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Fabre d'Olivet, ein Archäologe des Geschlechterkrieges. 5-12-2012

Fabre d'Olivet
Bild rechts

Antoine Fabre d'Olivet (1767-1825), Linguist und Sprachgenie.

Er war einer der ersten neuzeitlichen Okkultisten, welche sich der übersinnlichen Schau bedienten, um Teile der Vorgeschichte zu beschreiben.

Damit steht er in einer Reihe mit H.Blavatsky, R.Steiner, V.Tomberg, und Anderen.

 

In meinem Artikel Die Zukunft ist männlich. Vom Karma des Feminismus (27-3-2012) hatte ich auf eine Passage in R.Steiners Aufsatz "Die lemurische Rasse" hingewiesen (veröffentlicht in Aus der Akasha-Chronik, etwa 1904, online hier), in welcher der Autor den Weibern für eine gewisse Zeit die Kulturführerschaft zuspricht, und dabei einen für ihn ungewöhnlichen Enthusiasmus zum Ausdruck bringt.

Ich hatte ebenso darauf hingewiesen, daß dieses Detail aus der lemurischen Epoche in Steiners späteren Veröffentlichungen zum selben Thema nicht mehr vorkommt. Da ich, was ich wohl nicht erläutern muß, feminismus-kritisch eingestellt bin, habe ich besagte Darstellung in der "Akasha-Chronik" mit Vorbehalt aufgenommen. In diesem Vorbehalt haben mich auch pro-feministische Äußerungen von Steiner besonders in seiner "Philosophie der Freiheit" bestärkt, deren innere Widersprüchlichkeit für mich nicht zu übersehen war.

Inzwischen habe ich, angeregt durch Hinweise aus dem Spätwerk von Valentin Tomberg, den ersten Band der Histoire philosophique du Genre Humain (1822) des Linguisten Antoine Fabre d'Olivet (1767-1825) gelesen, und zwar in der deutschen Übersetzung durch Dorothee Osterhagen von 2011. Tomberg stellte ihn dar als den ersten in einer Reihe von neuzeitlichen Okkultisten, denen es vergönnt war, durch ein übersinnliches Schauungsvermögen Teile aus der sogenannten "Akasha-Chronik" wiederzugeben.

In diesem Werk findet sich eine Beschreibung, welche derjenigen von Steiner, auf welche ich mich oben bezogen habe, in überraschender Weise gleicht, und zwar nicht nur inhaltlich, sondern auch dem Umfange nach. Hat Steiner also von Fabre abgeschrieben? Wer die Möglichkeit übersinnlicher Erkenntnis aufgrund seines Vorurteils zurückweist, wird selbstverständlich behaupten, daß der eine Okkultist vom anderen abgeschrieben habe, bis auf den ersten, der sich allein seiner Fantasie bedient habe.

Ehe ich nun auf die anderen, höchst interessanten Mitteilungen des Fabre d'Olivet eingehe, die zur Erhellung der Ursprünge des Feminismus beitragen könnten, will ich die zuletzt gestellte Frage zu beantworten suchen. Ich bin geneigt, den diesbezüglichen Ausführungen Valentin Tombergs zu folgen:

Fabre d'Olivet ist es zu verdanken, daß eine Strömung der esoterischen Geschichte aufkam, deren Repräsentanten Saint-Yves d'Alveydre, Blavatsky und Rudolf Steiner sind, um nur die bekanntesten Namen zu nennen. Aber obwohl seit der Zeit von Fabre d'Olivet der esoterische Historismus eine unerhörte Entwicklung erfahren hat und grandiose Werke erschienen sind - zum Beispiel "Aus der Akasha-Chronik" (1904/08) und die Kapitel über die kosmische Geschichte in der "Geheimwissenschaft im Umriß" (1910) von Rudolf Steiner - bezieht sich das, was wir soeben vom Werk Fabre d'Olivets gesagt haben, gleicherweise auch auf seine Nachfolger im Bereich des auf der "Akasha-Chronik" fußenden esoterischen Historismus.

