Zustände davon befürchtet, daß die Frauen nicht als Gattungsmenschen, sondern als Individuen genommen werden, dem muß entgegnet werden, daß soziale Zustände, innerhalb welcher die Hälfte der Menschheit ein menschenunwürdiges Dasein hat, eben der Verbesserung gar sehr bedürftig sind. [Hervorhebung durch mich.]

Die Hälfte der Menschheit, also die Gesamtheit der Frauen, soll ein menschenunwürdiges Dasein haben? Das wäre selbst dann nicht zu glauben, wenn man das Wort "Menschheit" durch "Menschen" ersetzt, welche in Steiners Umfeld, d.h. im Berlin von 1894 gelebt haben. Denn auch zahlreiche Männer lebten damals menschenunwürdig. Ja, es gilt sogar festzuhalten, daß gerade Männer immer schon Zustände des Elends kannten, von denen Frauen verschont blieben, etwa durch ihre Beteiligung an Kriegen. (Wobei es völlig falsch wäre, zu glauben, daß Frauen Kriege abgelehnt hätten.) Zudem wird Steiner gewußt haben, daß in ausgedehnten Teilen der Welt matrizentrische Gesellschaften bestehen, in denen Frauen ganz offensichtlich "ihrer Natur nach" leben.

Es handelt sich also - zum Allermindesten - um eine grobe Übertreibung. Offenbar ohne es zu merken, hat Steiner einfach eine feministische Propaganda-Phrase reproduziert. Hier scheint sich punktuell zu bewahrheiten, was Rosa Mayreder, eine mit Steiner zeitweilig befreundete Feministin, über diesen, allerdings wiederum übertreibend, in ihr Tagebuch schrieb:

Was er sagt, läßt sich in drei Kategorien fassen: geistreiche Aphorismen aus vielfältigem Wissen, leeres Gerede in vorrätigen Phrasen und unverständliche Andeutungen übersinnlicher Fähigkeiten aus einem Gebiete, in dem die Kontrolle des wissenschaftlichen Denkens, auf das er sich beruft, völlig versagt. [Zitiert nach D.Müller.]

Was weiterhin Rätsel aufgibt, sind zwei späte Steiner-Zitate von 1921, die Dagmar Müller aus einer - wie sie im Literaturverzeichnis vermerkt - noch nicht veröffentlichten Manuskriptvervielfältigung bringt. Gegenüber der Frauenrechtlerin Gabriele Reuter soll Steiner demnach gesagt haben:

...die Frau müsse gerade ihre Eigenart in die Bewegung hineintragen und nicht eigentlich sich hineinfinden in dasjenige, was schon gegeben ist durch die Kultur, die ja vor allem eine Männerkultur ist.

Der Autorin zufolge war dies Steiners eigene Auffassung. Aus dem Kontext läßt sich das allerdings nicht entscheiden. Weiter:

[...] Sie werden ja wohl alle die tiefe Enttäuschung erlebt haben, als die Frauen nun sogar in den deutschen Reichstag einzogen und absolut keine irgendwie geartete Änderung durch die Anteilnahme der Frau sich herausgestellt hat.

Auch hier handelte es sich, wenn wir Dagmar Müller glauben dürfen - nachprüfen können wir es ja nicht -, um Steiners eigene Auffassung, das heißt, er teilte die Enttäuschung, von der er berichtet. Was aber enttäuschte ihn? Daß Frauen als Individualitäten in Erscheinung traten anstatt als Vertreter einer Gattung - oder umgekehrt: daß sie eine von Männern praktizierte Zuschreibung eines Gattungsmäßigen nicht abschüttelten? Das Zitierte läßt eine eindeutige Interpretation nicht zu.

Wie dem nun sei, wer sich bis hierhin - zurecht oder zuunrecht - auf Steiner beruft, der tut es als "Steinerianer", nicht aber als Anwender anthroposophischer Forschungsmethoden. An dieser Stelle will ich auch einmal meiner Enttäuschung, ja Betrübnis Ausdruck verleihen, daß seit Steiners Wirken, d.h. seit etwa einem Jahrhundert, so wenig eigenständige geistige Forschung betrieben wurde, umso mehr aber Nachbeterei und Zitierwesen die anthroposophische Literatur bestimmt.


Nachtrag 9-11-2014:

Es handelt sich bei den zuletzt zitierten Passagen um Auszüge aus GA 343 (Priesterkurse II), 23. Vortrag.

Darin befürwortet Steiner zunächst die Teilnahme der Frau in allen Bereichen des öffentlichen Lebens. Er sagt an einer Stelle auch, daß mit Beginn der Bewußtseinsseele die "beiderseitigen Eigenschaften" von Mann und Frau "in ein einheitlich Konfiguriertes" hineinströmen würden.

Anderseits - und geradezu in Widerspruch hierzu - läßt er sich sehr ausführlich über Probleme aus, die in Zusammenhang mit der Einsetzung von weiblichen Priestern entstehen können. Diese hätten zwar eine größere spirituelle Beweglichkeit; vor Allem aber - und dies wird akzentuiert - fehlte es ihnen (noch?) an Willenskraft, Verantwortungsbewußtsein und - an Verschwiegenheit. "Das ist eben eine Erscheinung, die man hat erleben müssen und die sehr, sehr schwer ins Gewicht fällt." Auch unterliege die Frau hierbei viel leichter den Versuchungen der Eitelkeit und des Ehrgeizes.

Insgesamt gewinnt man den Eindruck, daß Steiner in weiblichen Priestern zwar eine Bereicherung, ganz klar aber auch ein Risiko sieht; wobei die positiven Bewertungen eher auf Theorie, die negativen dagegen auf Steiners praktischer Erfahrung beruhen.


4. "Patriarchat", "Sado-Welt" und Ahrimans Wirken.

Der zweite Teil des Buches, überschrieben "Der Dialog", ist der für unser Thema interessantere. Der erste Abschnitt lautet "Die Technik der Größten Lüge. Sadospiritualität und Ahrimans Wirken." Er beginnt mit einem Stimmungsbild Ahrimans, einem satanischen Wesen, dessen Bedeutung und Stellenwert im anthroposophischen Weltbild die Autorin dem unbelasteten Leser aber nicht erklärt. Vielmehr begnügt sie sich damit, dieses Wesen mit dem Mann als solchen in Verbindung zu bringen. Der Mann soll mit diesem Bild gleichsam erschlagen, ahrimanisiert oder "verteufelt" werden:

MANN repräsentiert das Patriarchat, das Mary Daly als Sado-Staat bezeichnet. Nicht an die innere Integrität des Menschen glauben, ihn mechanisieren wollen, rückt MANN in die Nähe Ahrimans. (S.76)

Einige Zeilen weiter unten ist aus Nähe Identität geworden:

Sich selbst befreien, das hieße, Ausbrechen aus MANN, sein Selbst befreien.

Man stelle sich vor, dies würde in gleicher Weise mit einem anderen Gattungswesen - etwa "dem Juden" oder "dem Neger" - geschehen. Das sähe dann so aus:

NEGER repräsentiert das Präkariat, das XX als Staat der Primitiven bezeichnet. [...] Sich selbst befreien, das hieße, Ausbrechen aus NEGER, sein Selbst befreien.

beziehungsweise:

JUDE repräsentiert das Syndikat, das XX als Staat der Schurken bezeichnet. [...] Sich selbst befreien, das hieße, Ausbrechen aus JUDE, sein Selbst befreien.

