MannPassAuf! Wider die Gräuel
von Matriarchat und Gynokratie.

Der Mörder und der Jammerlappen. 8-2-2010

MannBar: Herr Bäumler, guten Tag.

Johann Bäumler: Gleichfalls.

Herr Bäumler, Sie sind ein Mörder.

Sie auch!

Mag sein. Aber da gibt es doch einen gewissen Unterschied zwischen uns: Sie sind angeklagt und verurteilt worden, ich nicht. Ist da etwas falsch gelaufen? Hat die Justiz verschiedene Maße angelegt?

Juristisch ist alles korrekt gelaufen. Natürlich sind Sie, so besehen, auch kein Mörder. Jedenfalls weiß ich nichts davon, und es interessiert mich auch nicht. Aber die juristische Sichtweise ist eben nur eine unter anderen.

Darauf wollte ich hinaus. Kommen wir zu den Tatsachen: Sie haben die Mutter Ihres ersten Kindes vorsätzlich umgebracht. Ihr Anwalt hat daraus einen Totschlag gemacht. Dafür haben Sie zehn Jahre gesessen, deretweilen ein Studium absolviert, und sind zum erfolgreichen Chefarzt einer Privatklinik avanciert. Soweit richtig?

Ja, im Prinzip.

Das ist doch eine gute Karriere! Fast möchte ich sagen: Vorbildlich.

Ich war erfolgreich. Ich habe - aus meiner Sicht - richtig gemacht, was Andere falsch machen. Wenn ich auf mein Leben zurückblicke, dann muß ich mir sagen, daß ich nichts hätte besser machen können, von Kleinigkeiten abgesehen.

Sie meinen den Mord.

Den meinte ich nicht ! Aber jetzt mal Klartext: Als Arzt müssen Sie ständig Alternativ-Entscheidungen treffen. Wenn Sie in Krisengebieten tätig sind, dann wird das besonders deutlich: Ein paar Leute können Sie mit den Ressourcen, die Sie zur Verfügung haben, retten; die anderen nicht. Die Wahl fällt oft genug schwer, aber Sie müssen sie treffen, auch ohne langes Überlegen.

Aber in derartigen Situationen sind wir alle ständig, nur denken die meisten nicht darüber nach. Wann haben Sie das letzte Mal einen Spendenaufruf erhalten? Haben Sie gespendet? Nein? Würde ich auch nicht empfehlen, das Geld kommt nicht an. Aber manchmal doch. Und dann ist, weil Ihnen die zehn Euro zu schade waren, ein Kind verhungert.

Vorzeitig verhungert.

Aha, jetzt sind wir beim Relativieren. Zurecht! Mit Ihren zehn Euro hätten Sie vielleicht nämlich einen Kindersoldaten herangezüchtet, der gar nicht anders kann, als zu töten, um zu überleben. Und vielleicht tötet er zufällig auch einen richtig wertvollen Menschen wie mich, einen Arzt nämlich. Wobei das auch wieder so eine Frage ist. Wenn Sie sagen, daß Ärzte Mörder sind, dann würde ich nicht widersprechen.

Aber entschuldigen Sie, vielleicht sollten wir es mit dem Relativieren nicht übertreiben. Das Gesetz unterscheidet zwischen Tun und Lassen. Ob wir aktiv töten, oder ob wir aus guten Gründen eine überlebenswichtige Hilfeleistung unterlassen, das entscheidet eventuell zwischen Lebenslänglich und Freispruch.

Gehen Sie manchmal in die Kirche?

Nein, wieso?

Man spricht dort: "Ich bekenne, Böses getan und Gutes unterlassen zu haben." Aus der höheren Sicht ist der Unterschied zwischen Tun und Lassen also wohl nicht so groß.

Herr Bäumler, Sie sagten mir bereits im Vorgespräch, daß Sie schwer erkrankt sind und daß die Erwartung auf Ihren baldigen Tod Ihnen die Zunge gelöst habe.

Ich habe verschiedenen Verlagen ein Manuskript angeboten, aber die haben alle abgelehnt. Sie sagen, sie könnten kein Buch veröffentlichen, indem ich zum aktiven Töten in bestimmten Situationen auffordere.

So ein Buch, das können sich die Todgeweihten wohl eher leisten als die Lebenden.

Und die Mutigen können es. Darum freut es mich, daß Sie sich wenigstens auf dieses Gespräch eingelassen haben, und es würde mich noch mehr freuen, wenn Sie es dann auch veröffentlichen würden.

Als Sie die Mutter Ihres ersten Kindes getötet haben, da haben Sie, aus Ihrer Sicht, ein kleines Übel einem größeren Übel vorgezogen. Was wäre das noch größere Übel gewesen?

Die Mutter hat mir das Kind entzogen, aus rein wirtschaftlichen, also aus egoistischen Erwägungen. Sie hat auf Unterhalt kalkuliert, und sie hätte als alleinerziehende Mutter auf viele Jahre nicht mehr arbeiten müssen. Hätte sie dieses Spiel auch noch mit anderen Männern getrieben - und ich hatte Grund, ihr das zuzutrauen -, dann hätte sie für sich selbst ausgesorgt.