Denn welches auch das Ausmaß ihrer Erfahrung der "Akasha-Chronik" sein mag, wie eindrucksvoll die Ergebnisse ihres Strebens nach Auswertung ihrer Erfahrungen auch sein mögen, diese bleiben nichtsdestoweniger fragmentarisch; und der mehr oder weniger von Erfolg gekrönten intellektuellen Anstrengung der Verfasser verdanken wir die logische oder künstlerische Verknüpfung ihrer vermeintlichen Beschreibung der "Akasha-Chronik". Jeder dieser Verfasser der esoterischen Geschichte hat Lücken in der Erfahrung seiner Quelle - der "Akasha-Chronik" - und hat sie geschlossen, indem er beim Verstand und bei der Gelehrsamkeit, über die er verfügte, Zuflucht nahm.

So ist also die Lage des esoterischen Historismus gegenwärtig die, daß man nicht auf irgendein besonderes Werk schwören kann; auch dort bedarf es gemeinsamer Arbeit, die von Generation zu Generation fortgesetzt wird - d.h., es bedarf der lebendigen Tradition, wo jeder die Arbeit seiner Vorgänger fortsetzt, ihre Wahrheit bestätigt, ihre Lücken schließt, und ihre Irrtümer in der Interpretation oder der Schau korrigiert. Niemand sollte heute mehr eigenmächtig im Bereich der esoterischen Geschichte "ganz von Neuem beginnen", auch wenn er der größte Seher und der tiefste Denker wäre. Künftig wird es sich nicht um vereinzelte Geistesblitze handeln, sondern um eine gemeinsame Arbeit an der Fortsetzung der Tradition, d.h. an der langsamen, aber stetigen Vermehrung des Lichtes, dessen Morgenröte das Lebenswerk von Fabre d'Olivet war. ("Die großen Arcana des Tarot", geschrieben 1965, in Deutsch veröffentlicht 1983, 1993³, 20. Brief: Die Auferstehung, S.622 f.) [Hervorhebung in schwarzer Schrift durch mich.]

Soweit Valentin Tomberg. Er unterscheidet ferner drei Schichten der Akasha-Chronik sowie verschiedene Zugangswege; er bringt auch Beispiele historischer Persönlichkeiten, die jeweils in bestimmter Weise, meist unbewußt, von dieser Chronik profitiert haben; doch würde das nähere Eingehen darauf vom eigentlichen Thema zu weit abführen.

Ich ziehe vorerst die Folgerung, daß Steiner bezüglich der in Frage stehenden Passage durchaus von Fabre d'Olivet könnte beeinflußt sein, wie er auch von anderen Autoren profitiert haben mag. Was etwa die fantastischen Namen der atlantischen Rassen betrifft, die er in seinem Frühwerk Aus der Akasha-Chronik angibt, so hat er sie offensichtlich aus der Story of Atlantis (1896) von W.Scott-Elliot übernommen, den er im Vorwort seines Buches zustimmend erwähnt. - Dagegen macht die ausführliche Darstellung der Weltentstehung in seinem Hauptwerk Die Geheimwissenschaft im Umriß (1910) gerade durch ihre Strukturlosigkeit, Lückenhaftigkeit und Schwerlesbarkeit, d.h. durch den Verzicht auf Übersichtlichkeit und innere Geschlossenheit, den Eindruck völlig selbständiger Forschung.


Der Ursprung des "Patriarchats" ist weibliche Selbstüberhebung.

Nach Fabre d'Olivet unterscheiden sich Männer insofern von den Weibern, als der männliche Instinkt dem Genuß zustrebe, der weibliche dagegen dem Besitz. Nachdem nun in einem sehr frühen Abschnitt der Zivilisation die artikulierte Sprache in Gebrauch gekommen und die ersten Familienverbände entstanden waren, habe das Weib einen sehr schweren Fehler begangen,

einen Fehler, dessen [...] schreckliche Folgen beinahe zum Untergang der ganzen Rasse geführt hätte. Zufrieden mit den eingetretenen Veränderungen ihres Loses, war sie ausschließlich darauf bedacht, diesen Dauer zu verleihen; nur ihr individuelles Interesse im Sinn, vergaß sie das Gemeininteresse der Gesellschaft. Da ihr Instinkt sie mehr zum Besitzen als zum Genießen drängte und sich in ihrer Seele vor jedem anderen Gefühl stets erst die Eitelkeit regte, band sie sich an ihren Gatten mehr aus Eigennutz als aus Sinnenfreude und setzte ihre Eitelkeit, ihm zu gefallen, mehr dahin ein, ihn zu besitzen, als ihm ihren Besitz angenehmer zu machen. (S. 77) [Hervorhebung in schwarzer Schrift durch mich.]