Man würde sich sagen müssen: Fürwahr "ein starkes Stück"! Otto Weininger, den Dagmar Müller als Negativbeispiel eines Frauen- und Judenhassers nimmt, hat es übrigens tatsächlich so ähnlich ausgedrückt - allerdings in einer viel vornehmeren, durchaus nicht zynischen Ausdrucksweise.

Ein ständiger Gebrauch wird gemacht von dem Wort Patriarchat. Was ist darunter zu verstehen? Folgende Deutungen bieten sich an:

1.) Die Gesamtheit aller lebenden Männer, oder "Mannheit";
2.) eine weltweite frauenfeindliche Verschwörung einflußreicher Männer;
3.) "das Eigene" der Männer, ihr gattungsmäßiges und kultur-prägendes Prinzip;
4.) eine destruktive Wirkkraft im Bewußtsein aller Menschen.

Zunächst scheint die letzte Deutung zuzutreffen:

Bei Mary Daly ist es das Patriarchat, das in uns, in unserem Bewußtsein, überwunden werden muß. (S.68)

Dagmar Müller identifiziert das Patriarchat sodann mit der Wirkwelt Ahrimans, wie aus folgenden Zeilen hervorgeht.

Das Patriarchat hinter sich zu lassen bedeutet also auch, eine Welt hinter sich zu lassen, in der es Erkenntnisgenzen gibt, in der die mechanistisch-materialistische Weltanschauung einen Teil der Wirklichkeit zur ganzen Wirklichkeit erklärt, so wie in der patriarchalen Welt die Wirklichkeit des Mannes die Wirklichkeit des Menschen repräsentiert. Dies scheint mir dieselbe Wirklichkeit zu sein, in der nach Steiner Ahriman seine Herrschaft ausübt. (S.69) [Hervorhebung durch mich.]

Nun ist ja die Charakteristik unserer gegenwärtigen Zivilisation als einer gesichtslosen, maschinen- und roboterhaften Welt, in welcher Mensch und Natur versachlicht und rücksichtlos vereinnahmt und ausgebeutet werden, prinzipiell korrekt. Dieser Sachverhalt ist aber schon lange vor Mary Daly und anderen Vertretern des Feminismus beschrieben und kritisiert worden.

So hat etwa Ludwig Klages dem "Geist als Widersacher der Seele" sein umfangreiches gleichnamiges Hauptwerk gewidmet (unter "Geist" versteht er das mechanisierende, seelentötende Prinzip). Es erschien in den Jahren 1929-1932. Heidegger hat sich bekanntlich ebenfalls mit der Technik sehr kritisch auseinandergesetzt. Ja, bereits Goethe hat angesichts der nahenden Maschinenwelt seine Beklemmung zum Ausdruck gebracht:

Das überhandnehmende Maschinenwesen quält und ängstigt mich, es wälzt sich heran wie ein Gewitter, langsam, langsam; aber es hat seine Richtung genommen, es wird kommen und treffen.

Neu an der feministischen Auslegung dieser "Maschinenwelt" - oder "Sadowelt" nach M. Daly - ist lediglich ihre Gleichsetzung mit dem "Patriarchat".

Muß daher die vierte Deutung die einzig zutreffende sein? Anders gefragt: Ist "Patriarchat" nur ein Bewußtseinszustand, der ganz unabhängig vom Geschlecht seines physischen Trägers existiert? - Dann wäre zu fragen, warum der Begriff "Patriarchat" überhaupt Verwendung findet. Es würde ja genügen, weiterhin nur von "Maschinenwelt", "das Böse", "Ahriman" u.dgl. zu reden.

Eine nähere Betrachtung zeigt: Alle vier Deutungen treffen hier zu.

Beachten wir ferner: Wenn die Überwindung des "Judentums in uns" zuletzt zum Versuch führte, die Judenheit auszurotten, so wie die Überwindung des "Primitiven in uns" schon lange vorher die Hemmschwelle zur Ausrottung indigener Völker gesenkt haben dürfte, so muß die Überwindung des "Patriarchats in uns", wie Mary Daly und Dagmar Müller sie fordern, Tendenzen zur Ausrottung der Mannheit hervortreiben. Das ist auch geschehen, zunächst durch V.Solanas (siehe ihr SCUM-Manifest, 1971), dann durch S.M.Gearhart (1982).

M.Daly hat sich für diese "Endlösung" 1999 ebenfalls ausgesprochen. Das war zwar nach Erscheinen des hier zu rezensierenden Buches. Dagmar Müller konnte es also noch nicht wissen. Doch daß es dazu kam, liegt in der Logik ahrimanischen Wirkens. Und diese ahrimanische Logik ging von Frauen aus. Doch wie geht das, wenn ahrimanisches Denken und Wirken gleichgesetzt wird mit dem männlichen? Wir sehen uns also mit Widersprüchen konfrontiert!

5. Exkurs: Notwendige Erläuterungen zu "Luzifer" und "Ahriman".

Versuchen wir jetzt einmal, den Begriff Ahriman zu klären. Dazu ist es allerdings auch notwendig, seinen Wegbereiter, Luzifer, zu beschreiben. Es gehört zu den bedauerlichen Defiziten kirchlicher Unterweisung, daß sie die Widersachermächte Gottes im Kampf um den Menschen nicht unterscheidet - und dies, obwohl das Alte wie auch das Neue Testament genügend Beschreibungen enthalten von zumindest zwei verschiedenen derartiger Wesen, mancherorts auch von drei oder vier (wie im Buch Daniel, siebtes Kapitel). Von Bedeutung sind gegenwärtig aber nur zwei, wenn man von einer Mischform dieser beiden absieht. Rudolf Steiner hat sie erstmalig in moderner Sprache beschrieben und ihre Stellung im Kosmos, ihre Herkunft und Zukunft, erläutert.

Luzifer

Luzifer, zu deutsch: Lichtbringer, anderer Name: Diabolos, ist von diesen beiden der (relativ!) harmlosere. Im Buch Salomo wird er als ein Wesen von außerordentlicher Schönheit beschrieben (vgl. die Darstellung nach Steiner, rechts). Sein Problem: Er war verliebt in sich selbst - in "sein Eigenes", um den Titelbegriff im Buch unserer Autorin zu gebrauchen - und wurde irgendwann aufsässig. In der Folge wurde er gestürzt. Seine Stelle als Bewacher des Paradiesgartens wird seitdem von Michael eingenommen.

Genau genommen handelt es sich aber nicht nur um ein bestimmtes Wesen, sondern um eine ganze Schar aus verschiedenen hierarchischen Ebenen, die sozusagen als seine Anhänger fungieren. Und wir müssen noch genauer sein: Er selbst, als ehemaliger Bruder Christi (bitte den göttlichen Christus nicht verwechseln mit dem Menschen Jesus: die beiden vereinten sich erst mit der Taufe durch Johannes!) wurde durch die Kreuzigung und Auferstehung gleichsam bekehrt. Im Pfingstereignis übernahm er die Funktion des Parakleten.