Nun war ich in der Situation, daß ich meine Ausbildung noch gar nicht abgeschlossen hatte. Ich wäre unterhaltspflichtig geworden und nie mehr auf den grünen Zweig gekommen. Mein Leben wäre verpfuscht gewesen. Und das nicht nur aus meiner Sicht! Ich bin so unbescheiden, darauf hinzuweisen, daß einige Menschen mir gesagt haben, daß sie mir, aufgrund meiner jetzigen Tätigkeit und meiner jetzigen Kompetenz, ihr Leben verdanken.

Sie haben Auszeichnungen erhalten, das können wir bestätigen.

Danke. Und was wäre aus mir geworden, wenn ich diesen Weg nicht gegangen wäre? Ein armseliger Lohnsklave, der mit staatlicher Billigung, ja mit staatlichem Rechtsbeistand einen weiblichen Parasiten durchfüttern und nach dessen Pfeife tanzen muß.

Ich habe das Glück, rechtzeitig gesehen zu haben, was das bedeutet. Ich hatte damals einen Freund - inzwischen ist er gestorben, ich bin mir sicher, an den Belastungen -, der genau das durchmachen mußte, vielmehr durchmachen wollte. Was mich an dem genervt hat - anfangs hatte ich ja noch Mitleid, aber irgendwann dann nicht mehr -, also was mir sehr unangenehm aufgefallen ist, das war seine ständige Jammerei, Anklage und Selbstanklage. Das war ein richtiger Masochist und Jammerlappen. Aber davon scheint es bei uns viele zu geben. Nur, wenn man als Vater Jahre lang vor Gericht klagt und sich dumm und dusselig zahlt, dann muß man doch irgendwann merken, daß man von diesem Rechtsstaat verarscht wird. Diesen Rechtsstaat, den kann man dann nicht mehr achten.

Wie waren denn Ihre Gefühle gegenüber der Frau? Irgendwann mußten Sie sie doch einmal geliebt haben?

Ich gebe zu, diese Frau gewählt zu haben, das war eine Dummheit, eine dieser "Kleinigkeiten", die ich gerade erwähnt hatte, und wo Sie mir unterstellt haben, daß ich die Tötung damit meine. Nein, gerade die Tötung dieser Frau, das war die vernünftigste Tat meines Lebens. Der Gewinn aus dieser Tat für mich, aber auch für die Menschheit - nein, sagen wir für eine Gruppe von Menschen, denen ich dienen durfte - war unermeßlich.

Und nicht zu vergessen: Ohne die wiedergewonnene Freiheit hätte ich anderen Kindern nicht das Leben schenken können. Ich habe mehr Leben gezeugt und erhalten als getötet.

Also mit Liebe war da nichts? Und keine Trauer, kein Bedauern, keine Reue? Sind Sie ein eiskalter Mörder, wie man so sagt?

Es war die Liebe eines völlig unerfahrenen Mannes, der ich damals war. Die Frau dagegen war durchaus erfahren, und das machte sie für mich anziehend. Sie war ein Mutterersatz. Das brauchte ich, so wie viele Söhne alleinerziehender Mütter das brauchen. Und wenn Sie mir unterstellen, ich hätte mich an ihr auch für meine Mutter gerächt, dann werde ich Ihnen antworten: Kann sein! Warum nicht? Aber eiskalt bin ich nicht, nein. Die Sache hat mich damals ungeheuer aufgewühlt. Später habe ich einige sehr tiefgehende Beziehungen und Freundschaften aufgebaut. Aber bitte, lassen wir das ruhen - das Psychologische daran, das ist nicht meine Botschaft.

Sondern, was ist Ihre Botschaft?

Wo Recht zu Unrecht wird, da wird Widerstand zur Pflicht. Das ist meine Botschaft! Ich will die jungen Männer anleiten, erwachsen zu werden und Vernunft anzunehmen. Vernünftig sein, heißt nicht: gefühlskalt sein. Es kann allerdings bedeuten, starke Gefühle ertragen zu lernen, sie durchzustehen und dabei zweckmäßig und eigenverantwortlich zu handeln. Wer das nicht lernt, der kommt aus dem Widerspruch nicht heraus, daß er sich Ärzten, Anwälten und Richtern unterwirft, sie aber gleichzeitig anklagt, weil sie seinen Erwartungen nie ganz gerecht werden können. Ein eigenverantwortlicher Mensch trifft nicht nur seine Entscheidungen selbst, er trägt auch die Konsequenzen, ohne anzuklagen und ohne sich als Opfer zu sehen.

Wobei wir uns von gewissen Ihrer Folgerungen selbstverständlich entschieden distanzieren.

Herr Bäumler, wir danken Ihnen für das Gespräch.


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