Ungewollt, so Fabre, leistete der Mann dieser Entwicklung auch noch Vorschub; einerseits, weil er im Weib das schwache, hilfsbedürftige Wesen zu sehen wünschte und folglich Nachsicht bekundete; anderseits, weil er mehr in der Außenwelt beschäftigt war und im weiblichen Terraingewinn insofern kein Hindernis erkannte. Dies hatte zur Folge, daß die Frau

alsbald, ganz nach ihrem Wunsch, uneingeschränkte Herrin des gesamten Hausstandes war. Sie machte sich zu dessem Mittelpunkt, regelte dort alles und erteilte dem, den die Natur zu ihrem Herrn bestimmt hatte, Befehle [...] mit der Konsequenz, daß nach einigen Generationen der weibliche Despotismus etabliert war. (S.78) [Hervorhebung in schwarzer Schrift durch mich.]

An diesem Despotismus erwachte der Mann - und reagierte!

Der Mann, der sich der Frau aus einer Art stolzen Gleichgültigkeit untergeordnet hatte, entdeckte sehr bald, daß es ihm leichter fiel, auf Besitz zu verzichten als auf Genuß. Er begegnete außerhalb seiner Hütte irgendeinem Mädchen, das seine Wünsche weckte [...] (S.78)

...was nun den eigentlichen Geschlechterkrieg auslöste:

Diese Wende entfachte in der Seele seiner ersten Gattin eine bis dahin unbekannte Leidenschaft, die Eifersucht. Verletzte Eitelkeit und alarmierter Eigennutz waren ihre Wiege und sie hatten die schrecklichsten Gefühlsausbrüche zur Folge. Was sich in einer Familie zutrug, erschütterte alle. Zum ersten Mal war der Aufruhr allgemein. Zum ersten Mal spürte die boräische Rasse, daß es für sie Allgemeininteressen geben konnte. (S.78)

Die durch Weiber ausgeübte häusliche Gewalt führte zu einer Art Männerbewegung, wenn auch Fabre d'Olivet dieses Wort nicht verwendet.

Zum ersten Mal in großer Menge versammelt und fern von ihren Hütten, spürten sie, daß ihre Kräfte im Zusammenschluß wuchsen und ihre Beschlüsse etwas Feierliches hatten. Die Zaghaftesten waren erstaunt über ihre Kühnheit. Dies waren Gelegenheit und Resultat des ersten Gebrauchs des menschlichen Allgemeinwillens. (S.79)

Erstes Ergebnis war eine gesetzliche Verankerung der Polygamie. Und natürlich versuchten die Weiber nun mit allen Mitteln, die Durchführung zu verhindern, doch der Erfolg blieb ihnen versagt.

Sie begriffen nicht, wie dieselben, an ihrer Seite so schwachen Männer eine solche Kühnheit hatten zeigen können. Sie hofften, sie wieder auf den Boden zurückzuholen, aber vergeblich. Der soeben stattgehabte Vorgang hatte etwas bisher Unbekanntes erzeugt, etwas, dessen Folgen immens sein sollten: Die Meinung. Sie gab dem Stolz eine neue Richtung, wandelte ihn in Ehre und gab dieser den Vorrang vor dem Mitleid. (S.79) [Hervorhebung in roter Schrift bezeichnet Hervorhebung im Original.]