Diese Bekehrung galt aber keineswegs für alle luziferischen Geister. Die nicht Bekehrten unter ihnen wirken u.a. als Doppelgänger im menschlichen Astralleib, wo sie sich durch bestimmte Charakter-Eigentümlichkeiten bemerkbar machen. Menschen, die stark durch ihren luziferischen Doppelgänger bestimmt werden, zeichnen sich - auf niederem Niveau - aus durch Egoismus, Stolz und Selbstverliebtheit; auf höherem Niveau durch ein anziehendes, faszinierendes, gleichwohl problematisches Wesen (häufig bei Schauspielern und Künstlern); auf noch höherem Niveau gelegentlich auch durch einen sublimen, erst auf den zweiten Blick erkennbaren geistigen Egoismus. Diesen findet man z.B. bei Esoterikern, die sehr gebildet sein können und vornehm auftreten, aber mit feiner Verachtung auf die weniger Entwickelten herabblicken. Ihre Geistwelten sind luziferische Scheinwelten, subjektiv sehr befriedigend, aber nur vermeintlich "erhebend".

Dadurch, daß der luziferische Engel im Astralleib wirken muß, wo er sich anheftet - der "normale" Engel des Menschen wirkt freilassend von oben her in dessen Ich hinein - verursacht er Illusionen. Dies geschieht dadurch, daß die Inspirationen des luziferischen Engels ohne Korrektur durch das Ich in den Ätherleib hinabströmen, wo sie sich spiegeln und insofern eine Art Gegenwelt erzeugen. Auf diese Weise entsteht um den Ätherleib herum ein Gürtel falscher Imaginationen. Dieser Lügengürtel ist geistig nicht lichtdurchlässig, so daß sich im Ätherleib des Menschen dann der ahrimanische Doppelgänger einnisten kann. Von ihm wird gleich noch die Rede sein.

Man kann seinen luziferischen Doppelgänger als solchen erkennen, verwandeln und letztlich befreien. Dazu bedarf es der Selbsterkenntnis, der Reue und der Buße, so wie ein Christ sie ohnehin praktizieren sollte. Auch Luzifer selbst hat, wie schon erwähnt, bereut und wartet auf Gelegenheit zur Buße. Die Bereitschaft zum Märtyrertum der ersten nachchristlichen Jahrhunderte geht auf Inspirationen des gewandelten Luzifer zurück.

Außerhalb des Menschen, d.h. in der Natur und im Kosmos, wirken luziferische Geister ebenfalls. Unter Anderem sind sie Erzeuger des physischen Sonnenlichts, das aber für die reguläre geistige Welt undurchlässig ist. Aus diesem Grunde haben die Eingeweihten der antiken Mysterien die eigentliche, d.h. die Geist-Sonne um Mitternacht geschaut.

Ahriman/La Stryge

Ahriman - das Wort ist altpersischen Ursprungs, ein anderer Name ist Satan(as) - ist dem Luzifer in vielerlei Hinsicht entgegengesetzt. Ahriman ist ausgestattet mit einer weit übermenschlichen berechnenden Intelligenz und einem ebenso übermenschlichen, maschinenhaften Willen; jedoch ohne jedes Gefühl, also auch ohne Eitelkeit. Oft verbirgt er sich hinter anonymen Institutionen der Bürokratie. Als Imagination ist er nicht gerade verführerisch; siehe die rechts abgebildete Figur auf der Kathredale Notre Dame in Paris. Valentin Tomberg äußert sich dazu wie folgt:

In dieser Gestalt kommt eine unendliche, unergründliche, kosmische Langeweile zum Vorschein. Das ist eigentlich das Geheimnis des Ahriman: er weiß, was alles sein wird, auch mit ihm, auch daß sein Untergang beschlossen ist, und daß er doch fortwirken muß, wie er gewirkt hat [...]. Das Erstarren, das von ihm ausgeht in der Welt, ist innerlich die Kraft des unendlichen Überdrusses, der unendlichen Langeweile. Sie ruft Furcht im Menschen hervor, sie selbst ist aber nicht Furcht. (Aus: "Sieben Vorträge über die innere Entwicklung des Menschen", 1993, S. 105.)

Ahriman ist älter und mächtiger als Luzifer. Er kommt aus einem fremden Weltsystem, das geistig zu durchdringen auch den höchsten hellsehenden Fähigkeiten zur Zeit nicht möglich ist. Ohne die verfinsternde Wirkung Luzifers (der gleichsam von gestohlenem Lichte lebt) hätte er hier auch gar keinen Ort, wo er sich entfalten könnte. So aber schafft er, auf luziferischer Grundlage, einen ahrimanischen Lügengürtel um die Erde herum, die sogenannte "achte Sphäre" oder den ahrimanischen Doppelgänger der Erde, wodurch die Ahrimanisierung des irdischen Lebens oder - mit den Worten Mary Dalys - die "Sado-Welt" ermöglicht wird. Durch Ahriman wird subjektive Unwahrheit zur objektiven Lüge.

Ahrimanische Geister wirken als Doppelgänger auch im Menschen, aber nicht in dessem Astralleib, sondern in seinem Äther- oder Lebensleib; und zwar genau in denjenigen Partien, die zuvor durch seinen luziferischen "Kollegen" verdunkelt wurden. Menschen, in denen der ahrimanische Doppelgänger stark zur Geltung kommt, fallen auf durch kalt berechnende Intelligenz und durch unermüdliche Arbeitskraft, welche sie zu außerordentlichen Leistungen befähigen kann. Sie sind Materialisten. Religiösen Fragen begegnen sie oft mit schroffer Ablehnung oder auch mit Zynismus, bestenfalls mit kühler Objektivität, ohne innere Beteiligung. Damit reagieren sie auf eine verborgene Angst.

Auch der ahrimanische Doppelgänger kann erkannt, nicht jedoch verwandelt, auch nicht bekämpft werden. Dennoch ist es möglich, sich von ihm zu befreien. Das geschieht ausschließlich über ein starkes Ich durch gründliche, furchtlose Erkenntnis und völlige Kompromißlosigkeit in der Zurückweisung. Ahriman wirkt lähmend durch Angst und Entmutigung, sowie in der Folge durch Bewußtseins-Schlaf. Es gilt, ihn furchtlos ins Licht zu stellen. Er flieht das Licht.

Es sei abschließend hierzu vermerkt, daß Ahriman durch Christus zwar nicht endgültig überwunden, aber gewissermaßen seine Verfallsmarke erhalten hat. Dies geschah nicht in einem Kampf, sondern in einer Art Auflichtung seines Reiches, nämlich durch die sogenannte Höllenfahrt Christi. Da die Vorgänge sehr kompliziert sind und ihre Darstellung hier nicht benötigt wird, sei auf die Beschreibungen insbesondere bei Tomberg verwiesen.

6. "Reine Lust" - Weg zur Befreiung oder Ausdruck luziferischer Besessenheit?