Die Erfolglosigkeit der Weiber hatte nach Fabre d'Olivet diese Gründe:

[...] sie verließen sich auf ihren Instinkt, und der führte sie in die Irre. Die Schläue gab ihnen ein, sie könnten der Stärke die Schwäche entgegensetzen und ihre erschreckten Ehemänner würden es nicht wagen, sie zu bekämpfen, und sie provozierten sie unklugerweise. Aber kaum daß sie den Arm erhoben hatten, waren sie auch schon besiegt: Das Schicksal das sie angerufen hatten, schmetterte sie nieder. (S.79)

Die Auswirkung dieser Konfrontation - weibliches Elend - währte über Jahrtausende, teilweise bis heute. Es ist der Zustand, den heutige Feministen mit Patriarchat oder patriarchale Strukturen bezeichnen, ohne freilich die Ursachen so tief zurückverfolgt zu haben, wie es Fabre d'Olivet getan hat. Dieser sieht die Entwicklung freilich keineswegs mit Genugtuung, vielmehr mit Bedauern; ihn als Antifeminist zu bezeichnen, wäre insofern unrichtig. Er sagt inbezug auf die Frau:

Durch die Schläue wollte sie herrschen, durch die Gewalt wurde sie niedergeschmettert. [...] An den furchtbaren Zustand, auf den sie herabgedrückt wurde, kann man nur mit Schauder denken. Es liegt nur allzu sehr in der Natur des Menschen, von einem Gefühlsextrem in das andere zu verfallen und mit Verachtung die Gegenstände einstiger Liebe und Verehrung zu zerstören. (S.80)

Daß dieses Bedauern aufrichtig ist, läßt sich insbesondere den folgenden - einem heutigen Feminismus-Kritiker eher peinlich anmutenden - Zeilen entnehmen:

Oh Frauen, geliebte Wesen und verhängnisvolle Wesen! Fallen euch diese Zeilen in die Hand, so faßt nicht eilends Vorurteile gegen ihren Autor. Er ist euer aufrichtigster Freund! Er war vielleicht euer zärtlichster Liebhaber! Wenn er eure Fehler aufzeigt, so auch eure Wohltaten. Diese hat er bereits herausgestellt, indem er sagte, daß die Anfänge der menschlichen Zivilisation euer Werk waren. (S.81)

Halten wir fest: Fabre d'Olivet führt die "patriarchalen Zustände", wie sie der Feminismus kritisiert, auf ein weibliches Verschulden zurück, ohne den Eindruck eines anti-weiblichen Ressentiments zu erwecken.


Weibliche Theokratie, ihr Mißbrauch, und erneuter Sturz.

Wir kommen jetzt in eine Kultur- oder Zivilisationsstufe, an deren Beschreibung die in Steiners Akasha-Chronik aufgewiesene Passage anklingt, von der ich sagte, daß sie mir anstößig erschien. Es geht um das weibliche Priestertum, ja, gemäß Steiner, um die angebliche Evolutions-Führerschaft der Frau. Während diese Szene aber nach Fabre d'Olivet der Atlantis, ja der Spätatlantis zuzurechnen wäre, verlegt Steiner sie ans Ende der lemurische Zeit, welche der atlantischen noch vorausging.

Es war jedenfalls die Zeit, da die Herrschaft der Leidenschaften gebändigt werden sollte durch die Entwicklung der Intelligenz und die Schaffung des Kults.

Abermals waren es die Frauen, durch die sich die vorgezeichnete Bewegung zu manifestieren begann. Schwächer und folglich für alle Eindrücke viel empfindlicher als die Männer, machen stets sie die ersten Schritte auf dem Weg der Zivilisation. Wie glücklich, wenn sie, um davon verdientermaßen zu profitieren, es verstünden, ihr Eigeninteresse mit dem der Allgemeinheit zu verbinden: Aber das kommt fast nie vor. (S.111)

Man beachte den pessimistischen Ausklang, der sich bei Steiner nicht findet! - Im Folgenden schildert Fabre d'Olivet das Eingreifen einer Voluspa, "einer, die die Universalität der Dinge sieht", in den Waffenkampf zweier rivalisierender Stammesführer. Augenblicklich gelingt es ihr, die beiden Männer zum Innehalten, ja zur Besinnung zu bringen und sie zu überzeugen von dem Auftrag, der an sie, der Voluspa, ergangen sei.

Sie glauben ihr, und damit ist alles vollbracht. Das Gefühl wandelt sich in Zustimmung, und die Bewunderung tritt an die Stelle der Achtung. Zum ersten Mal ist die intellektuelle Sphäre erregt und die Vorstellungskraft errichtet dort ihr Reich.

Ohne sich Zeit zum Nachdenken zu nehmen, reichen sich die beiden Krieger die Hand. (S.112)

Und dann besiegen sie den wahren Feind im Hinterhalt, der es darauf angelegt hatte, aus der Stammesfehde Profit zu schlagen. Das war nun ein durchschlagender Erfolg - auch für die Frau:

Inzwischen kehrten die Kelten triumphierend heim. Ihnen voran schritt die Frau, deren inspirierte Stimme ihren Triumph vorbereitet hatte. Beim Durchqueren eines Waldes zwingt sie die Erschöpfung zu einer Rast am Fuße einer Eiche. Kaum weilt sie dort einige Augenblicke, da scheint der Baum inmitten der Stille sein geheimnisvolles Gelaube zu schütteln. Die Voluspa selber wird von einer nicht in Worte zu fassenden Unruhe ergriffen, springt auf und schreit, sie fühle den Geist des Hermans. Man versammelt sich um sie, hört ihr zu. Sie spricht mit einer Kraft, die selbst die wildesten Männer beeindruckt. Unwillkürlich zwingt es sie auf die Knie, sie verbeugen sich ehrerbietig. Ein heiliger Schrecken durchfährt sie. Zum ersten Mal sind sie andächtig. [...] Die Zukunft enthüllt sich ihrem Blick. [...]

Das Orakel wurde unter einer Eiche verkündet, und dieser Baum wurde ihnen heilig; in einem Wald, und die Wälder dienten ihnen als Tempel; durch eine Frau, und von da an hatten die Frauen in ihren Augen etwas Göttliches. (S.113f.) [Hervorhebungen in schwarzer Schrift durch mich.]

Bald aber trat die Entartung ein, und Ursache war auch jetzt, wie schon einmal, die weibliche Eitelkeit.

Man hatte in verschiedenen keltischen Gebieten mehrere Frauenkollegien eingerichtet mit einer nur der Voluspa untergebenen Druidin an der Spitze. Diese Druidinnen standen dem Kult vor und verkündeten Orakel [...] Anfangs war ihre Autorität sehr ausgedehnt. Die Druiden taten nichts, ohne ihre Meinung einzuholen, und selbst die Könige gehorchten ihren Weisungen. (S.140f.)

Doch inzwischen erblühten die Künste und Wissenschaften. Männer waren dabei, ihren Rückstand aufzuholen. Und das blieb nicht ohne die Folgen, von denen schon einmal die Rede war.

Dasselbe, was sich bei der ersten Entwicklung der Instinktsphäre ereignet hatte, wiederholte sich jetzt in einem anderen Kontext. Jetzt wie damals ging es darum, daß man wissen wollte, welches der beiden Geschlechter Herr sein würde.

Wäre die Frau weise gewesen, so hätte sie eingewilligt, als Werkzeug der Gottheit angesehen zu werden, als Werkzeug der Kommunikation zwischen Gottheit und Mensch. Dies Stellung wäre gewiß schön genug, um ihre Eitelkeit zu befriedigen. Doch ihrer Eitelkeit war das nicht genug; der erwachte Egoismus vermittelte ihr die Überzeugung, diese Stellung bringe ihr selbst nichts ein. Wenn sie sprach, hörte man ihr zu? Nein, es war [nur] die Gottheit, die aus ihr sprach. (S.141)

Ihr egoistischer Wille gipfelte darin, die Zukunft nicht nur zu verkünden, sondern sie auch zu bestimmen.

Kaum ist dieser gottlose Gedanke geboren, da hat sich auch schon die Vorsehung entsetzt zurückgezogen und das Schicksal ihren Platz eingenommen. Die Voluspa ist nicht länger das Organ der Gottheit; sie ist ein verhängnisvolles Werkzeug, über das fortan das Schicksal verfügt. (S.141f.)

Hier muß ich einfügen, daß Fabre d'Olivet unter "Schicksal" das Gegenprinzip zur "Vorsehung" sieht. Ersteres ist irdischen, letztere göttlichen Ursprungs; vermittelnd zwischen ihnen steht der menschliche Wille. - Die Wendung hat nun noch ein für den Leser überraschendes, gleichwohl ein den Vortrag stützendes Ergebnis:

Umsonst werdet ihr fortan in der von ihr verwendeten Sprache die echte Zukunftsform irgendeines Zeitwortes suchen. Das Verb wird in ihrer Sprache die Zukunftsform verlieren.