Das zweite Kapitel des zweiten Teils ist überschrieben: "Die Labrys der Frauen und Michaels Schwert. Reine Lust und Michaelkultur." ("Labrys" bezeichnet eine Doppelaxt.) Die Autorin zitiert Daly wie folgt:

Reine Lust be-Zeichnet also vor allem Hochstimmung, Hoffnung und kosmische Übereinstimmung/Harmonie jener Frauen, die wir die Flucht gewählt haben, die wir dem tiefsten Drang unserer Herzen gefolgt und aus dem Zustand der Gefangenschaft ausgebrochen sind, wanderlüstern und wunderlüstern mit den Elementen, verbunden mit den Auren von Tieren und Pflanzen, uns in planetarischer Gemeinsamkeit mit den fernsten Sternen bewegend. Diese Lust ist in ihrem tiefsten Grunde astral. Sie ist reine Leidenschaft: unverfälschtes, absolutes, einfach reines Streben nach der Fülle des Sei-ens. Sie ist unbegrenztes, unbegrenzendes Begehren/Feuer. [...] (S.93) [Hervorhebungen durch mich.]

Diesem Zitat vorangestellt ist ein solches von Steiner, offenbar, um eine Parallele herzustellen. Ich gebe auch dieses wieder:

Das ist dasjenige, was man die Michael-Kultur nennen kann. Wenn wir durch die Welt schreiten in dem Bewußtsein, mit jedem Blick, mit jedem Ton, den wir hören, strömt Geistiges, Seelisches wenigstens in uns ein, und zu gleicher Zeit strömen wir in die Welt Seelisches hinaus, dann, dann haben wir das Bewußtsein errungen, das die Menschheit für die Zukunft braucht. (S.93) [Hervorhebung durch mich.]

Es ist mir schwer verständlich, wie man diese beiden Texte in der Meinung zitieren kann, daß sie sich stützen. Denn der Erzengel Michael - er fungiert als Verwalter der kosmischen Intelligenz - wurde durch Steiner beschrieben als ein sehr ernstes, schweigsames Wesen, das auf unsere Initiative wartet. Ihn in die gedankliche Nähe von "reiner Lust" zu rücken, erscheint mir geradezu obszön.

Ferner verlangt der Erkenntnisweg nach anthroposophischer Methode eine ausgesprochen mühe- und entsagungsvolle Arbeit, eine wahre Askese. Lustgefühle (selbstverständlich der geistigen Art) können zwar unterwegs auftreten, müssen aber, wenn man weiterkommen will, dann auch wieder unterdrückt werden. Das erzeugt seelischen Schmerz. Und gerade hierin besteht die eigentliche Übung!

Mit Hochstimmung, Flucht, Lüsternheit, schwelgerischer Entgrenzung usw. ist da nichts. Genau diese Zustände aber preisen Daly und Dagmar Müller als solche, welche uns aus der ahrimanischen "Sadowelt" herausführen sollen.

In Wirklichkeit führen sie uns genau da hinein. Warum? Grob gesagt: Wer ohne Mühe den Himmel erstürmen will, fällt in die Hölle. Dem luziferischen Höhenflug folgt der ahrimanische Absturz. Das gilt im großen (kosmischen) wie auch im kleinen Stil. Äußerlich erscheint das oft als der Absturz eines Menschen. Für den trivialsten Fall hat es Wilhelm Busch in diese Worte gefaßt:

So geht es mit Tabak und Rum: Erst bist du froh, dann fällst du um. (Aus "Vierhändig".)

In größerem Zeitmaß gilt das natürlich umso mehr, wie man an den Krankheits- und Todesfolgen gewohnheitsmäßiger Laster (nicht nur des Alkohols) ersehen kann.

Allgemeiner beschreibt V.Tomberg das wie folgt:

Es gehört zu den erschütterndsten Beobachtungen, die man im Leben haben kann - der Vorgang der Ahrimanisierung von Persönlichkeiten, die ihrer luziferischen Veranlagung eine längere Spanne Zeit gefrönt haben. Da geschieht eine geheime Verwandlung des luziferischen Seelenlebens in eine innere Technik, die Zielen dient, die mit den ursprünglichen Absichten der betreffenden Persönlichkeit nichts mehr zu tun haben.

Ist das nicht auch der Weg eigentlich aller Ideologen und Ideologien? Vergegenwärtigen wir uns den hohen Idealismus, den begeisterten und begeisternden Schwung, mit dem die Sozialisten jeglicher Couleur den "Neuen Menschen" schaffen (oder den Alten Menschen verbessern) wollten! Endete nicht der Höhenrausch fast immer in einer kalten, vernichtenden Bürokratie?

Das galt für den Kommunismus, sodann für den Nationalsozialismus; und alles spricht dafür, daß es auch für den Feminismus gilt. Denn das Karma des Feminismus ist der Genderismus; ist eine neue Bürokratie, nämlich die Gynokratie, "wo der Mensch zur Menschin wird" und natürlich die Frauenquote eingeführt wird - eine Regelung, die von Dagmar Müller - bezeichnenderweise! - gefürchtet und abgelehnt wird.

Es soll nicht verkannt werden, daß Mary Daly das Wesen Ahrimans sehr klar beschrieben hat. Ich möchte ihr zugestehen, daß ihr insofern eine Art von höherer Erkenntnisfähigkeit zur Verfügung stand. Doch diese ist ganz offensichtlich luziferisch inspiriert.

Wer Mary Daly liest, bekommt als Anthroposoph den Eindruck: Hier schreibt Luzifer. Um genau zu sein: Luzifer führt der Autorin die Feder. Und gerade daraus resultiert ihre Hellsichtigkeit für Ahrimans Wirken. Denn Luzifer fürchtet Ahriman auf den Tod, weil er voraussieht, daß er von diesem verschlungen werden wird. (Ahriman hat kein eigenes Seelenleben; er erlangt es, indem er Seelisches verschlingt.)

Vergleiche dazu V.Tomberg:

Der Haß des Luziferischen dem Ahrimanischen gegenüber ist im Wesentlichen der Haß der eigenen karmischen Zukunft gegenüber. Nun ist aber ein solcher Haß einer der stärksten Bande. [...] Auch auf Erden werden Menschen und Menschengruppen am meisten gehaßt, welche die karmische Zukunft des anderen veranschaulichen. (Anthroposophische Betrachtungen über das Neue Testament und die Apokalypse, S.217 f.)