[In einer Fußnote:] Die keltischen Sprachen, die keine Vermischung mit den atlantischen Idiomen erfahren haben, wie z.B. das Saxonische, Deutsche, Englische haben kein einfaches Futurum. (S.142)

Tatsächlich wird im Deutschen und Englischen die Zukunft mit Hilfszeitwörtern gebildet. In den romanischen Sprachen ist das nicht der Fall. (Beispiel: dt. "Ich werde gehen"; dagegen fr. einfach nur "J'irai".) - Der Autor resümiert:

Sie konnte nicht mehr durch die Wahrheit regieren, wollte aber um jeden Preis ihre Machtstellung bewahren, also versuchte die Frau durch den Irrtum zu herrschen. [...]

Ein abscheulicher Aberglaube löste den bisher befolgten schlichten Kult ab; die Religion wurde intolerant und grausam. (S.142)

Ich versage es mir, auch nur einen Teil der weib-geborenen kultischen Grausamkeiten wiederzugeben, die Fabre d'Olivet zur Erläuterung seiner These aufführt, und welche über viele Jahrhunderte unsere Kulturgeschichte geprägt haben. (Selbst die Menschenopfer in Mexiko sollen von Island ausgegangen sein.) Lediglich dies sei der Vollständigkeit halber angeführt:

Es ist wahr, diese Schwäche wurde oft durch ihre eigenen Fehler bestraft; oft traf das Schwert, das die Frauen über einem Geschlechte schweben ließen, die eigene Brust. Ich will hier gar nicht von den Jungfrauen reden, die man zu Ehren Freyas lebendig begrub oder in Flüsse stürzte; man darf in Sonderheit nicht vergessen, daß die Frauen der Könige und der Obersten des Staates durch diese abergläubische Überzeugung, ihr eigenes Werk, gezwungen wurden, ihren Gatten ins Grab zu folgen, sei es, daß sie sich bei deren Begräbnis erdrosselten oder sich in die Flammen des Scheiterhaufens stürzten. (S.145) [Hervorhebungen in schwarzer Schrift durch mich.]

Diese Sicht der Dinge wirkt viel realistischer als die, welche der Feminismus in seinem system-immanenten Dualismus von Opfer- und Schuldzuweisung verbreitet.


Resümee.

Fabre d'Olivets Verständnis von Mann und Weib ist essentialistisch. Es beschreibt den Mann als strebend nach Genuß, das Weib hingegen als strebend nach Besitz. Der Mann ist durch die Vorsehung zum Herrn über das Weib bestimmt; dieses hingegen verfügt sowohl über eine höhere geistige Empfänglichkeit, als auch über die Neigung, ihre dadurch bedingte Sonderstellung zu mißbrauchen - zum Schaden nicht nur für sich, sondern für die ganze Gesellschaft.

Die Ursachen auch des weiblichen Elends sind somit im Weibe selbst veranlagt, in seiner Eitelkeit und seiner Selbstüberhebung. Dieser Standpunkt ist annähernd konträr zum feministischen Standpunkt orientiert, welcher nicht nur im Weib den "wahren", "ursprünglichen" oder "guten" Menschen sieht, sondern die Ursache aller weiblichen - und zusätzlichen der männlichen - Leidenszustände dem Mann oder einer männlichen Verschwörung, dem "Patriarchat", zuschreibt.

Ein Vergleich von Steiners frühen Aufsatz über die lemurische Rasse (1904) mit entsprechenden Passagen in der Histoire philosophique du Genre Humain (1822) ergibt, was die zeitweilige religiöse Führungsposition der Frau betrifft, eine gewisse Übereinstimmung. Er zeigt aber auch, daß Steiner, sollte er sich an seinem Vorläufer orientiert haben, dies eindeutig selektiv getan hat, insofern er nur das beschreibt, was der Frau Würde verleiht, wohingegen er ausläßt, was sie vor dem Urteil der Geschichte schuldig spricht. Diese Selektion, wenn es denn eine solche ist, verträgt sich mit seiner pro-feministischen Haltung, wie sie in einigen Stellen seiner Philosophie der Freiheit zum Ausdruck kommt.