Grotesk, ja bizarr wirkt es, wenn die Autorin dann auch noch Aristoteles ins Spiel bringt, einen Philosophen, der sich, anders als z.B. Platon, gerade durch Nüchternheit auszeichnete. Und immer wieder Steiner. Nun sind ja beider Werke dermaßen umfangreich, daß man fast jede Behauptung mit Zitaten daraus "belegen" kann, wenn man sie aus dem Kontext herausnimmt. So etwa:

Die Beschreibung des Zustandes Reiner Lust, den Mary Daly gibt, läßt an Rudolf Steiners Beschreibung des Lebenssinnes als Gefühl einer den Raum erfüllenden Existenz denken. (S.95)

Natürlich ist es nicht falsch, gedankliche Beziehungen herzustellen und Vergleiche zu ziehen, aber die Schlüsse, welche unsere Autorin daraus zieht, sind absurd - anders gesagt: typisch feministisch. Aus derartigen Schlüssen besteht aber fast das ganze Buch. Ich gebe abschließend noch ein krasses Beispiel:

Ein eigener Mensch werden ist denn auch der Titel eines bekannten Buches zur feministischen Theologie, und die Autorin, Elisabeth Moltmann-Wendel, faßte dieses "ein eigener Mensch werden", dieses Ganz- und Heilwerden, einmal in den Worten zusammen: "Ich bin gut. Ich bin ganz. Ich bin schön." Es ließe sich, denke ich, auch zusammenfassen in einem einfachen: "Ich bin." Den/die "Ich bin" in sich zu entdecken aber ist nach Steiner nichts anderes als die Verbindung mit dem Christus-Impuls. (S.149)

Man lasse sich das auf der Zunge zergehen: "Ich bin gut. Ich bin ganz. Ich bin schön." Es fehlt noch was: "Ich heiße Luzifer." Dann wäre es perfekt. Luzifer wäre ehrlich genug, sich so auszudrücken (er glaubt ja an sich selbst); Dagmar Müller ist es nicht. Sie schließt auf Christus! Abwegiger geht es nicht. Was hier abläuft, ist das äußerste Gegenteil eines "Ganz- und Heilwerdens". Wir werden Zeuge, wie Ahriman sich anschickt, einem luziferisch verblendetem Leib das Lügenkorsett anzulegen.

Vergleichen wir dazu eine Stelle aus dem Evangelium:

Als er seinen Weg weiterzog, überholte ihn einer in eiligem Lauf, kniete vor ihm nieder und fragte ihn: Guter Meister, was muß ich tun, um das zeitlose Leben zu erlangen? Jesus sprach zu ihm: Warum nennst du mich gut? Keiner ist gut außer dem einigen Gott. Markus 10, 17-18

Wir sehen: Jesus reagiert, wie es scheint, geradezu gereizt auf die Anrede "Guter Meister". Er weist den Bittsteller zurecht, um ihn dann - fast unnötigerweise - an die allgemein bekannten Gebote zu erinnern. Erst als der Petent nicht locker läßt, gibt er ihm eine individuelle Antwort. Und die lautet sinngemäß: "Du bist zwar - nach menschlichen Maßstäben - bereits perfekt (gut, ganz und schön), aber im Urteil meines Vaters reicht das immer noch nicht." Daher:

Gehe hin, verkaufe alles, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm, folge mir nach und nimm das Kreuz auf dich. Markus 10, 21

Dieses Sich-Entäußern, das Jesus fordert, muß aber nicht materieller Natur sein. Es ist ebenso "das Eigene" der Persönlichkeit gemeint, und dies erst recht, wenn es Anleihe macht bei einer Gattung, z.B. bei der Gattung Frau. Da ist Schluß mit lustig bzw. mit "Reiner Lust".

Eine Diskussion weiterer Inhalte aus obigem und den folgenden Abschnitten des Buches erscheint mir unergiebig. Die Gedanken Dalys bzw. Dagmar Müllers sind von denen Steiners im Grunde so weit entfernt, daß der jedesmalige Nachweis keine neuen Einsichten mehr verspricht. Es bleibt die Frage, wie das Lektorat eines anthroposophischen Verlages ein derartiges Manuskript zur Veröffentlichung freigeben konnte, m.a.W., warum ein geistiges Erwachen nicht wenigstens an einem solchen Orte stattfindet.

7. Die Stellung der Anthroposophie zur "Kultur des Todes".

Gemäß der anthroposophischen Lehre von den sieben nach-atlantischen Kultur-Epochen leben wir in der Epoche der "Bewußtseins-Seele", die im 15. nachchristlichen Jahrhundert begann und, wie die anderen, etwa 2100 Jahre währt. Auf diese bezieht sich auch das Sendschreiben an den Engel der Gemeinde zu Sardes in der Apokalypse des Johannes. Aufgabe des Menschen ist hier die Verinnerlichung und Wandlung des Todes, so wie er uns in der Erkaltung der Gedanken ("Verwissenschaftlichung") und Mechanisierung der Außenwelt ("Technisierung") gegenübertritt. Ziel ist die Erschließung einer spirituellen Kosmologie und Anthropologie - der "sieben Schöpfergeister" und der "sieben Sterne", apokalyptisch ausgedrückt.

Menschen können an dieser Aufgabe scheitern. Sie können, luziferisch inspiriert, sich für Auserwählte halten, die der Befreiung entgegensehen, während alle Anderen - natürlich selbstverschuldet und verdientermaßen - auf den Abgrund zusteuern. Oder umgekehrt: sie können, ahrimanisch besessen, am Materialismus und Hedonismus Gefallen finden. Die das für einen Irrtum halten, gelten dann als zu schwach, um "der Realität in die Augen zu sehen", und werden bekämpft.

Menschen können aber auch die "Kultur des Todes" als Chance sehen, in der Auseinandersetzung hiermit Kräfte der Auferstehung zu entwickeln, wie es nur in dieser Kultur-Epoche möglich ist. Das ist der christliche und anthroposophische Weg: dem Elend weder auszuweichen noch an ihm Gefallen zu finden, sondern sich ihm zu stellen und an den Zuständen so zu arbeiten, daß sie heilbringend gewandelt werden, wie auch die Bewußtseinsseele dann in die Gewissensseele gewandelt wird.

Wenn nun Feministinnen wie Mary Daly und Dagmar Müller darauf hinweisen, daß Männer - mehr als Frauen - "nekrophil" bzw. ahrimanisch geprägt sind, und zwar sowohl in ihrer Erscheinung als auch in ihrem Wirken, so sagen sie insofern durchaus die Wahrheit. Steiner selbst hat dies, ohne es zu werten, so gesagt, und es ist ja auch allzu offensichtlich. Ebenso sind übrigens Frauen luziferisch geprägt, wiederum sowohl in ihrer Erscheinung wie in ihrem Wirken.

Wenn aber dann nicht hinzugefügt wird, daß die jeweilige Prägung Voraussetzung dafür ist, daß die prägende Kraft innerhalb unserer Welt überwunden und ins Gute gewandelt wird, dann werden aus besagten Erkenntnissen bloße ideologische Waffen. Man kann nicht sinnvoll Ärzte und Soldaten als Mörder bezeichnen, weil sie mit Messern bzw. Verteidigungswaffen hantieren müssen. Man kann aus demselben Grunde auch nicht sinnvoll Kunstschaffende als Parasiten und Selbstdarsteller bezeichnen, weil sie keine Nutzgüter schaffen.

Der Feminismus begeht aber - einseitig bezogen auf seinen Klassenfeind - genau diesen Irrtum. Und darum sind Anthroposophie und Feminismus nicht vereinbar. Denn Anthroposophie ist spirituell vertieftes Christentum. Man frage sich: Warum hat Christus als Mann sich verkörpert und nicht als Frau? Die Antwort ist eigentlich klar: Nur als Mann konnte er gründlich genug Mensch werden, um die Widersacher zu überwinden. Die Gleichsetzung Mensch = Mann, welche wir von europäischen Sprachen kennen, spiegelt den wahren Sachverhalt.

Anthroposophie bietet aber auch die Grundlage zur Überwindung falscher Zuschreibungen. Sie eröffnet nämlich den Ausblick auf die Wiederverkörperung als Weg zum Ausgleich einseitiger Daseinsformen, auch was die geschlechtlichen Ausprägungen betrifft. Bezeichnenderweise besagt eine der Reinkarnations-Regeln (die als solche Ausnahmen zuläßt), daß wir abwechselnd als Mann und Frau zur Welt kommen.

In diesem Zusammenhang ist eine Bemerkung interessant, die Mary Daly in ihrem erwähnten Interview gemacht hat. Dort leitete sie, ziemlich am Anfang, einen Satz mit den Worten ein: "Vor tausend Jahren, als ich die übliche scholastische Philosophie studierte [...]" ("A thousand years ago, when I was studying standard scholastic philosophy"). Da sie nur als Mann studiert haben konnte, wird Daly folglich wohl auch anerkannt haben, daß der ewige Mensch nicht durch sein Geschlecht definiert wird. Nur zieht sie daraus offenbar nicht die Folgerung, die man als Anthroposoph daraus ziehen würde.

Diese Folgerung lautet in etwa so: "Wenn ich eine Daseinsform - Schichtzugehörigkeit, Rasse, Geschlecht - aus voller Überzeugung ideologisch bekämpfe, dann war ich selbst einmal in ihr verkörpert, ohne mein damaliges Wirken karmisch aufgelöst zu haben. Und sie wird, wenn ich die Auflösung jetzt nicht vollziehe, auch meine künftige Daseinsform sein."

8. Vom Wesen des Feminismus.

Ich sagte oben: Feminismus ist die Metamorphose und Steigerung von Kommunismus und Nationalsozialismus. Dagegen lehrt mich die Erfahrung, daß die meisten Menschen heute den Feminismus als eine zumindest historisch berechtigte, ja insofern notwendige Bewegung ansehen. Welche Konsequenzen ziehe ich aus diesem Widerspruch?

Zunächst muß ich daran erinnern, daß es zu jedem totalitären System zahlreiche Menschen gegeben hat, welche es gutgeheißen haben, und zwar nicht nur während seines Bestehens, sondern auch noch nach seiner Überwindung. Dazu zählen, so paradox es ist, auch sehr viele überlebende Opfer, ja sogar Opfer, die wußten, daß ihre Ermordung unmittelbar bevorstand und nicht mehr abzuwenden war. Sie sahen ihre Ermordung als Sühne und wohlverdiente Strafe für ihre Abirrung.

Entsprechend gibt es überzeugte (Radikal-)Feministen auch unter Männern, sogar unter solchen, welche durch unser gynokratisches System eingestandermaßen beruflich, wirtschaftlich und gesundheitlich ruiniert worden sind. Die Gleichgültigkeit oder Zustimmung meiner Zeitgenossen inbezug auf den Feminismus ist daher völlig ungeeignet, mich zu überzeugen.

Fragen wir uns einmal, was Ideologien überhaupt sind. Zumindest die sozialistischen unter ihnen sind Karikaturen der Heilsreligion. Sie tragen folglich die Züge der Widersacher Christi, und sie evoluieren auch entsprechend deren Dynamik. Am Anfang steht oft ein realer Sündenfall, sei es die einseitige Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft, sei es der Ausschluß begabter Frauen von Bildungswesen und politischer Mitbestimmung. (Im Nationalsozialismus war es eine gefühlte Bedrohung, teils paranoider Art im Vorwurf eines Weltjudentums, teils rational begründet im benachbarten Stalinismus.)

Nun aber gibt es Unterschiede, sich hierzu zu verhalten.

Diese Revanche besteht in schonungsloser Anklage gegen die jeweils herrschende Klasse, ihre "Demaskierung" und ihr Sturz. Das aber geht nur mit Hilfe einer zu befreienden Klasse, einem "auserwählten Volk" sozusagen, das seinerseits erst "überzeugt", richtiger: belogen werden muß. Wünsche nach einem Paradies auf Erden werden geweckt und Flammen der Empörung gegen diejenigen entfacht, welche der "Gerechtigkeit" im Wege stehen. Nicht mehr vom Liebesopfer ist nun die Rede, sondern vom Anspruchsopfer, das Forderungen stellt und dazu Schuldige benötigt.

Nun aber können Lügen nicht unbegrenzt aufrecht erhalten werden. Entweder sie werden aufgelöst, oder sie bekommen ein stützendes Korsett, welches sie gegen Widerspruch aufrechterhält und Widerstand in die Schranken weist. Das ist dann der Beitrag Ahrimans, der sich immer nur festsetzen kann, wo ihm durch Luzifer der Boden und Haftgrund bereitet worden ist. In der Folge haben wir einen Panzer der regulierenden Institutionen um uns herum, den politisch-medialen Komplex: Die Lüge hat sich verobjektiviert.

Es wäre nun zu fragen: Worin besteht der Fortschritt des Feminismus im Reigen der Ideologien und ihrer Verkörperungen, den totalitären Systemen? Ich antworte: Wenn der reguläre oder gottgewollte Fortschritt "nach oben" geht, d.h. hin zu Individualisierung, Selbstverantwortlichkeit und Fähigkeit zur Freiheit, dann müßte der widersacherische Fortschritt spiegelbildlich "nach unten" gehen, nämlich hin zu Kollektivierung, Verantwortungs-Delegation und Angst vor Freiheit. So geschieht es auch, und zwar stufenweise. Vergleichen wir:

Daraus folgt: "Das Eigene der Frauen", die bewußte Zugehörigkeit zur Klasse {Frau}, ist gleichbedeutend mit der (zur Zeit) größtmöglichen Entfernung von den Entwicklungszielen der Individualisierung, Selbstverantwortlichkeit und Fähigkeit zur Freiheit.

Wer etwas "als Frau" sagt oder tut, die tut es im Namen einer ungeheuren Kollektivmacht, welche nicht ohne Grund "Mutter Erde" genannt wird. Denn ihr entquellen die in Mesopotamien wurzelnden Mutter-Religionen, welche sich in Konkurrenz zum Gott des Auserwählten Volkes gesetzt haben. Sie waren es, gegen welche die Führer des wahren Auserwählten Volkes einen ständigen Kampf zu führen hatten. Heute treten sie hervor als Atavismen, als Gespenster der Vergangenheit.

Franziskaner-Mission thematisiert Frauen

Daß selbst die Volkskirchen an ihrer "Auferstehung" heute bewußt mitwirken, macht deren Antichristentum nur umso sichtbarer, und kann, weil aufklärend, insofen auch (!) positiv bewertet werden. Machen wir uns zur Regel: In den Muttergrund fällt man; zum väterlichen Weltengrund muß man sich erheben.

Vergleiche dazu auch das Themenheft der Franziskaner-Mission (Bild rechts), in welchem den Frauen dieser Welt die Rolle übertragen wird, die früher der "fortschrittlichen" Arbeiterklasse bzw. der arischen Rasse zugesprochen wurde: "Entwicklung ist weiblich". Eine der Autorinnen hat einer von ihr organisierten Ausstellung denn auch gleich den Titel "Gott weiblich" gegeben. Es ist Luzifer, der Gott der "Reinen Lust".