Hierbei ist aber die zeitliche Stellung in Steiners Lebenswerk zu berücksichtigen. Bei den Aufsätzen, die veröffentlicht wurden unter dem Titel Aus der Akasha-Chronik, handelt es sich gewissermaßen um Vorstudien zum Abschnitt über die Weltentstehung innerhalb der Geheimwissenschaft im Umriß (1910). Was Steiner dort dargelegt hat, macht den Eindruck einer völlig selbständigen geistigen Forschung. Es ist gänzlich frei von Inhalten, die sich mit übernommen Vorstellungen verbinden lassen. Dadurch erscheint die Darstellung hoch abstrakt und ist schwer lesbar. Gerade dadurch überzeugt sie aber auch. Zum Teil gilt das schon für die Akasha-Chronik - mit Ausnahme u.A. der erwähnten, gewisse Frauen verherrlichenden Passage.

Anders als inbetreffs des Werkes von Steiner, ist es bei dem von Fabre d'Olivet schwieriger zu entscheiden, was auf geistiger Schauung, und was auf Kombination beruht. An einer Stelle der Histoire, mit Bezug den Machtmißbrauch durch die Druidinnen und seine Folgen, findet sich dieser Hinweis:

Ich käme zu keinem Ende, wollte ich die Unmenge an Bildern nachzeichnen, die in meiner Erinnerung auftauchen. Hier weiht ein Heer seinen General dem Tode; dort läßt ein General seine Offiziere auslöschen. Ich sehe einen sechzigjährigen Menschen, den man zu Ehren Teutads verbrennt; ich höre die Schreie der neun Kinder Hakins, die man auf dem Altar Thors erwürgt, und für Freya gräbt man den tiefen Schacht, in dem die ihr geweihten Opfer vergraben werden sollen. (S.144) [Hervorhebung in schwarzer Schrift durch mich.]

Dies sind Schauungen, keine Abschriften oder Kombinationen. Gleichwohl könnten auch sie verfälscht sein. Ich erinnere an die Ausführungen von Tomberg, die für mich - bis zur Erfahrung des Gegenteils - vertrauenswürdig sind. Diesem sei hier noch einmal das Wort erteilt:

So hatte sich zum Beispiel Fabre d'Olivet auf eine Anzahl von Visionen oder Szenen aus der zweiten [Schicht der] "Akasha-Chronik" gestützt. Es handelte sich dabei um Auszüge - um einige Seiten aus einem umfangreichen Buch -, und seine intellektuelle Spekulation setzte die Bindestriche zwischen die isolierten Szenen seiner Visionen und schloß die Lücken zwischen dem, was er geschaut und dem, was er nicht geschaut hatte. Darum nannte er mit Recht sein Werk "Philosophische Geschichte des Menschengeschlechtes", denn der Hauptteil seiner Schrift geht auf seine Philosophie zurück, d.h. auf Interpretation und verstandesmäßige Spekulation.

Es wäre also ein schwerwiegender Irrtum, das Buch von Fabre d'Olivet einzig und allein als Offenbarung oder Darstellung dessen anzusehen, was er in der "Akasha-Chronik" gelesen hat. Es finden sich dort nicht nur Stellen, wo die Vorliebe des Verfassers eine Rolle spielt, sondern auch sehr bestimmte Vorurteile (z.B. gegen das Christentum) - was im übrigen sein Verdienst nicht schmälert, der "Engel der Tradition" zu Beginn des 19. Jahrhunderts gewesen zu sein und einige wichtige Aspekte der hermetischen Tradition wachgerufen, wenn nicht gerettet zu haben. Denn er hat als erster die Geschichte auf das Niveau der Hermetik gehoben, der vor Fabre d'Olivet eine deutlich aufgezeichnete Schau und Sicht der Weltgeschichte fehlte. (a.a.O., S. 622) [Hervorhebungen in roter Schrift bezeichnen Hervorhebungen im Original]

Was schließlich den Vergleich zum feministischen Weltbild betrifft (dessen Nuancierungen mir sehr wohl bekannt sind), so erscheint mir das Weltbild Fabre d'Olivets um Vieles glaubwürdiger, weil realistisch.

Lesen Sie zum Thema auch: Die Zukunft ist männlich. Zum Karma des Feminismus.


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