Gibt es noch eine weitere, vielleicht die letzte Steigerung auf dem Gegenweg der christlichen Auferstehung? Ich meine, ja. Sie wäre gegeben, wenn die Menschheit als Ganzes zur Disposition stünde. Es würden dann nicht mehr definierte Teile ihrer selbst ("Klassen") gegeneinander auftreten, sondern sie hätte gemeinsam anzutreten gegen einen Gegner, der von außerhalb - genauer: unterhalb - ihrer selbst in Erscheinung tritt. Dies wäre das Tier, wie es in der Apokalypse des Johannes beschrieben wird.

Dann würde Gynokratie abgelöst durch Theriokratie. Diese wird vorbereitet im Politischen Genderismus, der bereits begonnen hat, den Sexus zu individualisieren (jeder wählt sich sein eigenes Geschlecht) und zugleich zu kollektivieren (Sex wird öffentlich). War das Ziel bisher Verweiberung, so wird diese jetzt nach unten gesteigert bis hin zur Vertierung. Die Zerschlagung der Familie wird perfektioniert. Für Ausdrücke wie "Vater" und "Mutter" wurden bereits Verbotsanträge gestellt: Es handle sich um sexistische Zuschreibungen.

In diesem Sinne ist auch die Tierrechts-Bewegung zu verstehen, deren Ziele über den bloßen Tierschutz hinausgehen. Gefordert wird nämlich ein Verbot des "Speziesismus", d.h. der ontologischen Höherstellung des Menschen über das Tier. Natürlich wird im Grunde keine Gleichstellung angestrebt, sondern, ebenso wie im Feminismus, eine Kopfstellung. Das heißt in Konsequenz, daß die einstmals herrschende Klasse, hier: der Mensch, als solche verfolgt, versklavt und umerzogen werden wird, zum Ausgleich für die "Benachteiligung" der Tierheit in der Vergangenheit.

Darin steckt ein berechtigter Kern, denn der Mensch mußte die Wesen, welche heute als Tiere leben, einst hinabstoßen, um selber hinaufzusteigen. Hier aber werden die Tiere als angeblich zu befreiende Klasse nur vorgeschoben, also mißbraucht, um die despotische Herrschaft des obersten Tier"schützers" zu legitimieren. Das aber ist der Antichrist. Das "Teuflische" der sozialistischen Ideologien besteht immer in der Durchmischung von Wahrem und Unwahrem.

9. Fazit: "Ihr seid das Salz der Erde."

"Ihr seid das Salz der Erde" (Matth.5,13), und: "Ihr seid das Licht der Welt" (Matth.5,14), sagte Jesus zu den Angehörigen seines engsten Kreises. Heute sollten sich - nicht nur, aber auch - die Anthroposophen angesprochen fühlen.

Meines Wissens hat aber noch kein Anthroposoph seine Stimme gegen den Feminismus erhoben. Sollte ich diesbezüglich im Irrtum sein, so bitte ich, mich über das Engagement in Kenntnis zu setzen. Bedenken wir: Es war kein Kommunist und kein Nationalsozialist, sondern es waren Feministinnen, die sich - kalt und klar, nicht im Affekt - für eine physische "Entseuchung der Erde" ausgesprochen haben. Unter anderen war es Mary Daly. Und es war aus "unserem" Kreis heraus, daß aus freimütig bekannter feministischer Einstellung heraus versucht wurde, diese Feministin durch Parallelisierung mit Rudolf Steiner uns gleichsam schmackhaft zu machen. So, als sei ausgerechnet der Feminismus das Salz dieser Erde!

Doch das Salz dieser Erde, was ist damit gemeint? Hierzu V.Tomberg:

Es ist der innerlich von dem menschlichen Ich heraus mit Moralität durchdrungene Lebensäther.

[...] Dieser "moralische Äther", welcher durch die Durchdringung des menschlichen Willens der menschlichen Taten mit dem Christusimpuls entsteht, ist das "Salz der Erde", d.h. dasjenige, was das Moralische in der Natur, auf eine für die Natur Geltung habende Art, hineinfließen läßt.

Der "moralische Äther" hat die Bestimmung, ebenso das Organ der aufbauenden Wirkung des Guten in der Natur zu sein, wie das Salz in der menschlichen Organisation der normalerweise durch das Blut wirkenden aufbauenden Ich-Tätigkeit als Organ dienen kann. Durch Taten, welche moralisch-erwachten Willen zum Ausdruck bringen, werden Menschen mit Blitzen des moralischen Äthers das Naturgeschehen durchdringen lassen. Und die Wesen der Natur werden sich nach diesen Strömungen des moralischen Äthers richten; diese Strömungen werden das Gewissen der Natur darstellen. Da wird die Natur aus freier Neigung dem Menschen folgen - nicht als geknechtete Sklavin, sondern wie die Seele der Kundry, die dem Vertrauenswürdigen ihr Vertrauen nun entgegenbringen durfte. (Anthroposophische Betrachtungen über das Neue Testament und die Apokalypse, S.109) [Hervorhebungen im Original.]

Ich habe dieses längere Zitat gebracht, um zu zeigen, wie eine Befreiung der Natur von ahrimanischer bzw. "patriarchaler" Vergewaltigung vorgestellt werden kann, die sich nicht auf Luzifer, sondern auf Christus stützt. Luzifer, der durch Willen zum Eigensein Gestürzte, hat keine Eigenkraft; sie ist Illusion, "Reine Lust", parasitär bezogen aus dem Affekt der Auflehnung gegen eine herrschende Klasse, hier also dem "Patriarchat".

Was Mary Daly und, offenbar in völligem Einverständnis mit ihr, Dagmar Müller anstrebt, ist sozusagen, den Teufel (hier: Ahriman) mit Beelzebub (hier: Luzifer) auszutreiben. Das aber ist ein Ding der Unmöglichkeit, weil Ahriman der mächtigere von ihnen ist und die durch ihn geprägten Wesen den luziferischen Wesen, die sich dem Christus nicht anschließen, immer auf dem Fuße folgen.

Übrigens ist Dagmar Müller nicht die einzige Pro-Feministin unter den Anthroposophen. Birgit Grube-Kerstin hat einen ganzen Sammelband mit dem Titel "Geschlechterforschung als spirituelle Wissenschaft" herausgegeben, siehe meine Besprechung. Was darin ihren eigenen Beitrag betrifft, so handelt es sich aus meiner Sicht um eine rein ideologische Agitation, worin ich mit bestem Willen keinen wissenschaftlichen geschweige denn anthroposophischen Standard erfüllt sehe. Vielleicht ist die Autorin inzwischen davon abgerückt, ohne daß ich es zur Kenntnis nehmen konnte. Auf meine Anfragen habe ich jedenfalls keine Antworten erhalten.


Es gehört sich, nicht nur auszusprechen, daß es Widersachermächte gibt, sondern auch zu sagen, wie sie wirken und wo oder von wo aus sie wirken. Es gibt eine "achte Sphäre", gelegen zwischen Erde und Mond, und es gibt ihre irdische Repräsentanz im Innern unserer Erde. Bei Steiner und bei Tomberg können wir weitreichende Details erfahren. Ja, es gibt sie, die Hölle, an die wir als Kinder noch glaubten, auch wenn die Bilder, die wir damit verbinden, nicht der physischen Wirklichkeit entsprechen.

Und diese Hölle ist der Ort, von wo aus die Geister aufsteigen, welche den Kommunismus, den Nationalsozialismus, den Feminismus und - neuerdings - die Tierrechtsbewegung inspirieren. Das soll uns nicht verleiten, die Angehörigen dieser Bewegungen zu "verteufeln" und gereizt oder unduldsam auf sie zu reagieren. Es sind Suchende, mehr oder minder Irrende, die wir zum Gespräch einladen sollten. Hat jemals ein Anthroposoph einen öffentlichen Vortrag über die Hölle gehalten? Und falls ja, hat er sich enthalten können, ständig "Rudolf Steiner hat gesagt" einzustreuen?

Es ist zu hoffen, daß Anthroposophen zukünftig die moralische Kraft aufbringen, die nötig ist, um in eigenem Namen unbequeme Wahrheiten auszusprechen, auch wenn sie das etwas kostet. Valentin Tomberg bekam den Gegenwind sogar aus den eigenen Reihen, genauer: vom damaligen Leiter der holländischen Anthroposophischen Gesellschaft zu spüren, als er dort, im Jahre 1939, die Meinung äußerte, daß es sich bei Adolf Hitler um eine Offenbarung des Antichrist handle. Er wurde hinausgeworfen.

Was können, was sollen wir also tun, um "das Licht der Welt" und das "Salz der Erde" zu bilden? Hierzu möchte ich noch einmal Tomberg aus demselben Kapitel wie oben zitieren:

Weil das im Sinne des Christusimpulses gepflegte Geistesleben nicht Sonderzwecken dienen kann, ist es immer eine Gemeinschaftsangelegenheit. Es bringt die Menschen zusammen und vereinigt sie organisch. Aber diese Gemeinschaft darf sich nicht Zielen und Zwecken ergeben, welche das allgemeine menschliche Tun und Trachten beherrschen. Sie soll ein Niveau erhalten, das sich zu dem Niveau der allgemeinen Gepflogenheiten wie ein Berg zum Tal verhält. Die durch den Christusimpuls gebildete geistige Gemeinschaft soll wie eine "Stadt auf dem Berge" sein. Und dieser Unterschied soll es eben sein, was sie in der Welt sichtbar machen soll. (Anthroposophische Betrachtungen über das Neue Testament und die Apokalypse, S.106) [Hervorhebungen im Original.]

Jede Klassenkampf-Ideologie, ob sie nun die "Bourgoisie", das "Weltjudentum" oder das "Patriarchat" bekämpft, trennt die Menschen. Anthroposophen dürfen sich nicht von ihnen vereinnahmen lassen. Sie mögen sich über das Trennende erheben und eine Gemeinschaft bilden, die insofern sichtbar wird und Orientierung gibt wie eine auf dem Berge gelegene Stadt.


Kommentare:
Samstag, den 14. Januar 2012 um 21.18 Uhr
T.R.E.Lentze
In (5.) schrieb ich: "Diese Bekehrung galt aber keineswegs für alle luziferischen Geister. Die nicht Bekehrten unter ihnen wirken u.a. als Doppelgänger im menschlichen Astralleib." Das hast du offenbar überlesen.

Wir alle sind luziferisch beeinflußt, aber darum keineswegs verloren.

Denn luziferisch beeinflußte Taten werden - so paradox es uns klingt - geheilt durch Krankheit und Tod.

Ahrimanisch beeinflußte Taten werden geheilt durch Wiederverkörperung und Karma. Die Folgen unserer Taten werden also immer wieder ausgeglichen sowohl durch Krankheiten, an denen wir bestimmte seelische Dispositionen stärken (selbst wenn wir in dem betreffenden Leben daran sterben), als auch durch Wiederbegegnungen mit Menschen, an denen wir unsere karmischen Schulden ausgleichen. So reifen wir heran. Die Einzelheiten sind durch Steiner sehr gründlich untersucht worden, vgl. "Die Offenbarungen des Karma" u.a.
Samstag, den 14. Januar 2012 um 20.39 Uhr
Patrick Bieri
"Denn Luzifer fürchtet Ahriman auf den Tod, weil er voraussieht, daß er von diesem verschlungen werden wird. (Ahriman hat kein eigenes Seelenleben; er erlangt es, indem er Seelisches verschlingt.)"

Ok, ich habe es ja nicht so mit den dämonischen Geistwesen, aber man kann das ja auch direkt auf den Menschen anwenden. Es gibt also Menschen, die bereits voraussehen, dass sie unausweichlich verloren sind. Nämlich diejenigen, welche von Luzifer inspiriert sind. Aber ist dies wirklich so unausweichlich?

"Man kann seinen luziferischen Doppelgänger als solchen erkennen, verwandeln und letztlich befreien. Dazu bedarf es der Selbsterkenntnis, der Reue und der Buße, so wie ein Christ sie ohnehin praktizieren sollte. Auch Luzifer selbst hat, wie schon erwähnt, bereut und wartet auf Gelegenheit zur Buße. Die Bereitschaft zum Märtyrertum der ersten nachchristlichen Jahrhunderte geht auf Inspirationen des gewandelten Luzifer zurück."

Im zweiten Zitat steht, dass Luzifer bereits bereut hat und auf seine Busse wartet. Menschen die von Luzifer inspiriert werden, sind also doch nicht unausweichlich verloren? Respektive sie können eigentlich nicht verloren sein, denn Luzifer hat sich ja bereits bekehrt.

Aber weshalb gibt es dann soviele Menschen, die total böse sind und schreckliche Dinge tun?
Samstag, den 14. Januar 2012 um 10.18 Uhr
T.R.E.Lentze
@ Patrick Bieri: Das freut mich. Normalerweise könnten wir das ggf. noch im Reserveforum besprechen, aber... Melde dich mal per Mail (s. "Kontakt").
Samstag, den 14. Januar 2012 um 08.09 Uhr
Patrick Bieri
Danke für die Arbeit. Ich hatte endlich etwas Zeit, um sie im Detail zu lesen!

Gruss Patrick
Montag, den 02. Januar 2012 um 18.55 Uhr
T.R.E.Lentze
@ DvB: Danke für den Hinweis! Ich habe den Fehler jetzt korrigiert.
Montag, den 02. Januar 2012 um 17.41 Uhr
DvB
"Rudolf Steiner (1961-1925)" scheint mir etwas unwahrscheinlich. :-)
Montag, den 02. Januar 2012 um 11.22 Uhr
T.R.E.Lentze
Danke!
Montag, den 02. Januar 2012 um 04.13 Uhr
Herr Schütze
Gut geschrieben!
Sonntag, den 01. Januar 2012 um 02.24 Uhr
T.R.E.Lentze
Obiger Artikel ist eine vorläufige Fassung. Kleinere Korrekturen sind möglich. Ich bitte die Fachleute höflichst, mich auf Irrtümer hinzuweisen. Diskussionen zu Detailfragen sind erwünscht, sollten vorzugsweise aber im Reserveforum stattfinden, weil die Kommentarmöglichkeiten hier vorerst noch begrenzt sind.

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